Drei Fahrzeuge vor Ort Rettungswache Westerkappeln wird größer als geplant

Von Frank Klausmeyer

Zwei Rettungswagen und ein Krankentransportfahrzeug sollen in absehbarer Zukunft von der Mettinger Straße in Westerkappeln ausrücken. Der neue Bedarfsplan des Kreises sieht ergänzend vor, in Mettingen einen Notarztwagen zu stationieren. Foto: WN/lahZwei Rettungswagen und ein Krankentransportfahrzeug sollen in absehbarer Zukunft von der Mettinger Straße in Westerkappeln ausrücken. Der neue Bedarfsplan des Kreises sieht ergänzend vor, in Mettingen einen Notarztwagen zu stationieren. Foto: WN/lah

Westerkappeln. Was ist eigentlich mit der Rettungswache in Westerkappeln? Vor drei Jahren konnte es dem zuständigen Kreis Steinfurt nicht schnell genug gehen und seit über einem Jahr hört man so gut wie nichts mehr von den Plänen. Doch der Schein trügt. Die Wache wird gebaut, und zwar größer als ursprünglich geplant.

Ende 2013 waren erstmals die Pläne für eine 24-Stunden-Wache in Westerkappeln bekannt geworden. Der Kreis wollte auf dem Gelände des Bauhofes an der Heerstraße bauen, die Gemeinde dort erst nicht und dann doch . Schließlich war Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer bei Verhandlungen über eine andere Fläche erfolgreich und konnte dem Kreis ein rund 8800 Quadratmeter großes Grundstück an der Mettinger Straße auf dem Silbertablett servieren.

Inbetriebnahme bis Ende 2018

Dort soll die Rettungswache nun gebaut werden. Kreisdirektor Dr. Martin Sommer als zuständiger Dezernent geht von einer Inbetriebnahme bis Ende 2018 aus.

Dass monatelang nichts zu hören war, hing auch mit der in Arbeit befindlichen Fortschreibung des Bedarfsplans für den Rettungsdienst im Kreis Steinfurt zusammen. Dessen Ergebnisse sind am Mittwochabend im Kreissozialausschuss vorgestellt worden. „Ein Zugewinn für Westerkappeln“, kommentiert Bürgermeisterin Große-Heitmeyer die Konsequenzen aus dem Gutachten.

Drei Einsatzwagen

War vor drei Jahren noch geplant, eine Wache für einen Rettungswagen zu bauen mit der Option auf Aufstockung für einen weiteren, sollen nun sogar drei Fahrzeuge an der Mettinger Straße stationiert werden, wie Sommer bestätigt: Ein Rettungswagen wird rund um die Uhr vor Ort sein. Ein weiterer solle montags bis sonntags für jeweils neun bis zehn Stunden vorgehalten werden. Überdies wird eine Garage für einen Krankentransportwagen angebaut. „Der wird für die Verlegung von Patienten eingesetzt“, erläutert Sommer.

In acht Minuten vor Ort

Fehlt nur noch ein Notarztwagen. Dieser solle allerdings in Mettingen stationiert werden, wie der Kreisdirektor mit Hinweis auf das neue Konzept für den Rettungsdienst berichtet. Dabei handele es sich um das Auto, das derzeit noch als zweites Fahrzeug von Ibbenbüren aus eingesetzt werde. Künftig soll dieser Notarztwagen bei Bedarf von Mettingen nach Ibbenbüren oder auch nach Westerkappeln fahren. Hintergrund der Pläne: Im Notfall müsse entweder ein Notarzt oder ein Rettungsassistent innerhalb von acht Minuten vor Ort sein, verweist Sommer auf die gesetzlichen Bestimmungen. Wo genau der Notarzt in Mettingen sitzen wird, stehe noch nicht fest. „Wir haben das Gutachten ja gerade erst bekommen“, bittet der Kreisdirektor um Verständnis.

Deutlich mehr Rettungseinsätze

Insgesamt spricht er von einem „Mehr an Versorgungssicherheit“ für die Region. Die scheint auch wohl erforderlich. Im Zeitraum von 2005 bis 2015 sei die Zahl der Rettungsdiensteinsätze um rund 45 Prozent gestiegen. Diese Explosion der Fallzahlen ist Sommer zufolge aber nur teilweise auf die demografische Entwicklung, sprich die immer älter werdende Bevölkerung, zurückzuführen. Möglicherweise stehe die Entwicklung auch im Zusammenhang mit den vor einiger Zeit neu eingeführten Notfallrufnummern der niedergelassenen Ärzteschaft (116 und 117). Weil dies nicht in allen Fällen so funktioniere wie es soll, werde offenbar häufiger als nötig die 112 gewählt.

Einsatz wegen abgebrochenen Fingernagel

Überdies gebe es mittlerweile „ein völlig anderes Denken, was die Inanspruchnahme angeht“, sagt Sommer. Habe es früher häufig eher Hemmungen gegeben, den Rettungswagen zu rufen, sei dies heute selbst bei Bagatellen der Fall. „Wir haben einen Fall gehabt, wo jemand wegen eines abgebrochenen Fingernagels angerufen hat.“

DRK Westerkappeln beauftragt

Auch vor diesem Hintergrund werde die Organisation des Rettungswesens irgendwann an ihre Grenzen stoßen, glaubt der Kreisdirektor, „gar nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil es immer schwerer wird, die Stellen zu besetzen.“

Apropos Personal: In Westerkappeln hat der Kreis Steinfurt seit einiger Zeit das Deutsche Rote Kreuz mit dem Rettungsdienst beauftragt, zunächst in Form eines Probebetriebes, seit April mit einem festen Vertrag. „Das hat sich bewährt“, erklärt Sommer. Zuvor saßen Rettungsassistenten der Feuerwehr Lengerich in den Wagen.


Baurecht bis Herbst 2017

Zwar gibt es schon ein Grundstück für den Neubau einer Rettungswache an der Mettinger Straße. Baurecht muss aber noch geschaffen werden. Kreisdirektor Dr. Martin Sommer hofft, dass dies bis zum Herbst 2017 der Fall sein wird.

Die Gemeinde Westerkappeln muss dafür den Flächennutzungsplan ändern und einen Bebauungsplan verabschieden. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer ist zuversichtlich, dass dies ohne größere Probleme gelingt. Von der Bezirksregierung Münster gebe es nach „langen Gesprächen“ schon eine grundsätzliche Zustimmung. Auch mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW habe die Gemeinde verhandelt. Dieser habe bereits vorgegeben, dass die Zufahrt zur Rettungswache über den Mersch­weg erfolgen soll und die Abfahrt über die Mettinger Straße.

Für das neue Gebäude des Rettungsdienstes hat der Kreis Pläne einer Musterwache in der Schublade liegen. Dass diese in Westerkappeln statt für zwei jetzt für drei Fahrzeuge gebaut werden soll, sei kein Problem, sagt Sommer. Im Prinzip bleibe die Planung ja die gleiche, das Gebäude müsse nur erweitert werden.

Auf dem 8800 Quadratmeter großen Gelände möchte die Gemeinde auf lange Sicht auch ein neues Feuerwehrgerätehaus errichten. All das will „sauber vorbereitet“ sein, wie die Bürgermeisterin betont. In den zurückliegenden Monaten werde deshalb bereits an Gutachten gearbeitet, insbesondere zu den Eingriffen in die Natur und Landschaft. fk

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