Westerkappelner gestorben Fahrer nach tödlichem Unfall verurteilt

Auf einer Kreuzung in Ladbergen krachte ein Motorradfahrer aus Westerkappeln vergangenes Jahr in einen Lieferwagen. Dessen Fahrer hatte die Vorfahrt des Bikers übersehen. Der Westerkappelner wurde tödlich verletzt. Foto: Archiv/Michael BaarAuf einer Kreuzung in Ladbergen krachte ein Motorradfahrer aus Westerkappeln vergangenes Jahr in einen Lieferwagen. Dessen Fahrer hatte die Vorfahrt des Bikers übersehen. Der Westerkappelner wurde tödlich verletzt. Foto: Archiv/Michael Baar

Westerkappeln/Ladbergen/Tecklenburg. „Es war, als hätte mich die Abrissbirne eines Baggers getroffen“, erinnert der 47-Jährige an den schrecklichen Morgen. Doch es war keine Baumaschine, die seinen Lieferwagen erwischt hatte. Es war ein Motorrad, dessen Vorfahrt er übersehen hatte. Ein 53-jähriger Westerkappelner kam dabei ums Leben. Der Fahrer des Kleintransportes, ein Mann aus Ladbergen, ist nun vom Amtsgericht Tecklenburg wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

„Sie hätten den Motorradfahrer sehen müssen“, erklärte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Nach seiner Überzeugung wäre der Tod des Westerkappelners am 9. Juni 2015 vermeidbar gewesen wäre, wenn der Angeklagte beim Überqueren der Grevener Straße (L555) in Ladbergen die gebotene Sorgfaltspflicht nicht verletzt hätte. Der Angeklagte wurde deshalb zu 90 Tagessätzen á 40 Euro Geldstrafe verurteilt. Bei bis zu 90 Tagessätzen gelten Verurteilte als nicht vorbestraft.

Unfallrekonstruktion

Mit dem Schuldspruch und dem Urteil endet das Verfahren nach zwei Verhandlungsterminen. Im März dieses Jahres hatte das Gericht bereits des Angeklagten gehört, zwei Unfallzeugen sowie Polizeibeamte vernommen. Die Hauptverhandlung wurde ausgesetzt und ein Unfallrekonstruktionsgutachten in Auftrag gegeben. Da dieses erst jetzt vorlag, musste das Gericht erneut in die Beweisaufnahme eintreten und erneut alle Zeugen laden.

Der 47-Jährige schilderte das Unfallgeschehen noch einmal aus seiner Sicht. Er habe aus dem Feldweg heraus die Grevener Straße überqueren wollen. An der Stopp-Straße habe er angehalten und in zirka 200 Meter Entfernung von rechts kommend ein weißes Fahrzeug gesehen. Zeit genug, um die Straße zu überqueren, wie er sich sicher war.

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Lauter Knall

Kurz nachdem er angefahren war, hab es den lauten Knall, den er sich zuerst nicht habe erklären können. Als er ausgestiegen sei, habe er das Motorrad und ein Stück weiter den Fahrer erblickt. „Ich habe ihn nicht gesehen, sonst wäre ich nicht losgefahren“, versicherte er im Gerichtssaal.

Dass der Motorradfahrer gerade im Überholvorgang war, berichteten die beiden Autofahrer, die als Zeugen geladen waren. Dessen Geschwindigkeit schätzten sie recht unterschiedlich ein. 100 bis 110 Stundenkilometer, schätzte der eine, etwa 130 der andere. Wie schnell das Motorrad unterwegs war, ist letztlich unerheblich, wie der Sachverständige später ausführte. Der Westerkappelner hatte offensichtlich noch die Gefahr des von links anfahrenden Lieferwagens erkannt und eine Vollbremsung eingeleitet, hätte die Kollision aber nur verhindern können, wäre er mit 86 Kilometern pro Stunde (km/h) deutlich unter der in dem Streckenabschnitt geltenden Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h geblieben.

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Scheinwerfer war eingeschaltet

Warum der Angeklagte das Motorrad, das mit eingeschaltetem Scheinwerfer fuhr, nicht gesehen hat, könne ebenso wenig aufgeklärt werden wie dessen genaue Geschwindigkeit, machte das Gericht deutlich.

Für die Verursachung des Todes eines Menschen durch Fahrlässigkeit sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. Das Gericht machte kein Hehl draus, dass es eine Geldstrafe für ausreichend halte, zumal auch durch vielleicht überhöhte Geschwindigkeit ein Mitverschulden des Motorradfahrers nicht vollständig ausgeschlossen werden könne. Es folgte mit seinem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage.

Freispruch gefordert

Der Verteidiger, der sich während der Hauptverhandlung zweimal erfolglos für eine Einstellung des Verfahrens nach § 153a der Strafprozessordnung stark gemacht hatte, forderte in seinem Plädoyer einen Freispruch für seinen Mandanten. Er vertrat die Ansicht, dass dem Ladbergener kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen sei. Er habe geschaut und in der Ferne einen Pkw, aber eben nicht den überholenden Motorradfahrer gesehen. Für den Fall einer Verurteilung sprach sich der Verteidiger für eine Verwarnung statt einer Geldstrafe aus.

Der 47-Jährige entschuldigte sich in seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung bei der Familie des getöteten Westerkappelners. „Ich habe ihn nicht kommen sehen.“ Auch für ihn ist nichts mehr so, wie es war. Er hat seinen Arbeitsplatz gewechselt, um nicht täglich mehrmals an der Unfallstelle vorbeifahren zu müssen, und befindet sich in psychologischer Behandlung.

„Eine Situation, vor der man nie gefeit ist, ist hier leider eingetreten“, fasste der Richter das schreckliche Geschehen am 9. Juni 2015 zusammen.

Weiterer tödlicher Unfall an derselben Kreuzung

An derselben Kreuzung, ist in der vergangenen Woche ein Mann aus Telgte tödlich verunglückt, als er die vorfahrtsberechtigte L555 überqueren wollte und offensichtlich die Vorfahrt eines anderen Autos übersah.


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