Versammlung des Ortsvereins Politik im Kleinen am Beispiel der SPD Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

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Auch in für die SPD nicht ganz einfachen Zeiten haben Frank Sundermann (links) und Winfried Raddatz die gute Laune nicht verloren. Egmont Kollmann (2. von links) und Siegfried Sudwig halten der Partei noch länger die Treue. Beide sind am Freitag für ihre 40-Jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden. Foto: Frank KlausmeyerAuch in für die SPD nicht ganz einfachen Zeiten haben Frank Sundermann (links) und Winfried Raddatz die gute Laune nicht verloren. Egmont Kollmann (2. von links) und Siegfried Sudwig halten der Partei noch länger die Treue. Beide sind am Freitag für ihre 40-Jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet worden. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Als Siegfried Sudwig und Egmont Kollmann in die Partei eingetreten sind, war Helmut Schmidt noch Bundeskanzler und die sozialdemokratische Welt ziemlich in Ordnung. Für 40 Jahre Parteitreue wurden sie vergangene Woche bei der SPD-Ortsvereinsversammlung geehrt.

Bei den Bundestagswahlen 1976 holte die SPD 42,6 Prozent der Stimmen und lag damit in der Wählergunst ungefähr doppelt so gut wie heute in den Umfragen. Sudwig (62) und Kollmann (75) mag das betrüben, zur Partei stehen sie aber auch nach 40 Jahren treu und fest.

Politik im Kleinen

Zwei Dutzend Genossen sitzen im kleinen Saal des Gasthauses Schröer, hören sich an, was der Vorstand zu erzählen hat und diskutieren miteinander – mal geschäftsmäßig, mal mit Leidenschaft in der Stimme. So arbeitet die Politik im Kleinen: unaufgeregt, an der Sache orientiert, ehrlich und ehrenamtlich. Irgendwie wohltuend, denkt man beispielsweise an die Wutbürger, deren politisches Engagement sich darauf beschränkt, jeden Montag in Dresden krakeelend den Untergang des Abendlandes zu beschwören.

Nein, Kommunalpolitiker haben offensichtlich Besseres zu tun. Die Westerkappelner SPD zieht regelmäßig mit ihrem „Roten Grill“ durch die Gemeinde. „Das sind immer Termine, wo wir dicht an der Bevölkerung sind und hören, wo den Bürgern der Schuh drückt“, sagt Winfried Raddatz, der heute Abend die Vorsitzende Ulla Kropf vertritt. Die Themen, die dieses Jahr beim Wenden der Grillwürstchen bekakelt wurden, drehten sich um die „Berliner Kissen“ am Mühlenbusch, vollgelaufene Wohnstuben in der Haubreede und die Bahnübergänge in Velpe. Nichts Weltbewegendes, aber wichtig für die Betroffenen vor Ort.

Neu im Internet

Auch Parteiinternes haben die Genossen an diesem Abend zu besprechen. Die SPD hat eine neue Homepage. Der mit Unterstützung der „WebSozis“ gestaltete Internetauftritt läuft zwar noch nicht richtig rund, sieht aber, wie Schriftführer Peter Wortmann meint, „schon recht ordentlich aus“.

Friedel Wilsmann, ein Urgestein der Westerkappelner Sozialdemokratie, kann mit solch modernem Kram nur wenig anfangen. „Es gibt eine ganze Menge Leute, die keinen Internetanschluss haben.“ Vor allem geht es dem 81-Jährigen um den „Pottkieker“, ein unregelmäßig erscheinendes Blättchen des Ortsvereins. Das hätten ältere Bürger lieber in gedruckter Form, ist der Rentner überzeugt. „Man muss alle mitnehmen.“

Als „Hardware“ werde es den „Pottkieker“ auch in Zukunft geben, versichert Kassenwart Dieter Mittelberg. „Wir müssen uns aber der neuen Technik stellen“, betont auch Raddatz.

Diskussionen und Wahlkampf

Für Diskussionsstoff sorgten auch die „Kostenexplosion“ für den provisorischen Kindergarten in der Grundschule und die Verkehrssituation am neuen Netto-Markt. „Das könnte ein Unfallschwerpunkt in der dunklen Jahreszeit werden“, befürchtet ein Mitglied. Raddatz notiert und wird das „heiße Thema“ vermutlich demnächst im Gemeinderat vortragen.

Der einzige Profi-Politiker am Tisch ist Frank Sundermann. Der Westerkappelner Landtagsabgeordnete ist längst im Wahlkampfmodus und lässt seine Genossen fast eine Stunde warten, weil er bei einer Versammlung der Ibbenbürener Parteifreunde nicht früher weggekommen ist. Wie in der Bergmannstadt stimmt Sundermann auch im Gasthaus Schröer auf die Landtagswahl im kommenden Jahr ein, bei der er sein Mandat natürlich verteidigen möchte.

Natürlich spiele es eine Rolle, wer in der Politik das Sagen habe, betont der 50-Jährige und macht immer wieder deutlich, wie eng die große Politik mit der im Kleinen verzahnt ist. Die rot-grüne Landesregierung habe die Weichen gestellt, das in Westerkappeln eine Gesamtschule und fürs Tecklenburger Land neue Stadtwerke gegründet werden konnten. Auch Westerkappeln profitiere vom Leader-Programm. Die Regierung in Düsseldorf habe die Mittel für den ländlichen Raum aufgestockt, indem sie Agrarsubventionen umleitete.

Im Münsterland gebe es nahezu Vollbeschäftigung. Trotz Schuldenbremse werde das Land die Kommunen mit zwei Milliarden Euro zusätzlich für das Projekt „Gute Schule 2020“ unterstützen. Westerkappeln allein bekomme 730000 Euro.

Die Perspektiven für einen erfolgreichen Strukturwandel in der Kohleregion Ibbenbüren seien gut, meint Sundermann. Es sei ein Verdienst der früheren SPD-Bürgermeisters Ullrich Hockenbrink, dass Westerkappeln am Prozess der Kohlekonversion beteiligt sei. „Der Ulli hat die Tür aufgemacht. jetzt muss man nur noch durchgehen.“

Ein Thema, dass vor einigen Monaten bei ihm wohl noch an erster Stelle gestanden hätte, sprach Sundermann angesichts rückläufiger Zahlen zum Schluss an: die Flüchtlingssituation. 200000 Menschen seien 2015 nach NRW gekommen. Sozialdemokratie zeichne aus, dass nicht nur über blanke Zahlen und Belastungen gesprochen werde, sondern über die Menschen. Jetzt gelte es, die Geflüchteten, die bleiben, hier zu integrieren.

Einstehen für Überzeugungen

Auch er habe schon mal „gewisse Zweifel“ gehabt an seiner Mitgliedschaft in der SPD, räumt Frank Sundermann ein. Von der Kommunalpolitik über das Regieren in Düsseldorf kommt er an dieser Stelle aber auf die Grundlage der europäischen Demokratie zu sprechen. „In Zeiten, wie diesen, wo die Rechten wieder hochkommen und Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Frage stellen, bin ich so überzeugt wie nie, in der richtigen Partei zu sein.“ Siegfried Sudwig und Egmont Kollmann nicken leise.


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