Höherer Betreuungsbedarf Kita-Planungen: Westerkappeln beginnt bei Null

Von Kirsten Neumann

Die Awo-Kita am Königsteich will expandieren: Die neue Einrichtung soll auf einem Grundstück an der Fillkampstraße entstehen. Bislang wird die Fläche noch landwirtschaftlich genutzt. Foto: Katja NiemeyerDie Awo-Kita am Königsteich will expandieren: Die neue Einrichtung soll auf einem Grundstück an der Fillkampstraße entstehen. Bislang wird die Fläche noch landwirtschaftlich genutzt. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. In der Planung für den neuen Kindergarten an der Fillkampstraße ist der Wurm drin: Zum mittlerweile zweiten Mal muss das Projekt jetzt überarbeitet werden. Der Grund: Das Kreisjugendamt hat seine Zahlen erneut nach oben korrigiert.

Offenbar ist der Betreuungsbedarf größer als noch im März angenommen. Statt für drei soll der Kindergarten jetzt für vier Gruppen mit der Option für eine Erweiterung konzipiert werden.

Bei Null anfangen

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer hält mit ihrem Unmut über die neueste Entwicklung nicht hinterm Berg. „Damit ist die gesamte Bauleitplanung für die Katz‘ gewesen“, sagt sie. „Jetzt fangen wir praktisch wieder bei Null an.“

Und nicht nur das: Die Awo-Kindertagesstätte, an der die neue Einrichtung organisatorisch angegliedert sein wird, muss nun mindestens ein Jahr länger als geplant mit einer Übergangslösung zurechtkommen, für die das Landesjugendamt eine Sondergenehmigung erteilt hatte. Die provisorischen Betreuungsplätze sollten in der Grundschule am Bullerdiek eigentlich bereits am 1. August kommenden Jahres wieder aufgegeben werden. Diesen Termin werde man definitiv nicht halten können, stellt die Bürgermeisterin klar. Stattdessen wird nunmehr der 1. August 2018 anvisiert.

Ein sicherlich ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass allein die Bauleitplanung rund ein Jahr dauert. Auch die Verkehrs-, Artenschutz- und Emissionsgutachten müssten neu erstellt werden, so Große-Heitmeyer. Ganz zu schweigen von den Entwürfen, die ein Architekt bereits für eine Drei-Gruppen-Einrichtung erstellt hatte. Sie müssen nun komplett überarbeitet werden.

Investor bleibt

Das Grundstück, auf dem der Kindergarten errichtet werden soll, wurde zuletzt landwirtschaftlich genutzt. Die Gemeinde hatte die rund 5000 Quadratmeter große Fläche im vergangenen Jahr gekauft mit der Absicht, sie an einen Investor zu veräußern, der auch das Gebäude bauen will. Dieser Kaufvertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, teilt Große-Heitmeyer auf Anfrage mit. Über den nunmehr größeren Bedarf an Betreuungsfläche habe sie den Investor aber informiert, ergänzt sie. Und auch darüber, dass sich der Zeitplan nach hinten verschieben wird. „Er will aber dennoch an seinen Plänen festhalten“, ist die Verwaltungschefin überzeugt.

Auch bei der Awo (Bezirk Münsterland und Recklinghausen) als Trägerin der Einrichtung gibt man sich gelassen. Es sei immer schwierig, den künftigen Bedarf an Plätzen zu errechnen, meint der für Kita-Einrichtungen zuständige Fachbereichsleiter Jürgen Schepp. So fehlten in der Gemeinde derzeit vor allem Plätze für Kinder unter drei Jahre. Für die älteren gebe es hingegen sogar ein kleines Überangebot. „Wie sich die Situation in zehn oder 15 Jahren darstellt, ist fraglich“, so Schepp. Üblicherweise mietet die Awo Einrichtungen wie die an der Fillkampstraße geplante für 20 bis 25 Jahre.

Grundstück passt jetzt

Ein Gutes hat die veränderte Betreuungslage indes: Das von der Gemeinde erworbene Grundstück war bislang mit 5000 Quadratmetern überdimensioniert. Nach den ursprünglichen Plänen benötigte die Awo lediglich 1800 Quadratmeter. Was mit den verbleibenden 3200 Quadratmetern geschehen sollte, war unklar. Zumindest dieses Problem hat sich nun erledigt: Große-Heitmeyer: „Jetzt benötigen wir aller Voraussicht nach die komplette Fläche.“