Musik mit „ russischer Seele Alona und Jakob Reinhardt im Kulturhof Westerbeck

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Musiker mit russischer Seele: Alona und Jakov – Jakob Reinhardt und seine Schwester begeisterten bei ihrem Konzert im Kulturhof in Westerbeck. Foto: Marianne LohmannMusiker mit russischer Seele: Alona und Jakov – Jakob Reinhardt und seine Schwester begeisterten bei ihrem Konzert im Kulturhof in Westerbeck. Foto: Marianne Lohmann

Westerkappeln. Das war „großes Kino“, wie ein Gast beim Abschied resümierte: Jakov Willywitsch – alias Jakob Reinhardt – und seine Schwester Alona hatten sich zuvor mit russischer Seele, fünf verschiedenen Instrumenten und etlichen Requisiten in die Herzen der Zuhörer und Zuschauer im Galerie-Café gesungen und gespielt.

Vom Trio „Aguas 2015“ als „Ehren-Armenier“ ausgezeichnet und entsprechend gekleidet, begrüßte Raimund Beckmann seine Gäste im Kulturhof Westerbeck mit russischem Wodka, dreimal Milch-gefiltert, einem Wässerchen, dass „die Gesundheit fördert und die Seele beflügelt“ wie er überzeugend demonstrierte.

„Wenn Sie jetzt nicht hier wären, wären Sie jetzt anderswo – aber Sie sind ja hier, und das macht mich froh!“ begann Jakov Willywitsch am Klavier und spielte sein Improvisationstalent voll aus.

An einer Tafel erläuterte er, wie russische Namen gebildet werden – Unterricht in Familienrussisch –, und wie deutsche Namen mit Patronym lauten würden. Es klappte, nun wissen alle: Beckmann heißt in St. Petersburg Raimund Goswinowitsch.

Pianist Jakob Reinhardt begleitete sich am Flügel mit vollen, geradezu „süffigen“ Akkorden und zeigte Retro-Charme. Man meinte manchmal, ein Orchester zu hören. Abrupte Stimmungswechsel glitten ins Pianissimo: „Die Russen können auch zart, wenn sie wollen.“

Und ja, in seiner russischen Muttersprache klang Wilyiwitschs Stimme weicher und emotionaler. Vereinzelte Jazz-Akkorde warf er in die Chansons russischer Melancholie und zeigt so seine eigene Ambivalenz.

Dann die Überraschung: Jakobs Schwester, die Pianistin und Sängerin Alona, betrat die Bühne und verriet sogleich „Die Liebe ist wie ein Traum, aus dem man nicht erwachen möchte“.

Mit perfekter Intonation sang sie hoch professionell – das Publikum reagierte begeistert. Jacob spielte dazu die traumwandlerisch synchrone Nebenstimme mit dem Saxofon – nuancenreich, hauchfein bis dramatisch – hinein in feine, lange Folgen der Schlusstöne. Quasi ausgehaucht in eine gespannte Stille des atemlos zuhörenden Publikums. Das Lied „Wo kein Glauben ist, wird die Liebe verwehn, und ein bitterer Rauch bleibt bestehn...“ wurde von den Geschwistern voller Melancholie und mit Momenten der Synchron-Intonation vorgetragen.

Musiker, die beseelt und wie mit einer gemeinsamen vielgestaltigen Zauberstimme musizierten. So hatten die beiden Ausnahmetalente das Publikum stets fest im Griff.

Ob mit Akkordeon oder beim Wyssozki-Lied an der Gitarre auf dem Klavierhocker sitzend, immer konnte Jacov Willywitsch das Publikum zum Jubeln bringen – wie mit „Moskau-Vorort-Abende“. Zur wohlbekannten Melodie der „Moskauer Nächte“, intonierte Jacov mit verhaltener, aber grundehrlicher Haltung, begleitet von der Schwester, die auch am Klavier ihre Meisterhaftigkeit bewies. So mancher russische Fan im Publikum sang begeistert mit. Westerbeck wurde für Momente zur Heimat, zum Moskauer Vorort.

Der Flügel voller Rosen motivierte die beiden zu eindrucksvollen Zugaben. Man meinte, die Balalaika und ein russisches Orchester zu hören.

Folgerichtig und sichtlich bewegt verabschiedete Professor Raimund Beckmann dann auch das Publikum mit sibyllinischen Gedanken: „Ein Wechselbad der Gefühle – der Tod als Bestandteil des Lebens, in der russischen Seele immer präsent, mahnt zur Dankbarkeit durch Freude, solange die Zeit noch reicht - hier im Kulturhof : Freude durch gemeinsames Erleben von Musik !“ – ein großer Abend, der nichts ausließ.


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