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„Festival ist Familienfeier“ Westerkappelner Retter im Wacken-Einsatz

Erkennungszeichen Pommesgabel: Dirk Hagemann (links) und Florian Tepe gehörten beim Festival in Wacken zu den gut 500 Mitgliedern der „Wacken Rescue Squad“. Foto: Anke BeiingErkennungszeichen Pommesgabel: Dirk Hagemann (links) und Florian Tepe gehörten beim Festival in Wacken zu den gut 500 Mitgliedern der „Wacken Rescue Squad“. Foto: Anke Beiing

bei Westerkappeln. Wacken ist nicht nur Iron Maiden und Blind Guardian. Wacken ist auch Wacken Rescue Squad. Zu diesem 500-köpfigen Rettungstrupp gehörte auch Florian Tepe, Rettungsassistent in Westerkappeln.

Matsch, Menschenmengen, Metal-Musik – diese drei Worte beschreiben das riesige Open-Air-Festival im schleswig-holsteinischen 2000-Einwohner-Örtchen Wacken ziemlich gut. Und dennoch: „Wenn du wegfährst, bist du ungefähr eine Woche lang froh, dann wartest du, dass du dich wieder anmelden kannst.“ Das sagt Florian Tepe von der Freiwilligen Feuerwehr Hopsten, der bei der Rettungswache in Westerkappeln arbeitet. Zusammen mit seinem Kollegen Dirk Hagemann gehörte er zur „Wacken Rescue Squad“. Und das nicht zum ersten Mal.

Zwölf-Stunden-Schichten

Drei Tage lang haben die Hopstener dort in Zwölf-Stunden-Schichten harte Metal-Jungs und -Mädels behandelt, die sich Blasen gelaufen hatten, im weichen Boden umgeknickt sind, Pflaster für kleine Wunden brauchten, sich in Sachen Alkohol übernommen hatten oder sich den Schlamm nicht mehr selbstständig aus den Augen spülen konnten.

Schlimmste Verletzungen

Die schlimmsten Verletzungen waren in zwei Fällen Verbrennungen, nach dem Versuch, einem Grill mit Spiritus auf die Sprünge zu helfen. Bei diesen beiden und einem Mann, dem ein Feuerwerkskörper neben dem Gesicht explodiert war, kam der Hubschrauber zum Einsatz. Ansonsten gilt: Ins Krankenhaus kommt nur, wer geröntgt oder stationär aufgenommen werden muss. „Platzwunden werden vor Ort genäht“, erzählt Hagemann, der schon zum fünften Mal dabei war. „Die wollen auch gar nicht weg, die haben ein Jahr auf das Festival gewartet“, ergänzt Tepe.

Um zu gewährleisten, dass möglichst viele unterschiedliche Verletzungen auf dem Gelände versorgt werden kann, achtet das DRK Kaltenkirchen, das den Sanitätsdienst organisiert, genau auf die Zusammenstellung der Rettungsmannschaft. „Vom einfachen Sanitäter bis zum Arzt ist alles dabei“, sagt Hagemann. Alle sind Profis. Er selbst ist hauptberuflich Notfallsanitäter bei der Feuerwehr Ibbenbüren. Tepe, der zum dritten Mal in Wacken war, Rettungsassistent auf der Wache in Westerkappeln. Um in die „Wacken Rescue Squad“ aufgenommen zu werden, müssen sie sich jedes Jahr neu bewerben. Wie sie sind viele Wiederholungstäter. „Es macht einfach Spaß.“

Iron Maiden verschlafen

Dabei ist das Festival in Wacken ein echter Knochenjob für die Rettungsmannschaft. Daran zwischendurch selbst mitzufeiern, ist kaum zu denken. Headliner Iron Maiden etwa haben um 21.30 Uhr auf der Bühne gespielt, an der Dirk Hagemann bis 20 Uhr Dienst hatte. „Die hab ich nicht gesehen, da war ich im Bett“, berichtet der 41-Jährige. Bett bedeutet in diesem Fall eine Pritsche in der Wackener Turnhalle, die für die DRK-Mannschaft reserviert ist. Florian Tepe (28) war mit dem Wohnwagen da.

Ach ja, Geld gibt‘s auch nicht. Alles Ehrenamt. Die Helfer erhalten lediglich Dienstkleidung, kostenlose Unterkunft und werden vom DRK verpflegt.

Friedliches Wacken

Dennoch hoffen die beiden Hopstener jetzt schon, im nächsten wieder bei der ebenso gigantischen wie friedlichen Hardrock-Familienfeier dabei sein zu dürfen. „Ehrlich“, versichert Hagemann. „Ein Polizist hat mit mal gesagt, auf jedem schleswig-holsteinischen Schützenfest mit 2000 Leuten ist mehr Randale als in Wacken mit fast 100000.“