Russkij Chanson mit Jakov Williwitsch Gaunerlieder im Kulturhof Westerbeck


Westerkappeln. Ein Stück Melancholie, gewürzt mit einer Prise Witz, dazu ein Augenzwinkern. Nicht fehlen darf Wissen über die Historie der Sowjetunion und große Musikalität. Zusammen ergibt das „Russkij Chanson“ präsentiert von Jakov Williwitsch, der sein Publikum am Sonntag, 21. August aus dem Kulturhof Westerbeck entführt. Eine Entführung von Westerkappeln bis in die Klangwelt Russlands.

Die Melodien der russischen Chansons, auch Gaunerchanson genannt, trug Jakob Reinhardt (37) alias Jakov Williwitsch lange mit sich herum, pfiff sie unter der Dusche, sang sie beim Autofahren, spielte sie auf seinen Instrumenten, konnte sie aber nicht zuordnen. „Diese Lieder waren im Kopf, irgendwo hatte ich sie mal gehört. Die Texte kannte ich aber nicht“, berichtet der in Kasachstan geborene und im Kaukasus aufgewachsene Musiker. Musikalisch war er schon immer, musizierte in seiner Kindheit in der ehemaligen Sowjetunion auf Familienfesten und in der christlichen Gemeinde vor Ort. Instrumente wie Gitarre und Klavier brachte er sich selbst bei. Als Jakob zehn Jahre alt war, zog er mit seinen acht älteren Geschwistern und seinen Eltern nach Deutschland.

Musikalisches Déjà-vu

Erst im Jahr 2000 kehrte er im Rahmen eines Freiwilligendiensts für einige Zeit nach Russland zurück. „In Sankt Petersburg hörte ich endlich wieder sowjetische Musik im Radio. Die Auflösung: Da waren sie, die Lieder die ich stets vor mich hin summte, nun mit dazugehörigen Texten“, erinnert sich Jakob, der sich von da an für Texte russischen Liedguts aus der Sowjetzeit zu interessieren begann.

Improvisation mit russischem Liedgut

Jakob studierte in Osnabrück Englisch und Religion auf Lehramt. Als kulturinteressierter Student begeisterte er sich für Improtheater. Bald stand er als Multi-Instrumentalist mit auf der Bühne, begleitet bis heute neun verschiedene Impro-Ensemble aus Osnabrück und Münster. „Das schöne daran ist, dass man vorher nichts auswendig lernen muss und mehrere Instrumente einsetzen kann“, findet er. Und immer wieder sang und spielte er die russischen Chansons. „Was singst du da? Erzähl mal, worum es geht in dem Lied“, fragten ihn seine deutschen Freunde.

Handwerk als Abwechslung

2010 verabschiedete sich Jakob von seinem Beruf als Lehrer, wurde Theaterpädagoge und begann 2013 eine Ausbildung zum Luftheizungs- und Ofenbauer in Melle. Jakob kommt aus einer sowohl musikalisch als auch handwerklich begabten Familie. Handwerk bereite ihm Spaß und sei ein zweites Standbein, sowie Abwechslung zum Künstlerdasein.

Frau ist schärfste Kritikerin

Jedoch auch beim Ofenbauen, beim improvisierten Theater, in der Freizeit, immer sind sie dabei, die russischen Chansons in Jakobs Kopf. Weil so viele Leute nach der Bedeutung der Liedtexte fragten, fing er an, sie ins Deutsche zu übersetzen. „Das geht nicht wortwörtlich, sollen Intonation und Reim passen. Ich schrieb teilweise um und sang meiner Frau Helena die übersetzten Chansons vor. Sie ist die schärfste Kritikerin“, erzählt Jakob mit einem Lächeln. Helena Reinhardt kommt genau wie Jakob aus der Sowjetunion.

Einmal Sowjetunion und zurück

Vor zwei Jahren präsentierte Jakov Williwitsch seine „Russkij Chanson“ erstmals einem öffentlichen Publikum bei der „Einfach-so-Show“ in der Kulturwerkstatt Paderborn. Inzwischen unterhält, berührt und entführt er mit einem Repertoire aus über zwanzig Songs, darunter Chanson-Klassiker wie „Murka“ (russischer Spitzname für Katzen), aber auch russische Filmmusik wie „Wenn Du keine Tante hast“. Seine Zuhörer lernen das Original sowie die Übersetzung kennen. Dazu erfahren sie durch eingestreute Erzählungen, über die sowjetischen Künstler und die Entstehung der Lieder. Doch egal wie tief das Publikum in russische Gefilde eintaucht, wie weit es sich durch die Gaunerlieder entführen und durch Überraschungsgäste wie Jakobs singende Schwester Alona erstaunen lässt, eines sei versprochen: Am Ende bringt Jakov Williwitsch sein Publikum wohlbehalten und gut gelaunt in den Konzertsaal zurück.

Mit Gaunerliedern auf Tournee

Derzeit arbeitet Jakov Williwitsch an seinem ersten Album, das voraussichtlich im Herbst fertig sein wird. Im Winter 2016/2017 geht er auf Deutschland-Tournee. Neben dem Konzert am Sonntag, 21. August, Einlass 18 Uhr, im Kulturhof Westerbeck in Westerkappeln (Kartenreservierungen per E-Mail an pro.beck@gmx.de) ist Jakob am 17. September mit der Improtheatergruppe Ratzfatz ab 20 Uhr in der Lagerhalle Osnabrück zu sehen.


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