Schlussakkord im Galerie-Café Abschied mit Klangakrobatik in Westerbeck

Von Marianne Lohmann

Einen besonderen Abend im Kulturhof Westerbeck erlebte das Publikum beim neuerlichen Gastspiel von Boogie-Pianist Luca Sestak und Schlagzeuger Johannes Niklas. Raimund Beckmann (Mitte) kündigte „nebenbei“ an, dass er sich zurückziehen wolle. Foto: Hannelore HeimpoldEinen besonderen Abend im Kulturhof Westerbeck erlebte das Publikum beim neuerlichen Gastspiel von Boogie-Pianist Luca Sestak und Schlagzeuger Johannes Niklas. Raimund Beckmann (Mitte) kündigte „nebenbei“ an, dass er sich zurückziehen wolle. Foto: Hannelore Heimpold

Westerkappeln. Hausherr Raimund Beckmann wird sich aus dem aktiven Geschäft auf dem Kulturhof Westerbeck zurückziehen. Das kündigte er bei dem vergangenen Konzert an, das mit viel Groove über die Wehmut hinweg half.

Schon zum dritten Mal war der renommierte Boogie-Pianist Luca Sestak mit seinem Schlagzeuger Johannes Niklas im Kulturhof Westerbeck zu Gast.

„Ich höre auf“

Mit einem tiefen D auf dem Konzertflügel verschaffte sich Hausherr Raimund Beckmann Ruhe im übervollen Saal für seine Begrüßung, die den Abend gedämpft beginnen ließ ,als er bekannt gab, dass er bald in sein 80. Lebensjahr eintrete und die Zeit damit reif wird: „Ich höre dann auf.“

Publikum aus allen Himmelsrichtungen

Doch mit Charme und List ließ Beckmann sogleich die Künstler aus dem Nichts erscheinen. Hinter der Bühne begann das Konzert aus dem „Off“, das Publikum holte durch rhythmisches Klatschen die beiden Musiker auf das Podium.

„Das geht ja gut los“, meint Ulfried Friedering aus der Meller Gegend - es groovt sofort „tierisch“ sagt Bernhard Koop aus Lingen. Wolfgang Junge aus Osnabrück wippte von Anfang an im Takt mit. Überhaupt erstaunlich wie groß der Einzugsbereich der Konzerte auf Westerbeck geworden ist: Zuhörer aus Göttingen und Neuenkirchen, aus Oldenburg und Beverungen, Dülmen und Rheine gingen an diesem Kulturhof-Abend begeistert mit.

Boogie-Dialog

Punktgenau, voller Drive, mit Kunstpausen voller Witz und Esprit fackeln die Musiker ihr Boogie-Feuerwerk ab. Sie verständigen sich dabei in ihrer ganz eigenen rasanten Klangsprache und in ihren Pausen mit beredten Blicken über die Instrumente hinweg. Geradezu ironisch baut Johannes Niklas seine vielen Schlagzeug-Echos präzise zu Luca Sestaks Klavierakkorden und quirligen Passagen.

Das Kulturhof-Publikum braucht nicht mehr überzeugt zu werden – deshalb brauchte sich Sestak nicht zu sorgen, wie er diesem Publikum noch Neues vorsetzen kann. Die beiden Klang-Akrobaten, die sich so traumwandlerisch in den Pausen wieder auffangen, sie müssen niemandem mehr etwas vormachen, nur einfach sie selbst sein.

Wenn das Selbst zum Wir wird

Und zum Glück haben sie genau das getan, ihre wunderbar durchkomponierten Stücke mit oder ohne Gesang, mal lyrisch, mal ausgefuchst dynamisch klingen lassen. Luca Sestak: „Wir kommen immer gerne hierher – ihr geht ja ab wie 300 Leute!“

So jagen sich die klug aufgebauten, vom Reichtum der Bassfiguren des Klaviers angetriebenen Themen unterstützt von den Drums förmlich gegenseitig durch einen wechselvollen und brillant abwechslungsreich aufgebauten Abend.

Spielfreude erfüllt Sonderwünsche

Ganz wunderbar dann auch der erfüllte Sonderwunsch des Hausherrn, der früher einmal selbst Klavier studieren wollte, als Kontrast zum Jazz: ein Moment Musical von Franz Schubert - vom klassisch ausgebildeten Luca Sestak brillant vorgetragen. Ohne Bruch nahm er danach das Thema auf, um einen rasanten Boogie daraus entstehen zu lassen. (Die daraufhin von Beckmann empfangene SMS aus dem Jenseits enthielt sogar Schuberts ok)

Auch bei den Zugaben gaben die beiden noch einmal alles – die Spielfreude schien unerschöpflich zu sein.

Unvergesslich

„Lasst Blumen sprechen!“ rief Beckmann zum Abschluss und veranlasste so die Damen des Publikums auf die Bühne zu stürmen und den Musikern vorher verteilte einzelne Blumen zu einem Riesenstrauß in den Armen der verblüfften Musiker zu packen. Bis in die Nacht zog sich in kleiner Runde dann das Nach(t)­spiel. Viele werden diesen Abend nicht so schnell vergessen.


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