Gemeinde zur Hilfe verpflichtet Obdachlos in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

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Auf der Parkbank muss niemand übernachten. Die Gemeinde ist verpflichtet, Obdachlosen ein Quartier zu bieten. Ob diese eine Notunterkunft in Anspruch nehmen, steht auf einem anderen Blatt. Symbolfoto: Colourbox.deAuf der Parkbank muss niemand übernachten. Die Gemeinde ist verpflichtet, Obdachlosen ein Quartier zu bieten. Ob diese eine Notunterkunft in Anspruch nehmen, steht auf einem anderen Blatt. Symbolfoto: Colourbox.de

Westerkappeln. Ein Obdachloser, der sein Nachtlager in Westerkappeln aufgeschlagen hatte, hat in der Facebook-Gruppe Westerkappeln für Aufsehen gesorgt. Wieder wurde der Vorwurf laut, dass für Flüchtlinge alles und für Obdachlose nichts getan werde.

Am vergangenen Wochenende hat offenbar ein Obdachloser sein Nachtlager im SB-Bereich der Kreissparkasse (KSK) an der Großen Straße aufgeschlagen. Das sorgte kurzzeitig für Diskussionsstoff in den sozialen Netzwerken. Jetzt hielten die städtischen Zivilisationskrankheiten auch Einzug auf dem Lande, meinte ein Mitglied der Facebook-Gruppe „Westerkappeln“. Die Kommentare reichten vom Aufruf zur Unterstützung des Mannes bis zum Vorwurf, dass die Gemeinde für Flüchtlinge alles tue und für Obdachlose nichts. Stimmt das? Wir haben nachgefragt.

Dass ein Obdachloser im Foyer der KSK die Nacht verbringt, sei ihm bisher nicht untergekommen. Von dem konkreten Fall sei er auch erst von einer Mitarbeiterin in Kenntnis gesetzt worden, die wiederum bei „Facebook“ davon erfahren habe, berichtet Filialleiter Frank Schürkamp.

Nur übernachtet

Der Mann habe dort wohl nur geschlafen. Irgendwelche Hinterlassenschaften habe es nicht gegeben. Gleichwohl sieht es die Sparkasse natürlich nicht so gerne, wenn Fremde in dem Gebäude übernachten oder sich außerhalb von Bankgeschäften dort aufhalten. „Das könnte die Kunden verunsichern, gerade nachts, wenn mal einer Geld abhebt“, gibt Schürkamp zu bedenken. Vor einiger Zeit habe es mal solche Probleme mit einer Gruppe von Jugendlichen gegeben, die den SB-Bereich als Treffpunkt auserkoren hätten.

Zur Unterbringung verpflichtet

Wer kein Dach über den Kopf hat, kann sich an die Gemeinde wenden. „Wir sind zur Unterbringung verpflichtet, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht“, erklärt Winfried Praus, Leiter des Ordnungsamtes. Im Winter gelte dies natürlich eher als in den warmen Sommermonaten.

Gegebenenfalls auch im Flüchtlingsheim

Gerne komme die Kommune dieser gesetzlichen Vorschrift natürlich nicht nach, weil dies auch immer mit Aufwand verbunden sei, sagt Praus. Zunächst werde geklärt, warum jemand von Obdachlosigkeit betroffen ist. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, werde der Person eine Notunterkunft zugewiesen, „gegebenenfalls auch in einem unserer Flüchtlingsheime“, erläutert der Ordnungsamtsleiter. ( Weiterlesen: Ein Besuch bei Asylbewerber Sherwan in Düte )

Obdachlosigkeit eher selten

Fälle von Obdachlosigkeit seien in Westerkappeln aber eher selten. „Im Moment haben wir niemanden“, betont Praus. Vor einigen Jahren habe mal eine ganze Familie untergebracht werden müssen, weil deren Bleibe abgebrannt war und es keinen Unterschlupf bei Verwandten und Bekannten gab. Für eine Notunterkunft müssten die Betroffenen auch zahlen, sagt Praus. ( Weiterlesen: Flammen zerstören Wohnhaus in Westerkappeln – Großbrand macht Familie obdachlos )

Finanzielle Hilfe

Bei dem obdachlosen „Gast“ in der Sparkasse handelte es sich vermutlich um einen Nichtsesshaften. Diese werden in den Rathäusern weniger vorstellig, weil sie eine Bleibe suchen, sondern weil sie dort Geld bekommen. Geregelt wird dies im Sozialgesetzbuch II. Auch Menschen ohne festen Wohnsitz, die als erwerbsfähig gelten, haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Für alleinstehende Personen beträgt der Regelsatz derzeit 404 Euro im Monat, der Tagesatz demzufolge (gerundet) 13,47 Euro. ( Weiterlesen: Verfügbare Einkommen der Haushalte – Kaum Wohlstand im Tecklenburger Land )

Im Rathaus wird das Geld ausgezahlt, wenn der Antragsteller im Personalausweise den Vermerk „ohne festen Wohnsitz“ hat. „Das kommt hier durchschnittlich einmal im Monat vor“, erläutert Sebastian Laig vom zuständigen Jobcenter Kreis Steinfurt.

Damit die im Volksmund bezeichneten Landstreicher nicht am gleichen Tag von Ort zu Ort ziehen und die Pauschale kassieren, ist in der EDV des Jobcenters eine Kontrollliste hinterlegt. Wer am Freitag vorstellig werde, bekomme das Geld gegebenenfalls aber auch fürs ganze Wochenende ausgehändigt, berichtet Sebastian Laig.


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