Der standhafte Kandelhardt Westerkappelner Bürgermeister von Franzosen verhaftet

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Die Kandelhardtstraße ist eine ruhige Siedlungsstraße mit teils mehrstöckiger Bebauung. Foto: Astrid SpringerDie Kandelhardtstraße ist eine ruhige Siedlungsstraße mit teils mehrstöckiger Bebauung. Foto: Astrid Springer

Westerkappeln. Rückwärtig zum Gut Westerkappeln, zweigt vom Westerkappelner Kapellenweg die Kandelhardtstraße ab, eine ruhige Siedlungsstraße mit teils mehrstöckiger Bebauung. Der Name mag manchem vielleicht nichts sagen, andere wissen, dass Kandelhardt ein wichtiges Amt in Westerkappeln hatte.

War Kandelhardt nicht ein Bürgermeister? Die Antwort lautet „Ja“ und „Nein“. Einen Vornamen führt die Straße nämlich nicht im Schild, und tatsächlich gab es zwei Kandelshardts, die sich in Westerkappeln einen Namen machten: Johann Heinrich Kandelhardt und sein Sohn Heinrich Christian.

Besonders großen Einfluss hatte allerdings Johann Heinrich Kandelhardt (1753-1838), denn er war 35 Jahre lang, von 1795 bis 1830, Bürgermeister und ihm ist auch die Straße gewidmet.

Das Amt bekleidete er vor, während und auch nach der französischen Besatzung durch Napoleons Truppen. Während der Besatzungszeit gab es jede Menge Vorgaben an die Westerkappelner Bürger, diesen folgte man jedoch nur in Teilen. So beging man die französischen Feiertage zwar mit einem festlichen Akt, trug dabei allerdings entgegen der Anweisung den preußischen Adler vor sich her.

Ziviler Ungehorsam

Gegen Ende der Franzosenzeit bewies Bürgermeister Kandelhardt besonderen Mut. Mit einer Mischung aus diplomatischem Geschick und westfälischer Sturheit leistete er als eingesetzter Maire erfolgreich zivilen Widerstand gegen die von Westerkappeln geforderten Zwangsabgaben.

Auf der umfangreichen Forderungsliste vom Juli 1813 standen jede Menge Naturalien: „215 Zentner Weitzenmehl, 207 Zentner Roggenmehl, 9887 Scheffel Hafer, 68 Stück Kühe“ sowie „30 Stück Pferde und 4350 Franis baar Geld“ und im Oktober nochmals 14483 Franis für Pferde und Decken.

Unter allerlei Vorwänden verweigerte sich Kandelhardt wiederholt der Lieferung, zahlte nur in Teilen und schob die Erfüllung der Abgaben immer wieder hinaus. Diese Haltung behielt er auch unter Androhung von Strafe bei.

Freiheit dank Waterloo

Schließlich kam er am 2. November tatsächlich in Arrest, das Schicksal war ihm jedoch gewogen: am nächsten Tag war die die Schlacht bei Waterloo entschieden - bekanntlich gegen Napoleon.

Die Franzosen zogen ab, Westerkappeln wurde wieder preußisch und sein Bürgermeister hatte mit der weitgehenden Vermeidung der teuren Abgaben der Gemeinde einen großen Dienst erwiesen. Während seiner preußischen Amtszeit engagierte er sich noch besonders für den Ausbau des Schulwesens in Westerkappeln.


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