Archäologie als Hobby Westerkappelner macht neue Entdeckungen im Wattenmeer

Von Oliver Langemeyer

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Auf der Suche nach Siedlungsspuren: Peter Herschlein vom KvG-Gymnasium nimmt am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Der 15-jährige Westerkappelner stellt die Auswertung von Luftbildern über dem Wattenmeer vor. Dabei hat der Schüler neue Kulturspuren entdeckt. Foto: Oliver LangemeyerAuf der Suche nach Siedlungsspuren: Peter Herschlein vom KvG-Gymnasium nimmt am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil. Der 15-jährige Westerkappelner stellt die Auswertung von Luftbildern über dem Wattenmeer vor. Dabei hat der Schüler neue Kulturspuren entdeckt. Foto: Oliver Langemeyer

Westerkappeln. Archäologie als Hobby: Mit einer Auswertung von Luftbildern des Wattenmeeres nimmt der Westerkappelner Peter Herschlein am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil.

Die Insel „Strand“ war bis 1362 noch zusammenhängendes Land. Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte durch mehrere Sturmfluten geändert. Zahlreiche Orte versanken im Meer. Heute gibt es zwei Inseln: Pellworm und Nordstrand.

Viele Spuren der untergegangenen Siedlungen sind noch heute zu finden: Tonscherben, Deich- oder Brunnenreste. Das hat Peter Herschlein schon als kleiner Junge interessiert, als er im Fernsehen einen Film darüber sah. In den Ferien in Nordfriesland nahm der Westerkappelner, der das Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Mettingen besucht, an Führungen durchs Wattenmeer teil und ging selbst auf Spurensuche.

Dabei lernte er den Heimatforscher Hellmut Bahnsen kennen. Der gewährte Peter Herschlein immer tiefere Einblicke in die verlorenen Landflächen an der nordfriesischen Küste.

AmFreitag (18. Februar 2016) stellt der 15-Jährige seine neuen Entdeckungen im Wattenmeer beim Wettbewerb „Jugend forscht“ in Münster vor. „Da die Kulturspuren sogar aus der Luft sichtbar sind, kam ich auf die Idee, auf Luftbildern aus dem Internet nach neuen Spuren zu suchen“, erklärt der Schüler.

Mit Erfolg: Dabei entdeckte er Warften, die bislang als unbekannt galten. Warften sind künstlich aufgeschüttete Siedlungshügel, auf denen früher die Häuser an den Küsten standen. Die Hügel waren höher als die Deiche. Um sie herum waren Entwässerungsgräben angelegt. Auf dem Gelände befand sich außerdem ein Brunnen. Reste davon lassen sich auf den Luftbildern relativ gut erkennen, sagt Peter Herschlein. Er deutet auf ein Modell, das er für seine Präsentation gebaut hat.

„Das Spannende ist, dass durch den Wechsel von Ebbe und Flut immer andere Spuren sichtbar werden“, erklärt der Westerkappelner. Und das nur für kurze Zeit. Dann werden sie wieder weggespült. Spuren von Siedlungshügeln aus vergangenen Jahren können also längst wieder verschwunden sein. Dafür tauchen regelmäßig neue Überreste auf.

Herschlein: „Mich faszinierte es, dass die Spuren nach so langer Zeit noch sichtbar sind. Man muss aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Zuletzt fand der KvG-Schüler bei einer Tour durchs Watt eine halbe Ofenkachel. Darauf war eine Frau abgebildet. Ein seltenes Motiv.

Auch auf den Luftbildern entdeckte der junge Mann neue Spuren. Dabei handelt es sich um drei unbekannte Warften im Gebiet des 1634 versunkenen Orts Bupsee. Herschlein ließ die Internetbilder unter anderem von „bing.maps“ durch ein spezielles Computerprogramm laufen.

So konnte er die Entdeckungen der Hügelreste gut dokumentieren. Stichwort Dokumentation: Weil die Spuren zwischen den Gezeitenwechseln genauso schnell auftauchen, wie sie wieder verschwinden, ist es wichtig, Funde und Fundstellen genau festzuhalten. Nur so lasse sich das Puzzle zusammenfügen und ein Gesamtbild erstellen, wie es dort ausgesehen haben könnte, erläutert Herschlein.

Zusammen mit Hellmut Bahnsen, vom Rungholtmuseum Pellworm, hat Peter Herschlein schon ein kleines Buch über die Geschichte der Insel und die Spurensuche geschrieben. Titel: „Geheimnisvolles Wattenmeer“.

Pellworm kennt der KvG-Schüler, der die zehnte Klasse besucht, mittlerweile bestens. Er hat unter anderem ein Praktikum im dortigen Gemeindearchiv absolviert. Und er wird immer wieder hinfahren. „Es ist faszinierend“, erzählt er, „nach alten Sachen zu suchen und diese als erster Mensch nach Jahrhunderten in der Hand zu halten.“


Für Daniela Faude war schnell klar, dass sich Peter Herschlein am Wettbewerb „Jugend forscht“ beteiligen muss. Die Leiterin des Mettinger KvG-Gymnasiums stammt selbst aus Nordfriesland und hat sich als Kind und Jugendliche ebenfalls mit der Spurensuche im Wattenmeer intensiv befasst.

Sie weiß, welche Faszination von diesen Entdeckungen ausgeht. Außerdem sollen die Schüler ihre Fähigkeiten nicht nur an der Schule, sondern auch bei solchen Gelegenheiten zeigen. Sie Faude hat dem 15-jährigen Schüler bei der Präsentation seiner Luftbildanalyse und der Vorbereitung seines Vortrages geholfen. „Wir haben seine Arbeit unter der Kategorie Geo- und Raumwissenschaft angemeldet“, sagt Faude. Am Freitagnachmittag wird Herschlein seinen Beitrag beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in der Stadthalle Hiltrup in Münster vorstellen.

Die Sieger sollen ab Freitagnachmittag, 14.45 Uhr, ausgezeichnet werden.

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