Erinnerungen an Gustav Künnemann Erzählcafé in der Wassermühle Velpe

Von Dietlind Ellerich


Westerkappeln. War der Maler Gustav Künnemann „ein bisschen verkannt“? Nicht wenige der rund 30 Frauen und Männer, die am Dienstagabend in der Velper Mühle zusammensaßen, waren der Ansicht, dass der Velper, der im Jahr 1993 mit dem Kulturpreis des Kreises Steinfurt ausgezeichnet worden war, mehr Öffentlichkeit verdient. Sein Gesamtwerk und seine oft mystisch-religiöse Bilderwelt waren dem Kreis vor 22 Jahren die Ehrung des Künstlers wert, der im kommenden Jahr 100 Jahre alt würde.

Rund 40 seiner Bilder sind in der Wassermühle Velpe untergebracht, und deren Besitzer Heinz Görtemöller liebt es, mit seinen Gästen ins Gespräch zu kommen. So auch am Dienstag, als die evangelische Kirchengemeinde Westerkappeln und die Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg wieder zum Erzählcafé einlud.

Gastgeber Görtemöller war in seinem Element, als er die Geschichte der Velper Mühle, die sich in der dritten Generation im Familienbesitz befindet und die er in den 1980er Jahren mit sehr viel Herzblut renoviert hat, Revue passieren ließ und über Fragen zu Mühlsteinen, zum Staurecht oder zum Müllergruß („Glück zu“) philosophierte. Und kaum einer in der warmen Stube konnte des Müllers Ausführungen nicht mit eigenen Erinnerungen ans Schroten, Mahlen und Frieren in der Mühle ergänzen.

Doch ebenso wie Heinz Görtemöller die Mühle wie seine Westentasche kennt, weiß der 73-Jährige über den Maler Künnemann und dessen Schaffen zu erzählen. „Wir hatten einen guten Draht zueinander“, blickt er auf viele intensive Gespräche mit seinem 1998 verstorbenen Nachbarn zurück und schwärmt von dem „wunderbaren Austausch“ mit ihm. Trotz des Altersunterschieds von dreieinhalb Jahrzehnten saßen die beiden Männer oft bis in die Nacht hinein zusammen, machte der Künstler dem Jüngeren die verschiedenen Perioden seines Werks verständlich.

Vielleicht weiß Görtemöller heute deshalb mehr über Künnemann als jeder andere, und er liebt es, aus dem Nähkästchen zu plaudern, das Denken und Handeln des Velper Malers den Menschen seiner Heimatgemeinde begreiflich zu machen. „Für die Velper war Künnemanns Wirken nach dem Krieg sehr problematisch“, weiß Heinz Görtemöller, dass der Maler aneckte, als er 20 Jahre nach Kriegsende mit der modernen Malerei begann, für die ihn der Kreis Jahrzehnte später auszeichnen sollte. Seine schwere Verwundung im Jahr 1944 sei Künnemanns Schlüsselerlebnis für sein zweites Leben und die nach der gegenständlichen Malerei vor dem Krieg mystisch-religiöse Schaffensperiode gewesen, ist Görtemöller überzeugt.

Die Gäste des Erzählcafés, darunter einige Bekannte, Nachbarn und Verwandte des Künstlers, lassen sich gerne auf Görtemöllers Erläuterungen ein und tragen ihrerseits mit ihren Erinnerungen dazu bei, das Puzzle des Velpers Gustav Künnemann ein bisschen weiter zu vervollständigen.

„Hören, staunen und erinnern“, unter dieses Motto hatte Adelheid Zühlsdorf-Maeder, Initiatorin des Erzählcafés, den Abend gestellt, und war am Ende ganz begeistert über den intensiven Austausch so vieler Menschen.

„Dann kann das Erzählcafé auch weitergehen“, warb die Pfarrerin um schöne neue Ideen für weitere Treffpunkte. Zum nächsten Erzählcafé lädt sie bereits am kommenden Mittwoch (30. September) ein. Dann wandeln die Gäste mit Gästeführer Horst Meyer „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Westerkappeln“.

Treffpunkt ist um 10 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Kirchstraße 5. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel.: 05404/96360 (Kirchenbüro) oder 05456/1205 (Pfarrhaus Velpe) oder per E-Mail an: zuehlsdorf-maeder@jubi-te.de.