Alle ziehen an einem Strang Flüchtlingshilfe nach dem Papstaufruf: Gelebte Ökumene

Das Begegnungscafé im Westerkappelner VHS-Haus ist ein Angebot zur Flüchtlingshilfe des dortigen Arbeitskreises Asyl, in dem sich auch die katholische Kirchengemeinde St. Margaretha engagiert.  Foto: Gemeinde WesterkappelnDas Begegnungscafé im Westerkappelner VHS-Haus ist ein Angebot zur Flüchtlingshilfe des dortigen Arbeitskreises Asyl, in dem sich auch die katholische Kirchengemeinde St. Margaretha engagiert. Foto: Gemeinde Westerkappeln

Westerkappeln. Vergangene Woche hat Papst Franziskus die Katholiken zu konkreten Gesten der Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen aufgerufen. Angesichts der Krise, so das Oberhaupt der katholischen Kirche, sollte jede Pfarrgemeinde, religiöse Gemeinschaft, jeder Orden und jedes Kloster eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. Wie ist es um die Flüchtlingshilfe im Bistum Münster bestellt, und wie gehen die katholischen Kirchengemeinden in Westerkappeln, Mettingen und Tecklenburg damit um?

Die Pressestelle des Bischöflichen Generalvikariates in Münster teilt dazu auf Anfrage mit, dass es beim Bistum keinen systematischen Überblick darüber gebe, welche Pfarreien, Orden, Stiftungen oder Institutionen Flüchtlinge unterbringen oder wo sich Ehrenamtliche für Flüchtlinge engagieren. „Wenn wir hier in Münster davon erfahren, geschieht dies eher zufällig“, so der stellvertretende Pressesprecher Martin Wißmann.

Das Bistum selbst verwalte zwei Dutzend Immobilien in der gesamten Diözese, in denen es Mietwohnungen gibt, von denen derzeit vier an Flüchtlingsfamilien vergeben seien. Keines dieser Gebäude liege im Tecklenburger Land. „Das Bistum hat Ende 2014 einen Sonderfonds von einer Million Euro für die Herrichtung von Gebäuden für Flüchtlinge eingerichtet. Eine Zwischenbilanz dazu haben wir im Mai verbreitet. Inzwischen sind fast 400000 Euro aus diesem Topf für acht Projekte verplant beziehungsweise zugewiesen. Im Tecklenburger Land ist keines der bewilligten Projekte; das Nächstliegende ist in Rheine“, teilt die Pressestelle weiter mit. Das liegt auch daran, dass die meisten Pfarreien im Tecklenburger Land keine Immobilien mit freiem Wohnraum für Flüchtlinge besitzen.

Fördergelder für Flüchtlingsarbeit

Neben dem Gebäude-Sonderfonds gebe es ebenfalls seit Ende 2014 Extramittel in Höhe von 500000 Euro für die allgemeine Förderung der Flüchtlingsarbeit, vor allem der Ehrenamtlichenarbeit. Davon seien bislang fast 100000 Euro an 40 Antragsteller geflossen. „Mittel daraus gingen beispielsweise nach Greven, Ibbenbüren, Lengerich, Rheine und Borghorst, um einige Beispiele aus Ihrem Umland zu nennen, so Wißmann.

Caritas organisiert viel in Mettingen

In Mettingen läuft eine ganze Menge über die Caritas, die sich zusammen mit der evangelischen Kirche und inzwischen rund 30 ehrenamtlichen Helfern im Arbeitskreis Asyl engagiert. So werden nach Auskunft von Caritas-Leiterin Monika Lampe allein sechs oder sieben Deutschkurse für Flüchtlinge von Lehrern ehrenamtlich organisiert. Ehrenamtlich tätig sind auch Betreuer für die zunehmende Zahl der Kinder. Eine Kleiderkammer, auch für Möbel und Hausrat, ist an der Landrat-Schultz--Straße Aufbau. In kircheneigenen Wohnungen seien zwar keine Flüchtlinge untergebracht, die Kirchen finanzierten aber ganz viel mit, unter anderem Küchenzeilen und Wohnungsausstattungen.

Überkonfessioneller Arbeitskreis

Einen Arbeitskreis Asyl gibt es auch in Westerkappeln . Darin engagieren sich nicht nur Mitglieder sowohl der katholischen, als auch der evangelischen Kirchengemeinde, sondern auch zum Beispiel die Volkshochschule Lengerich und nicht konfessionell gebundene Helfer. In Westerkappeln ist bereits gemeindeeigener Wohnraum an einen Flüchtling aus Syrien vermietet. Es gibt ein Begegnungscafé zum gegenseitigen Kennenlernen, Sprachkurse , eine Fahrradaktion, einen regelmäßigen Fahrdienst zur Tafel in Ibbenbüren, Patenschaften und vieles mehr. „Ich weiß nicht, ob sich aus St. Hedwig in Lotte oder St. Franziskus in Wersen [beide gehören zur katholischen Kirchengemeinde St. Margaretha in Westerkappeln, Red.] welche engagieren, aber hier in Westerkappeln sind es eine ganze Menge“,sagt Kirchenvorstandsvorsitzender Dietmar Südbeck auf Nachfrage. Er ist auch im Arbeitskreis Asyl, in dem sich rund 35 zumeist berufstätige Helfer in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Die Katholiken sind da in der Minderheit: „Wir sind ja eine Diaspora-Gemeinde.“

Viele kleine Dinge

Von Mitte Juni bis Mitte Juli gewährte St. Margaretha einem afghanischen Flüchtling, der nach dem Dublin-Abkommen nach Bulgarien zurückgeschickt werden sollte, Kirchenasyl, berichtet Südbeck weiter. Und als die Frau eines Asylbewerbers bei der Versorgung der Familie ausfiel, „haben Arbeitskreis-Mitglieder das Essen für die Kinder gekocht“. Es seien also viele kleine Dinge, aus denen sich die Unterstützung zusammensetzt: „Ich denke, viel mehr kann man auch nicht tun.“

Ehrenamtliche gesucht

Die katholische Kirchengemeinde in Tecklenburg, Leeden und Ledde gehört zur Pfarrgemeinde Seliger Niels Stensen in Lengerich. Hier ist Diakon Eugen Chrost Ansprechpartner für die Flüchtlingsarbeit. „Wir haben hier leider keine eigenen Wohnungen oder Gebäude, die wir für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen könnten“, sagt er. In der Stadt Tecklenburg entstehe derzeit ein konfessionsübergreifender Arbeitskreis zur Flüchtlingshilfe. „Wir rechnen da mit etwa 15 Freiwilligen, die sich in der Stadt für Flüchtlinge engagieren wollen“, so Diakon Chrost. In Leeden, gebe es drei Familien, die von Paten im Alltag begleitet würden, etwa beim Einkaufen oder Arztbesuchen. Im Internet hat die Pfarrei Seliger Niels-Stensen unter „www.abzugeben.net“ eine Plattform eingerichtet, um gebrauchte Möbel etc. für die Flüchtlingshilfe zur Verfügung zu stellen. In Lengerich unterhält der Kreis Steinfurt eine Notunterkunft direkt neben der Kirche. „Die Pfarrei denkt darüber nach, Freizeitangebote zu machen, damit die, die hier nur wenige Wochen untergebracht sind, etwas Abwechslung in ihrem Alltag haben“, sagt Chrost. Hier würden noch Ehrenamtliche gesucht, die ein kontinuierliches Angebot machen können.

Brochterbecker sehr aktiv

„Ich kann nur für Brochterbeck sprechen“, betont Martina Lampe vom dortigen Arbeitskreis Flüchtlinge. Hier sind nach ihren Worten im ehemaligen Küsterhaus, einer Doppelhaushäfte, der Heilig-Kreuz-Gemeinde elf Personen aus drei Nationen untergebracht. Die Brochterbecker haben im Gegensatz zu den anderen Angesprochenen auch schon Mittel aus dem Flüchtlingshilfe-Topf des Bistums abgerufen: „Wir haben von dem Geld Materialien für den Deutschunterricht angeschafft“, erläutert Lampe. Auch in Brochterbeck engagieren sich ganz unterschiedliche Leute im Arbeitskreis. Wie viele genau, lasse sich schwer sagen. Der Unterstützerkreis bestehe aus etwa 50 Personen, acht bis zehn seien „ganz Aktive“. Die Anlaufstelle in Brochterbeck bestehe aus zwei Personen: „Dann wird geguckt, wer Zeit hat und was wer machen kann. Vieles läuft über den großen E-Mail-Verteiler“, erklärt Lampe.


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