Ein Jahr Gesamtschule Gut angekommen in Lotte und Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

Der Stundenplan fürs neue Schuljahr steht. Dabei arbeiten Schulleiter Manfred Stalz (rechts) und sein Vertreter Stefan Verlemann nur noch mit einer digitalen Version statt mit Steckbrett. Vor allem für zwei Standorte sei dies viel praktikabler, betonen die beiden Pädagogen. Foto: Frank KlausmeyerDer Stundenplan fürs neue Schuljahr steht. Dabei arbeiten Schulleiter Manfred Stalz (rechts) und sein Vertreter Stefan Verlemann nur noch mit einer digitalen Version statt mit Steckbrett. Vor allem für zwei Standorte sei dies viel praktikabler, betonen die beiden Pädagogen. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln/Lotte. Heute startet das neue Schuljahr. Für die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln ist es das Jahr zwei. Unser Redaktionsmitglied Frank Klausmeyer blickte am Dienstag mit Schulleiter Manfred Stalz (53) und seinem Stellvertreter Stefan Verlemann (38) zurück und nach vorne.

Und, sind Sie beide einen Tag vor Schuljahresbeginn im Stress?

Manfred Stalz: Nö, eigentlich gar nicht. Wir sind ganz ruhig. Wir sind schon seit 14 Tagen hier bei der Vorbereitung und fühlen keine Hektik.

Nur Sie beide oder das komplette Kollegium?

Stefan Verlemann: In der vergangenen Woche waren schon die Kollegen für die neue Jahrgangsstufe 5 da, weil die noch ein bisschen mehr vorbereiten müssen. Seit Montag sind wir komplett.

Mit wie vielen Kollegen starten Sie?

Stalz: Insgesamt mit 24 Lehrerinnen und Lehrern, zwei Sozialpädagoginnen und einer Heilpädagogin. Das Kollegium hat sich damit gut verdoppelt.

Wenn ich auf das erste Jahr zurückschaue und von Ihnen gerne eine Schulzensur dafür hätte. Welche Gesamtnote gäbe es?

Verlemann: Gemessen an dem, was ich mir vorgestellt habe, hätte es nicht besser laufen können. Aus meiner Perspektive war es eine glatte 1.

Stalz: Also, ich würde eine 1 minus geben. Es ist so rund gelaufen, wie wir es eigentlich nicht für möglich gehalten hätten. Als Perfektionist setze ich aber das Minus, weil ich sage, dass es immer etwas zu verbessern gibt.

Es gab aber in der Zwischenzeit negative Begleittöne, was das Anmeldeverfahren betrifft.

Stalz: Ja, natürlich. Wir hätten es uns gerne erspart, Eltern aus Westerkappeln und Lotte Briefe schicken zu müssen, in denen steht, dass ihr Kind nicht angenommen wird. Das war für mich sicher der härteste Moment des Jahres.

Es wurden 23 Kinder abgelehnt. Sind von denen doch noch welche reingerutscht?

Stalz: Ja, weil es noch ein paar Umzüge gab. Die wurden nachgelost.

Wenn sich das nächste Anmeldeverfahren wieder so entwickelt, will sich der Schulzweckverband dafür starkmachen, eine provisorische Sechszügigkeit zu erwirken. Glauben Sie, dass die Bezirksregierung da mitspielt?

Stalz: Wir habe die Raumplanung für die beiden Gebäude in Westerkappeln und Wersen vollkommen für eine Fünfzügigkeit durchgeplant. Ich kann mir im Moment kaum vorstellen, dass die Bezirksregierung unter diesen Voraussetzungen einer räumlichen Erweiterung zustimmt.

Dann stellt sich mir natürlich die Frage, warum die Bürgermeister Rainer Lammers und Annette Große-Heitmeyer mit ihrem Vorstoß so an die Öffentlichkeit gegangen sind. War das mit Ihnen gar nicht besprochen?

Stalz: Doch. Wir haben gesagt, dass wir eine Sechszügigkeit organisatorisch auf jeden Fall hinbekommen werden. Ich weiß, dass die beiden Bürgermeister sich persönlich sehr eingesetzt haben; nicht nur bei der Bezirksregierung, sondern auch bei der Landesregierung. Die Planung für das Gesamtkonzept ist aber anders im Moment. Da müsste dann noch mal nachgesteuert werden.

Wie viele Schülerinnen kommen zum neuen Schuljahr ganz genau?

Verlemann: Wir haben 146 Schüler im fünften Jahrgang.

Stalz: Ein Schüler wiederholt, weil er häufig krank war. Und wir haben noch zwei neue Schüler im jetzt sechsten Jahrgang, sodass wir mit 292 Schülern in zehn Klassen starten.

Wo ziehen die alle hin? Sie haben bislang ja das Obergeschoss des ehemaligen Hauptschultraktes genutzt.

Stalz: Jetzt nehmen wir auch die zweite Etage des anderen Gebäudeteils in Anspruch.

Und ab dem kommenden Jahr nutzt die Gesamtschule erstmals das Gebäude in Wersen?

Verlemann: Genau. Dort werden jetzt die fünf Klassenräume, die wir zuerst beziehen, umgebaut und renoviert, damit sie den gleichen Standard erfüllen wie hier in Westerkappeln. Dann werden wir auch dort zunächst einen Flur belegen.

Stalz: Ein Schwerpunkt unserer Arbeit in diesem Jahr wird deshalb sein, die Vernetzung zwischen den zwei Standorten hinzubekommen. Das hat seinen Charme, ist aber auch mit Herausforderungen verbunden, denen wir uns stellen müssen.

Die Schulleitung wird langfristig wo ansässig sein?

Stalz: Wir werden auf jeden Fall an beiden Standorten präsent sein. Die Schulleitung wird nachher auch noch durch Abteilungsleiter und didaktische Leiter ergänzt. Im Moment planen wir, dass Herr Verlemann im nächsten Schuljahr nach Wersen geht und ich hier erst mal bleibe.

Verlemann: Und wir dann immer, wenn es sinnvoll und notwendig ist, die Büros mal tauschen, um auch an beiden Standorten dran- und drinzubleiben.

Wie hat sich der erste Jahrgang entwickelt?

Verlemann: Sehr positiv. Die Schüler und die Kollegen sind gut zusammengewachsen. Die Schule ist einfach gut angekommen. Wir fühlen uns nicht fremd oder neu hier. Auch das Nebeneinander mit der Realschule hat sich sehr positiv entwickelt. Von der an einigen Stellen anfänglichen Belastungssituation ist nichts übrig geblieben.

Was erwartet die Sechstklässler Neues?

Stalz: Wir starten jetzt in unsere Wahlpflichtfremdsprachen. Wir haben eine Französisch- und eine Spanischlehrerin dazubekommen. Die Bereiche Technik und Naturwissenschaften werden ebenfalls stark ausgebaut.

Was ist denn mit einem „richtigen“ Namen für die Gesamtschule?

Stalz: Der Namensgebungsprozess ist uns ganz wichtig. Wir möchten aber gerne noch abwarten, bis wir einen siebten Jahrgang haben, und dann gründlich überlegen.

Stichwort Inklusion: Wie viele Schüler mit besonderem Förderbedarf haben Sie?

Stalz: Insgesamt 13, verteilt auf zehn Klassen. Wir fahren nicht das Konzept, was auch möglich gewesen wäre, alle Inklusionskinder in einer Klasse zu unterrichten, sondern lassen die Kinder ganz normal im Schulbetrieb mitlaufen. Dieser gemeinsame Unterricht hat sich sehr bewährt.

Von welchen Handicaps sprechen wir?

Verlemann: Das ist ganz gemischt. Wir haben zwei Kinder, die im Rollstuhl sitzen. Dann haben wir Schüler mit Lernbehinderung. Und Kinder mit dem Förderbedarf Sprache. Einen Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf haben wir auch noch.

Stalz: Und noch zwei Kinder von der Förderschule für hörgeschädigte Kinder in Osnabrück.

Sie hatten für Kinder mit Rollstuhl einen Aufzug im Gebäudetrakt der ehemaligen Hauptschule angemahnt. Wie weit sind die Bemühungen gediehen?

Stalz: Meines Wissens ist das noch mal zurückgestellt worden.

Warum?

Stalz: Wahrscheinlich aus finanziellen Gründen. Das müssen Sie aber mit dem Schulträger besprechen. Wir benutzen weiter die Brücke zwischen den Gebäudeteilen. Das war im ersten Jahr ganz praktikabel.

Angenommen, eine gute Fee kommt und Sie haben drei Wünsche für die Gesamtschule frei. Wie lauten die?

Verlemann: Schwierig, das ad hoc zu beantworten, weil man aus einem Füllhorn von Wünschen wählen müsste. Eigentlich wünsche ich mir nur, dass es weiterhin so gut und glatt läuft.

Stalz: Ich würde der Fee auch sagen: „Bitte lass uns weiter von dieser Schule hier träumen.“ Schön wäre es, wenn die Schule in den Herzen der Menschen weiter zu einer Schule für beide Gemeinden wächst. Ich habe gelesen, dass es vor 40 Jahren mal Überlegungen gab, Lotte und Westerkappeln zu einer großen Gemeinde verschmelzen zu lassen. Vielleicht liefern wir jetzt im Nachgang einen Beitrag dazu.

Also nur ein Wunsch.

Verlemann: Das waren ja schon zwei. Das andere sind so kleine Wünsche, für die wir keine Fee brauchen. Das kriegen wir auch aus eigener Kraft hin.