Wespen haben viel Hunger Wespen: Nützlich aber nervig

Im August ist der Hunger auf Kohlenhydrate bei den Wespen besonders groß. Foto: Frank Rumpenhorst/dpaIm August ist der Hunger auf Kohlenhydrate bei den Wespen besonders groß. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Westerkappeln. Meist sind es nur blöde Zufälle, aber weh tun sie trotzdem. Was es bedeutet, sich auf eine Wespe zu setzen, musste die Frau eines Kollegen schmerzhaft am Allerwertesten erfahren. Noch schlimmer traf es den Sohn eines Arbeitskollegen. Ihm flog eine Wespe in den Helm und stach unterhalb des Auges zu. Der Besuch der Notaufnahme war unumgänglich, als der junge Mann dann auch noch allergisch reagierte.

„Wir hatten am Wochenende in der Tat reichlich Patienten mit Wespenstichen“, sagt Dr. Peter Krege, Internist am Klinikum Ibbenbüren. Meist waren es Schwellungen und Rötungen, mit denen die Menschen kamen. Allerdings habe eine Patientin sehr heftig reagiert, unter anderem mit niedrigem Blutdruck. „Da musste der Notarzt kommen“, sagt Krege. Die Dame habe am nächsten Tag entlassen werden können, erfreulicherweise: „So konnte sie ihren 60. Hochzeitstag feiern“, erzählt Krege. Seiner Meinung nach hat die Zahl der Wespen in diesen Tagen zugenommen, nicht die Zahl der Allergiker. „Meist sind es nur lokale Reaktionen. Schwieriger wird es, wenn jemand umfällt oder ihm schwarz vor Augen wird“, so der Mediziner. In selten Fällen werde aber so ein Stich lebensbedrohlich.

„Die treiben ziemlich ihr Unwesen“, stellt Jörg Brinkmann vom Wespen- und Hornissenschutz in Münster fest. Schuld ist seiner Meinung nach die Klimaerwärmung. Der vergangene Winter, der keiner war, habe dazu geführt, dass auch die schwachen Tiere nicht gestorben sind, sagt er. „Ich denke, wir haben die doppelte Menge wie 2014.“ An einem Gebäude habe er gleich vier Wespennester entfernen müssen.

Dass die Wespen so rege seien, liege an der Jahreszeit. Im August hätten die Insekten viel Hunger, zudem müssten sie für viel Wasser sorgen, um ein gutes Klima im Nest zu erreichen. Das führe zu Stress, beziehungsweise sie hätten einen Auftrag und der Mensch ist im Weg.

Wespen sind aber eigentlich nützliche Tiere: Üblicherweise jagen sie Insekten wie Fliegen, Mücken oder Spinnen und verfüttern sie an ihren Nachwuchs. „Wie viele gelbe Flecke haben Sie momentan nach einer Autobahnfahrt auf Ihrer Scheibe? So gut wie keine“, sagt Brinkmann.

Grundsätzlich sei aber ein Zusammenleben mit den Wespen möglich, meint der Fachmann. Hier versuche er, Überzeugungsarbeit zu leisten. Letztlich müsse man vor Ort im Einzelfall entscheiden, ob so ein Nest mit Wespen bleiben könne, problematisch werde es, wenn Allergiker oder Kleinkinder in unmittelbarer Nähe leben. „Manchmal kann man schon viel erreichen, wenn man eine Flugbahnumleitung mit einer Plane errichtet“, weiß der Fachmann. Insbesondere, wenn das Nest auf Kopfhöhe hänge. Manche Nester siedelt er auch um. Manchmal mache aber auch das keinen Sinn, dann müssten die Nester zerstört werden.

Im frühen Stadium - wenn das Nest tennisballgroß sei - könne man selbst Hand anlegen, meint er. Bei Medizinballgröße rät er davon ab, sofern man nicht eine Woche im Krankenhaus verbringen wolle. Wer keine Probleme mit den Wespen hat, kann auch bis Oktober warten. Dann fliegen alle Insekten aus, die Königin stirbt. Danach könne man das Nest einfach abnehmen und es sich in Ruhe anschauen. Es sei ein Meisterwerk. „Das ist schon interessant.“

Der Fachmann, der aus Münster kommt, nimmt rund 60 Euro für die Entfernung eines Nestes - sofern der Ort heimatnah liegt. Wenn er bis Ibbenbüren fahren muss oder weiter, werden je nach Entfernung 100 bis 120 Euro fällig.

Horst Heemann, Vorsitzender des Imkervereins Tecklenburger Land, rät allen Menschen, ruhig zu bleiben und aufmerksam. Vor allen Dingen sollte man mit offenen Flaschen vorsichtig umgehen und Saftflaschen unbedingt verschließen. Saft- oder Bierfallen sollte man nicht verwenden, weil die Tiere elendig ertrinken. Angeblich soll der Rauch von angezündetem Kaffeepulver die Insekten vertreiben. Ansonsten hilft nur aufpassen und abdecken.