Praktisches Partnerschaftsmodell Besuch aus Khorixas zum Ideenaustausch Westerkappeln

Zum Ideenaustausch für ein Bildungsprojekt in Khorixas trafen sich (v.l.) Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, Martin Stening, Leon, Melanie Jaretzki, Tryphosa Manthlodi Moloto, Ester /Nanus, David Hoabeb und Reinhold Hemker. Foto: Araann ChristophZum Ideenaustausch für ein Bildungsprojekt in Khorixas trafen sich (v.l.) Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, Martin Stening, Leon, Melanie Jaretzki, Tryphosa Manthlodi Moloto, Ester /Nanus, David Hoabeb und Reinhold Hemker. Foto: Araann Christoph

Westerkappeln. „Wir müssen versuchen, die Jugendlichen von der Straße zu holen“, erklärt Ester /Nanus, Angestellte im Bereich Wirtschaftsentwicklung in Khorixas. Seit 2014 gibt es zwischen der namibischen Gemeinde und Westerkappeln eine Entwicklungspartnerschaft. Wie diese zwischen den etliche tausend Kilometer voneinander entfernt liegenden Kommunen praktisch funktionieren kann, wird zurzeit bei einem Besuch einer kleinen Delegation aus Khorixas deutlich.

Dort landeten junge Menschen ohne Zukunftsperspektiven oft im kleinkriminellen Milieu, berichtet Ester /Nanus. In ihrer Gemeinde gebe es viele Jugendliche, die nicht zur Schule gehen und ihre Zeit mit Rumhängen, Rauchen, Trinken und Straftaten verschwendeten. Die dreiköpfige namibische Delegation, die zweieinhalb Wochen in Deutschland verbringt, nimmt die Arbeit von Fahrradhändler Martin Laumann-Stening zum Vorbild, der zeigt, wie man Jugendliche aus problematischen Verhältnissen von der Straße holen und ihnen eine Chance geben kann.

In dem Laden an der Großen Straße treffen sich die Namibier mit Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, Partnerschaftskoordinatorin Melanie Jaretzki, Martin Lauman Stening und Reinhold Hemker, der die Entwicklungspartnerschaft zwischen Westerkappeln und Khorixas maßgeblich initiiert hat. Dort sei eine Art Berufsbildungscenter geplant, berichtet Khorxias Bürgermeisterin Tryphosa Manthlodi Moloto. Dabei würden sich die Verantwortlichen an dem Modell der Fahrradwerkstatt Stening orientieren, ergänzt Hemker.

Sieben Jungen aus schwierigen Verhältnissen leben zusammen mit der Stening Familie unter einem Dach und helfen im familieneigenen Fahrradladen. Ähnlich soll das Berufsbildungscenter in Khorixas aufgebaut werden: Junge Menschen sollen lernen, Fahrräder zu reparieren. „Der tiefere Sinn allerdings ist, dass wir den Jugendlichen vermitteln wollen, dass sie mit ihren eigenen Händen Geld verdienen und sich mit dieser Ausbildung eine Zukunftsperspektive schaffen können“, erläutert Hemker. Um diese Werkstatt aufbauen zu können, müsse sich außerdem ein professioneller Fahrradmechaniker bereit erklären, für eine gewisse Zeit nach Namibia zu gehen und dort sein Wissen zu vermitteln.

Das namibische Schulsystem sei etwas anders als das Deutsche. Man müsse 16 Jahre alt sein, um die sogenannte „High School“ zu besuchen, welche vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe in Deutschland ist. „Wenn man also eine Klasse nicht schafft, hat man direkt keine Gelegenheit mehr, die High School zu besuchen“, sagt David Hoabeb, Schulleiter einer der vier Grundschulen in Khorixas. Also verließen viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss.

Einige Kilometer außerhalb von Khorixas befindet sich eine sogenannte „Lodge“, also eine Hütte, in der Touristen, die Safari-Touren machen, häufig übernachten. Eine Fahrradwerkstatt könnte die Touristen noch mehr in die Kerngemeinde mit fast 15000 Einwohnern bringen.

„Die Idee ist, dass die Touristen die Räder nehmen und sich die Umgebung und Khorixas ansehen. Somit kriegen sie mehr von der Kultur mit, sie kommen mit den Menschen in Kontakt und lernen ihre Lebensart kennen“, sagt Hemker. Beispielsweise gibt es in der Nähe von Khorixas den „Versteinerten Wald“, der 1950 zum Nationalen Denkmal erklärt wurde.

In zwei Monaten soll der Container mit Ausrüstung und Fahrrädern nach Namibia geschickt werden. Gebrauchte Räder können im Fahrradladen Stening abgegeben werden. Ziel ist, 20 bis 30 gebrauchte Räder nach Namibia zu bekommen. „Am besten ist natürlich, wenn die Leute selbst vor Ort sind und sich ein Bild machen. Viele sind viel mehr gewillt, zu spenden und zu helfen, wenn sie sehen, wie es dort zugeht und eine gewisse emotionale Verbindung haben“, meint Hemker.

Während ihres Aufenthalts werden Moloto, /Nanus und Hoabeb noch verschiedene Deutsche Einrichtungen besuchen, wie Schulen, Sportvereine und die Feuerwehr. „Uns gefällt es gut in Deutschland, es ist eine tolle Erfahrung und eine gute Gelegenheit, den kulturellen Austausch voranzubringen“, sagt /Nanus.


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