Ehrung einer streitbaren Theologin Westerkappeln: Straßenname erinnert an Dorothee Sölle

Der Blick in den Sölle-Weg verrät wenig über das freiheitliche und nachhaltige Engagement seiner Namensgeberin. Foto: Astrid SpringerDer Blick in den Sölle-Weg verrät wenig über das freiheitliche und nachhaltige Engagement seiner Namensgeberin. Foto: Astrid Springer

Westerkappeln. Freiheit im Glauben und konsequentes Handeln im Hier und Jetzt, dafür steht Dorothee Sölle, eine politisch engagierte Theologin, die sich für eine kritische Haltung im Glauben stark gemacht hat. Mit dem Sölle-Weg in Westerkappelns Haubreede wird das Engagement der streitbaren Frau geehrt.

Geboren wurde sie am 30. September 1929 in Köln als Tochter von Jurist Hans Carl Nipperdey, der als Arbeitsrechtler von sich reden machte. Sie erlebte als Kind die Kriegsjahre und wurde als Jugendliche vom Schock über den Holocaust geprägt.

Eine Allmacht Gottes sah sie kritisch. Ihre theologische Überzeugung: nur durch das Wirken der Menschen könne Gottes Wille umgesetzt werden. Damit war sie eine Vertreterin der sogenannten Gott-ist-tot-Theologie.

Glaube und Politik gehörten für sie deshalb zwingend zusammen. Theologie müsse stets auch politisches Handeln zur Folge haben, war ihre Überzeugung, alles andere sei Heuchelei. Religiösen Gehorsam lehnte sie ab. Als Mitinitiatorin des politischen Nachtgebets nahm sie in Kauf, sowohl bei der evangelischen als auch der katholischen Kirche anzuecken.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen war die unbequeme Theologin auf Kirchentagen ein Highlight. Und nicht nur dort, deutschlandweit trug sie ihre Sicht auf Gott und die Dinge vor.

Dabei war sie in ihrem Glauben höchst lebendig, verfasste sogar ein eigenes Glaubensbekenntnis, welches eine modernere Sprache benutzt und ihre Handlungsorientierung manifestiert.

Neue Ausdrucksweisen für ihre Theologie fand sie auch in Kunst und Poesie. Mit ihren kraftvollen Vorträgen sprach sie insbesondere kirchenferne Leute an. Ihre philosophisch geprägte Theologie war eine Einladung an Glaubensmüde und Zweifler.

Noch in den 80er Jahren engagierte sie sich für die Friedensbewegung, den Feminismus und ökologische Ziele. Am 27. April 2003 verstarb sie in Göppingen infolge eines Herzinfarktes. Ihre kritische Haltung wirkt in Kirchenkreisen bis heute nach. 2011 wurde erstmals der „ Dorothee-Sölle-Preis für aufrechten Gang“ vergeben. Er wird alle drei Jahre vom ökumenischen Netzwerk „Initiative Kirche von unten“ ausgelobt. Die Preisträgerinnen: Fanny Dethloff setzte sich für Flüchtlinge ein; Jutta Lehnert forderte eine konsequente Aufklärung von Mißbrauchsfällen in der Kirche.


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