Anlage hat ausgedient Laue Luft statt Windkraft in Sennlich

Von Karin C. Punghorst

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Das Windrad der Gebrüder Wieligmann liegt am Boden. Jetzt muss es fachgerecht entsorgt werden. Foto: Karin C. PunghorstDas Windrad der Gebrüder Wieligmann liegt am Boden. Jetzt muss es fachgerecht entsorgt werden. Foto: Karin C. Punghorst

Westerkappeln. Das Windrad in Sennlich ist abgebaut. „Rentabel ist das Ding nie gewesen“, sagt Horst Wieligmann. Gemeinsam mit seinem Bruder Günter hatte er im November 1995 den unternehmerischen Schritt gewagt, in der Energiebranche Fuß zu fassen und das Windrad auf den Agrarflächen der Familie aufgestellt. Doch – so lässt es sich auf Neudeutsch formulieren – „das Joint Venture als Windbauer“ hat Wieligmann nicht überzeugt.

„Alle haben gesagt, der Wind wird mehr, aber in den letzten zehn Jahren ist es weniger geworden“, bilanziert Wieligmann. Und von wegen einwandfreies Drehmoment: „Dreimal hatten wir das Getriebe unten, weil es repariert werden musste.“

Noch liegen Reste der Anlage verteilt auf dem Acker. „Das wird fachgerecht entsorgt“, sagt Wieligmann. „Ende April, Anfang Mai muss das weg sein, dann wird der Mais eingesät.“

Die Anlage in Sennlich war 48 Meter hoch. Drei jeweils 16 Meter lange Betonsegmente bildeten den Turm, an dessen Spitze sich drei Rotorblätter drehten. Allein für das Fundament der Anlage wurden 135 Kubikmeter Beton verwendet. Das Material muss nun vom Acker gebracht werden.

„Wir haben Repowering gemacht“, betont Wieligmann. Um den Begriff zu erklären, lohnt ein Blick ins Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Das EEG aus dem Jahr 2012 schafft Anreize für Investitionen in den Ersatz von Altanlagen“, fasst Wolfram Axthelm, Pressesprecher des in Berlin ansässigen Bundesverbands Windenergie, zusammen. Wird für eine alte eine neue, weitaus leistungsstärkere Anlage aufgebaut, so erhöht sich die Vergütung um 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Die ersetzten Anlagen müssen aus dem gleichen oder benachbarten Landkreis stammen und vor 2002 ans Netz gegangen sein.

Diese Voraussetzungen erfüllten die Gebrüder Wieligmann mit ihrer Anlage, als das Unternehmen „Pro Wind“ vor einiger Zeit an sie herantrat. Die in Osnabrück ansässige Firma projektiert den Bürgerwindpark in Emsdetten. Für die abgebaute Anlage in Sennlich dreht sich jetzt ein weitaus größeres und leistungsstärkeres Windrad in Emsdetten. Entsprechende Fristen seien eingehalten worden, um die Vorzüge des EEG noch mitzunehmen. Mittlerweile ist das Gesetz in dieser Form außer Kraft gesetzt.


Windkraft im Kreis Steinfurt:

Im Kreis Steinfurt sind zurzeit 253 Windkraftanlagen in Betrieb. Pro Jahr werden damit rund 800000 Megawatt Stunden Strom erzeugt. Diese Angaben macht Ulrich Ahlke, Leiter der Abteilung Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt. Der Ertrag reicht aus, um 228000 Vier-Personen-Haushalte für ein Jahr mit Strom zu versorgen. „Das sind mehr Privathaushalte, als wir im Kreis Steinfurt haben“, sagt Ahlke und gibt im gleichen Atemzug zu bedenken, „dass Industrie und Gewerbe den meisten Strom benötigen“. Ahlkes Angaben zufolge werden rund 30 Prozent des Strombedarfs im Kreis Steinfurt durch Windenergie abgedeckt. kcp

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