Die Rolle des Weichenstellers Aufgaben der Schnittstelle Kohlekonversion

Von Carsten Kuhn

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Die Mitarbeiter der Schnittstelle Kohlekonversion (von links): Monika Umlauf, Uwe Manteuffel und Gudrun Büchter sind die zentralen Ansprechpartner. Foto: Stadt Ibbenbüren/HagelDie Mitarbeiter der Schnittstelle Kohlekonversion (von links): Monika Umlauf, Uwe Manteuffel und Gudrun Büchter sind die zentralen Ansprechpartner. Foto: Stadt Ibbenbüren/Hagel

Westerkappeln. Die Städte und Gemeinden Hörstel, Hopsten, Ibbenbüren, Mettingen, Recke und Westerkappeln sowie der Kreis Steinfurt sitzen in einem Boot, wenn es um den Strukturwandel der Kohleregion geht. Mittendrin im Prozess, sozusagen als zentrale Organisationseinheit, ist die sogenannte „Schnittstelle Kohlekonversion Kohleregion Ibbenbüren“.

Angesiedelt in der Stadtverwaltung Ibbenbüren, besteht sie aus drei Personen: den Ingenieuren Uwe Manteuffel (Geschäftsführer Schnittstelle) und Monika Umlauf (stellvertretende Geschäftsführerin) und der Sekretärin Gudrun Büchter. Die Schnittstelle übernimmt das Projektmanagement, koordiniert die Kommunen und ist zentrale Ansprechpartnerin im Konversionsprozess.

Die Schnittstelle ist über Fördergelder (80 Prozent) ausgelegt bis zum Jahr 2016. Aber auch danach wird diese Einheit nötig sein. Eine entsprechende Förderung müsste dann formal neu beantragt werden. „Aufgaben gibt es auch nach 2016 reichlich“, so Uwe Manteuffel.

Die Schnittstelle, so der Geschäftsführer, steht in regem Austausch mit den Bergbaukommunen, dem Kreis, den Beratungsunternehmen Georg Consulting und Grontmij, der Bezirksregierung, der RAG und weiteren Akteuren des Prozesses. Zudem, so Monika Umlauf, bereitet die Schnittstelle die Workshops des Lenkungskreises und die öffentlichen Regionalveranstaltungen vor. Wie berichtet gab es eine erste Regionalveranstaltung zum Thema Halden. Eine zweite Regionalveranstaltung ist für den 10. März geplant, dann geht es um die Zechengelände sowie das Bergbaumuseum.

Der gesamte Prozess ist komplex. Und deshalb sieht Uwe Manteuffel die Schnittstelle auch in der Rolle des Weichenstellers. Es gelte, die vielen Infos, die auflaufen, an die richtigen Akteure zu bringen. Und es müsse auch klar gesagt werden, was gerade keine Priorität haben könne. Er nennt als Beispiel Zechenbahn und Kraftwerk: „Hier sind wir ganz einfach nicht die Entscheider.“

Uwe Manteuffel und Monika Umlauf nennen fünf „Wahrheiten zur Kohlekonversion“, die aus ihrer Sicht folgende sind: 1. Die Kohleregion wird 2018 wirtschaftlich nicht vor einem extremen Einbruch stehen. Manteuffel: „Es stehen nicht plötzlich massenweise Bergleute auf der Straße.“ 2.► Im Jahr 2018 stehen wesentliche Flächen des Zechengeländes (Nordschacht, Oeynhausen) noch nicht zur Verfügung. 3. Mit der großen Teufe des Bergwerks wird aller Wahrscheinlichkeit nach wenig zu machen sein, Pumpspeicherkraftwerke funktionieren nicht. Die Grube wird also geflutet und verfüllt werden. 4. Der Planungsprozess, wie sich die Region entwickelt, wird 2018 nicht abgeschlossen sein. 5.► Der Strukturwandel läuft schon lange, das Bergwerk hatte einst mehr als 8000 Mitarbeiter. Dieser Wandel im Arbeitsmarkt ist seit Jahren im Gange.

Im Strukturwandel gehe es nicht darum, einen Mangel zu beseitigen, so Manteuffel. Vielmehr gehe die Region daran, noch krisenfester zu werden, noch mehr Chancen zu entwickeln. Deshalb soll der eher rückwärtsgewandte Begriff Kohlekonversion abgelöst werden. Stattdessen soll betont werden, dass der Raum gute Aussichten hat, Ideen entwickeln kann und lebenswert ist.

Dazu soll in den nächsten Wochen eine nach vorne gewandte Marke entwickelt werden. Manteuffel: „Wir haben einen starken Mittelstand, eine sehr gute Verkehrsanbindung, Naherholungsbereiche, einen guten Arbeitsmarkt und die Nähe zu Hochschulstandorten wie Osnabrück, Münster und Steinfurt.“ Und es gebe das Potenzial, Bergbauhistorie, Industriekultur sichtbar zu machen. Monika Umlauf: „Ein Alleinstellungsmerkmal für ein Mittelzentrum im ländlich geprägten Münsterland.“ Kultur, Natur, Wirtschaft und Tradition, das sind vier Leitthemen, die die Prozessverantwortlichen im Auge haben. Manteuffel: „Wir jammern nicht, es geht um neuen Drive, neue Motivation.“

Als großes Plus bewertet die Schnittstelle, dass die Bezirksregierung der Region bereits zusätzliche 75 Hektar Gewerbegebietsausweisung genehmigt hat. Manteuffel: „Wir können in der Region hochattraktive Gewerbegebiete anbieten.“ Als Plus bezeichnet Monika Umlauf zudem, dass somit kein Zwang bestehe, auf den Zechenflächen „schnell etwas zu entwickeln“.

Uwe Manteuffel ist überzeugt, den Menschen in der Region auch künftig attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können. „Dabei werfen alle Kommunen der Kohleregion eine gute Wohnqualität in die Waagschale, die Vielfalt in der Region, eine vernünftige Nahversorgung und gute Schulstandorte.“

Zur Serie

Ende des Jahres 2018 ist Schluss mit der Steinkohlenförderung in ganz Deutschland. Und damit endet auch ein langes Kapitel der heimischen Zeche der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH. Auf die Zechenschließung bereiten sich die Bergbaukommunen Hörstel, Hopsten, Ibbenbüren, Mettingen, Recke und Westerkappeln schon seit geraumer Zeit vor. In einer kleinen Serie stellen wir den aktuellen Stand der sogenannten Kohlekonversion vor.


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