Viel Papier für Nichts Diskussion über neues Sportzentrum in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

Über ein neues Sportzentrum wurde jahrelang in den Ratsgremien diskutiert. Passiert ist nichts. Dafür wurde das Hanfriedenstadion 2008/2009 gezwungenermaßen saniert, die mit giftigen Dioxinen belasteten Kieselrot-Flächen wurden abgetragen und in dem Zuge die 400-Meter-Laufbahn auf eine Sprint-Strecke gestutzt. Archiv-Foto: Frank KlausmeyerÜber ein neues Sportzentrum wurde jahrelang in den Ratsgremien diskutiert. Passiert ist nichts. Dafür wurde das Hanfriedenstadion 2008/2009 gezwungenermaßen saniert, die mit giftigen Dioxinen belasteten Kieselrot-Flächen wurden abgetragen und in dem Zuge die 400-Meter-Laufbahn auf eine Sprint-Strecke gestutzt. Archiv-Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Papier ist geduldig. Und für die Umsetzung von ganz viel Papier muss ganz viel Geduld aufgebracht werden. Für den Neubau beziehungsweise die Sanierung der Sportanlagen ist jedenfalls schon eine Menge Papier bedruckt worden, ohne dass ganz viel passiert ist. Jetzt steht das Thema Sportstätten wieder auf der politischen Tagesordnung, wobei dieses Mal mehr erreicht werden soll als das bloße Wachsen des Papierberges.

Die SPD hatte vor einigen Wochen beantragt, das Sportstättenkonzept der Gemeinde weiterzuentwickeln. Ein „zeitgemäßes Stadion“, wie es Fraktionsvorsitzender Frank Sundermann Mitte November nannte, ist das Wunschziel. Der Rat konnte sich seinerzeit aber nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, der da lautete, erst mal die bisherigen Planungen zu sichten.

Das hat Patrick Lenz vom Bauamt getan und die Ergebnisse vergangene Woche im Rat vorgestellt. Die Politiker mussten die Fülle der Informationen anscheinend erst mal sacken lassen. Denn ohne auch nur eine einzige Wortmeldung wurde der Tagesordnungspunkt abgehakt.

Die Vorgeschichte

Losgetreten wurde die Diskussion über ein neues Sportzentrum vor knapp zwölf Jahren. Im Januar 2003 hatte im Bauausschuss schon über mögliche Standorte diskutiert – hinter verschlossenen Türen, weil Politiker und Verwaltung nicht die Preisspekulationen für die Grundstücke anheizen wollten.

Zehn mögliche Standorte habe es ursprünglich gegeben, die auf vier reduziert wurden, berichtete Lenz, der erst seit 2013 im Rathaus beschäftigt ist. Die Verwaltung sei seinerzeit aufgefordert worden, die Kosten für eine Sanierung des Hanfriedenstadions zu berechnen. Gleichzeitig sollte ermittelt werden, was es bringen würde, das Hanfriedenstadion als Wohnbauflächen zu verkaufen und aus den Erlösen ein neues Stadion mitzufinanzieren.

Gut drei Jahre später folgte der „nächste Meilenstein“, wie Lenz den Aufzeichnungen entnommen hat. Im Frühjahr 2006 legte der Bauausschuss jedenfalls Ausstattungsstandards für ein neues Stadion fest. Dabei wurde Bedarf für einen Hauptplatz, zwei Nebenplätze, zwei Flutlichtanlagen sowie für Leichtathletikanlagen gesehen. Das Hanfriedenstadion sollte aufgegeben werden.

Wieder ein Jahr später wurden neue Kostenberechnungen vorgelegt. Weil zu dem Zeitpunkt höhere Erlöse durch den Verkauf von Bauplätzen am Hanfrieden erwartet wurden, schien der Neubau eines Stadions günstiger zu werden. Es wurde – zu dem Zeitpunkt endgültig – beschlossen, auf eine Sanierung des Hanfriedenstadions zu verzichten und zu prüfen, an welchem Standort ein Neubau am besten zu realisieren wäre.

Ein „Kompetenzteam“ mit Vertretern aus Politik, Schulen und Vereinen wurde eingerichtet. Dieses hat nach den Unterlagen auch mindestens zweimal getagt. Was dabei herausgekommen ist, vermag Lenz nicht zu sagen. „Es gibt leider keine Protokolle.“

Gegen die Sportstättenpläne und die Umwandlung des Hanfriedenstadions in ein Wohngebiet regte sich Mitte 2007 Widerstand. Wilfried Kasling, Anwohner der Straße Am Königsteich, sammelte mehr als 1000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Das wurde zwar hinterher rechtlich für unzulässig erklärt, hinterließ aber bei den Politikern im Rat offenbar so viel Eindruck, dass die Neubau-Pläne für ein Stadion in der Schublade verschwanden.

Ende 2007 gab es noch einen Eklat, als die CDU im Streit über die Sanierung des Hanfriedenstadions geschlossen den Bauausschuss verließ. Im Jahr darauf wurde beschlossen, alle mit giftigen Dioxinen belasteten Kieselrot-Flächen im Hanfriedenstadion zu sanieren, was im Wesentlichen den Rückbau der 400-Meter-Laufbahn zur Folge hatte. Überdies fiel Ende 2008 die Entscheidung, den Tennenplatz Am Königsteich sowie das Umkleidegebäude im Hanfriedenstadion zu sanieren und den Zaun des Sportzentrums zu erneuern. „Man kann diese Sitzung als vorläufigen politischen Schlusspunkt betrachten“, meinte Lenz.

Es wird nicht einfach

Die Erfahrung aus den zurückliegenden Diskussionen lehrt ihn für eine Neuauflage der Sportstättenplanung eines: „Die Öffentlichkeit muss von Anfang an mitgenommen werden“, riet der Stadtplaner. Vorhandene Untersuchungen wie zum Beispiel zum Lärm könnten überwiegend noch verwendet werden. Den Rat stimmte Lenz dabei zwischen den Zeilen auf noch viel neues Papier ein: „Es wird sich um ein recht komplexes Konzept handeln, das auch keinen einfachen Umsetzungserfolg verspricht.“


Kostenschätzungen: Für eine Sanierung des Hanfriedenstadions wurden – je nach Variante – Investitionen von 700000 bis 800000 Euro erwartet. Für den Neubau eines Sportzentrums – zur Diskussion standen zwischenzeitlich Standorte am Schulzentrum, am Gartenkamp und am Burgweg – hatten die Fachleute mit Ausgaben zwischen 1,5 und 2,2 Millionen Euro kalkuliert.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN