Waldbauern sauer aufs Land Versammlung der Forstbetriebsgemeinschaft in Westerkappeln

Von Astrid Springer

Bei der Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers Ulrich Kröner (rechts) dankte ihm der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Hans Hermann Spieker mit einer Trauerrotbuche. Foto: Astrid SpringerBei der Verabschiedung des langjährigen Geschäftsführers Ulrich Kröner (rechts) dankte ihm der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Hans Hermann Spieker mit einer Trauerrotbuche. Foto: Astrid Springer

Westerkappeln. Allzu viele gute Nachrichten haben die Waldbauern aus Westerkappeln, Lotte, Mettingen, Hopsten und Recke bei der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Schafberg (FBGS) wohl von vornherein nicht erwartet. Die unmissverständliche Klarheit der Referenten zu den Plänen der Landesregierung und zu konkreten Preiserhöhungen sorgten dann im „Alten Gasthaus Schröer“ auch für unwilliges Murren in den Reihen.

Themen der Jahresversammlung waren unter anderem die brandneuen Änderungen der Entgeltordnung NRW (EO), die Entwicklungen in der Kartelldebatte, der Naturschutz und die Biodiversitätsstrategie des Landes NRW sowie die Veränderungen im Bereich der Sozialversicherung der Waldbesitzer.

Auch personell steht bei der Erzeugergemeinschaft ein Umbruch an: Vorsitzender Hans Hermann Spieker verabschiedete den langjährigen Geschäftsführer Ulrich Kröner. Die Mitglieder bedankten sich mit einer Trauer-Rotbuche für 22 Jahre treue Dienste. Als neuer Geschäftsführer wird ab 1. Januar Klaus Meyer-Bünemann ins Amt berufen.

Zunächst berichtete der Revierleiter Ansgar Bregen-Meiners über das Revier. Fünf Hektar Wald seien 2013 gepflanzt worden, davon 3000 Nadel- und 10000 Laubbäumchen. Man habe den Tannenbaumhof Strübbe in Lotte besichtigt und in Kooperation mit dem Hegering eine Veranstaltung zur Waldpädagogik in Lotte veranstaltet.

Nadelholz, insbesondere Fichte, erziele gute Preise, die Vermarktung des Laubholzes sei hingegen nicht so lukrativ wie noch vor zehn Jahren, sagte Bregen-Meiners. Dies gelte insbesondere für das Stammholz von Buchen.

Es könne aber trotzdem sinnvoll sein, über Bucheneinschlag nachzudenken. Es gelte, mögliche Schäden durch Rotkern bei alten Buchen zu vermeiden. „Der Raummeterpreis für das anfallende Kronenholz ist mit 40 Euro derzeit anständig“, so Bregen-Meiners, sodass sich unterm Strich noch ein akzeptabler Preis erzielen lasse.

Darüber hinaus empfahl er, Fördermaßnahmen auszuschöpfen, förderfähig seien unter anderem die Aufzucht von Jungbäumen, der Einsatz von Weisergattern, die einen Aufwuchs ohne Verbiss möglich machten, die Pflanzung von Eiben, der Schutz alter Biotopbäume und nach wie vor die Umwandlung von Nadel- in Laubwald.

Besondere Aufmerksamkeit galt der inzwischen frisch verabschiedeten Entgeltordnung (EO) für Privat- und Körperschaftswälder. Die Mitgliedsbeiträge für die Basisleistungen der Regionalgemeinschaften werden in der Folge deutlich steigen. Spieker sagte zu, dass die erste Erhöhung von fünf Prozent in 2015 noch durch Rücklagen aufgefangen werden könne, danach müsse das über eine Umlage finanziert werden.

Die Entgeltordnung wird ab dem 1. Januar 2016 in Kraft treten. Fachleiterin Karoline Flume stellte die Veränderungen vor und betonte, zwar komme beim Mitgliedsbeitrag pro Jahr und Hektar dann mehr zusammen, dafür würden aber andere Leistungen stärker bezuschusst.

Kritik an Entgeltordnung

Die Referentin des Waldbauernverbandes (WBV) Konstanze Skodawessely hingegen kritisierte die neue EO ebenso wie die Biodiversitätsstrategie der Landesregierung. Sie riet den Waldbauern, mit neuen Verträgen des Landesbetriebes Wald und Holz zurückhaltend umzugehen und diese nicht gleich zu unterschreiben.

Stattdessen lud sie zur Frühjahrstagung des Waldbauernverbandes in Lindlar ein, wo die Biodiversitäts- Strategie des Landes auf dem Prüfstand steht.

Skodawessely stellte auch die neue Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau vor, die in Teilen vielen Waldbesitzern als Berufsgenossenschaft bekannt ist. Auch sie wird deutlich teurer. Besonders kritisierte die Referentin die Beitragspflicht ab 2500 Quadratmeter Wald- und Landwirtschaftsfläche und den Mindestbeitrag von 60 Euro. Für viele Betriebe könnte sich der bisherige Beitrag nahezu verdoppeln.

Die Vorwürfe des Bundeskartellamtes seien noch ergebnisoffen, auch wenn das momentan ausschließlich den zentral organisierten Holzvertrieb in Baden-Württemberg betreffe, als Nächstes habe das Kartellamt aber Nordrhein-Westfalen im Visier, warnte sie.

Eine schlechte Nachricht gab es dann noch für Leute, die gar nicht im Saal waren. Die traditionelle Kaminholzversteigerung der Forstbetriebsgemeinschaft fällt dieses Jahr aus. Es haben sich nicht genügend Beschicker gemeldet.