SPD will neue Förderrichtlinien Westerkappelner Solareuro kommt auf den Prüfstand

Von Frank Klausmeyer

Die Photovoltaik hat angesichts gesunkener Einspeisevergütungen für viele Hausbesitzer an Reiz verloren. Deshalb sollen die Richtlinien für den „Solareuro“ in Westerkappeln geändert und der Förderschwerpunkt auf den Eigenverbrauch gelegt werden.Foto: colourbox.comDie Photovoltaik hat angesichts gesunkener Einspeisevergütungen für viele Hausbesitzer an Reiz verloren. Deshalb sollen die Richtlinien für den „Solareuro“ in Westerkappeln geändert und der Förderschwerpunkt auf den Eigenverbrauch gelegt werden.Foto: colourbox.com

Westerkappeln. Im Jahr 2000 rief der Rat Westerkappeln zur „Solargemeinde“ aus. Dahinter steckte das Ziel, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Zum Konzept gehört auch der 2005 eingeführte „Solareuro“. Die dafür geltenden Richtlinien sollen auf Antrag der SPD-Fraktion jetzt reformiert werden.

Bei dem „Solareuro“ handelt es sich um einen Preisaufschlag für Grundstücke, die die Gemeinde an Bauwillige verkauft. 2,50 Euro mehr pro Quadratmeter müssen die Käufer zahlen. Wenn sie sich dann innerhalb von zwei Jahren zur Installation einer Solaranlage entschließen, gibt es das Geld auf Antrag zurück.

Die Regelung galt bislang in sieben Baugebieten. 95 Grundstückseigentümer haben den „Solareuro“ bislang zurückbekommen, erläutert der Umweltbeauftragte der Gemeinde, Friedhelm Wilbrand, auf Nachfrage. Die nicht von den Bauherren in Anspruch genommenen Gelder fließen auf Antrag über den Solarverein Westerkappeln an Hausbesitzer in anderen Siedlungen, wo es den „Solareuro“ nicht gibt. Sie können einen Zuschuss von 250 Euro pro Anlage erhalten – solange Geld im Topf ist.

EEG-Umlage

Um die „Solargemeinde Westerkappeln“ ist es in jüngerer Zeit relativ ruhig geworden. Seit der Inbetriebnahme der Bürgersolaranlage Ende 2009 auf dem Dach der Zweifachhalle führt das Thema Sonnenenergie in der öffentlichen Diskussion sogar eher ein Schattendasein, was vielleicht auch mit der umstrittenen EEG-Umlage und den zwischenzeitlich galoppierenden Strompreisen zu tun hat.

Dabei hat sich in den vergangenen fünf Jahren eine Menge in der Gemeinde getan, nimmt man die Photovoltaik zum Maßstab. 209 Anlagen sind nach aktuellem Stand in Westerkappeln installiert und damit mehr als doppelt so viele wie Mitte 2009. Die Entwicklung dürfte auch mit der zwischenzeitlich deutlich reduzierten Einspeisevergütung zusammenhängen.

Die heute geringeren Einspeiseentgelte haben manche Hausbesitzer aber möglicherweise in ihrem Tatendrang gebremst, eine Photovoltaikanlage zu installieren. Dabei kann sich der Eigenverbrauch des produzierten Stroms nach Expertenmeinung durchaus rechnen. Diesem Umstand folgend reagiert die SPD-Ratsfraktion nun mit einem Antrag zur Änderung der Förderrichtlinie für den „Solareuro“.

Die Partei möchte künftig den Fokus stärker auf den Eigenverbrauch legen, statt die bloße Stromerzeugung und -einspeisung zu fördern. Wer in Zukunft den Strom nur noch einspeisen will, soll sogar gar kein Geld mehr zurückbekommen. Für technische Systeme, die in erster Linie auf den Eigenverbrauch angelegt sind und darüber hinaus Überschüsse noch speichern, soll es sogar den 1,5-fachen Fördersatz geben.

Darüber hinaus schwebt den Sozialdemokraten vor, den Kauf von Waschmaschinen und Trocknern mit 200 Euro zu unterstützen, wenn die Geräte das zum Waschen benötigte Warmwasser oder die Abluft des Trockners mit einer thermischen Solaranlage auf ihrem Dach koppeln.

Nun wurde über den Antrag im Umwelt- und Energieausschuss diskutiert. Wilbrand gab dabei zu bedenken, dass die Ausgaben bei Umsetzung des SPD-Vorschlages höher sein könnten als die Einnahmen aus dem „Solareuro“. „Dann stellt sich die Frage, woher das Geld kommen soll.“

Diskussionsgrundlage

Möglicherweise könne die Richtlinie ja so modifiziert werden, dass Grundstückseigentümer bei Installation einer Solaranlage nicht die vollen 2,50 Euro zurückerstattet bekommen. „Unser Vorschlag soll kein Dogma sein, sondern eine Diskussionsgrundlage“, erklärte SPD-Ratsherr Dieter Mittelberg.

Bei der CDU stieß der Antrag durchaus auf Wohlwollen. Eine Änderung der Förderrichtlinien müsse aber durchdacht sein. „Was den technischen Fortschritt betrifft, ist im Moment sehr viel in Bewegung“, sagte Susanne Hehemann. Bis zur nächsten Umweltausschusssitzung im kommenden Jahr, so wurde es einstimmig beschlossen, soll die Verwaltung nun einen Entwurf für eine neue Richtlinie erarbeiten.

Eine Änderung der Förderbestimmungen für den „Solareuro“ macht für Wilbrand vor allem vor dem Hintergrund des geplanten Neubaugebietes am Gartenmoorweg Sinn, wo fast 100 Bauplätze erschlossen werden sollen. „Das wäre natürlich ein großer Wurf, wenn man die Leute dazu bewegen könnte, in Solaranlagen zu investieren“, meinte Wilbrand.


Mit Ratsbeschluss vom 19. Dezember 2000 firmiert Westerkappeln als „Solargemeinde“. Seitdem hat sich die westfälische Kommune auf verschiedenen Handlungsfeldern für die Förderung regenerativer Energien eingesetzt.

Im Jahre 2002 wurde sie dafür mit dem sogenannten „Solar-Oscar“ des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Seit 2004 kümmert sich auch der Verein zur Förderung regenerativer Energien e.V., auch „Solarverein Westerkappeln“ genannt, um die Förderung erneuerbarer Energien.

In der Solarbundesliga steht die Gemeinde bei der Solarthermie in der Landeswertung Nordrhein-Westfalen zurzeit auf Platz 1. Zugrundegelegt wird dabei die Quadratmeterzahl der installierten Module pro Einwohner. Derzeit sind in Westerkappeln nach Daten des örtlichen Solarvereins 290 thermische Anlagen in Betrieb.

Die Photovoltaikanlagen mitgerechnet, liegt die Gemeinde Westerkappeln in der Solarbundesliga immerhin auf Platz 14 in NRW. Im bundesweiten Vergleich der Teilnehmer-Kommunen reicht es allerdings nur zu Platz 496. Dies hat vor allem damit zu tun, dass im Süden einfach häufiger die Sonne scheint und mehr Strom pro Einwohner produziert wird.

Infos auf www.solarbundesliga.de