Interview mit Annette Große-Heitmeyer Westerkappelns Bürgermeisterin 100 Tage im Amt

Von Frank Klausmeyer

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Seit 100 Tagen sitzt Annette Große-Heitmeyer auf dem Chefsessel im Rathaus. Die Bürgermeisterin will, so sagt sie, „jeden Prozess und jede organisatorische Einheit in der Verwaltung noch mal auf den Prüfstand stellen“. Foto: Frank KlausmeyerSeit 100 Tagen sitzt Annette Große-Heitmeyer auf dem Chefsessel im Rathaus. Die Bürgermeisterin will, so sagt sie, „jeden Prozess und jede organisatorische Einheit in der Verwaltung noch mal auf den Prüfstand stellen“. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Annette Große-Heitmeyer ist heute 100 Tage als Bürgermeisterin der Gemeinde Westerkappeln im Amt. Unser Redaktionsmitglied Frank Klausmeyer sprach mit der 41-Jährigen über die Zeit ihrer Einarbeitung, das Betriebsklima im Rathaus, Facebook und mehr.

Frau Große-Heitmeyer, wie oft sind Sie nachts schon aufgewacht und haben sich gedacht: „Oh Gott, was hab ich mir da angetan ?“

Noch nie! Ich habe diese Entscheidung, zur Bürgermeisterin zu kandidieren, gut mit der Familie durchdacht!

Wirklich nie einen Zweifel gehabt, ob das mit der Kandidatur die richtige Entscheidung war?

Nein!

Sind Sie jetzt in Ihrem Amt angekommen, oder brauchen Sie noch ein bisschen?

Nein, ich bin angekommen. Das Gefühl habe ich auch schon ein bisschen länger.

Sie müssen sich ja jetzt in unzählige Vorgänge einarbeiten, Antrittsbesuche machen, Mitarbeitergespräche führen und, und, und. Wie lang ist Ihre Arbeitswoche?

Ach, ganz unterschiedlich. Ich habe ja auch am Wochenende viele Termine. Von daher bin ich eigentlich jeden Tag unterwegs. Deshalb kann ich das gar nicht genau einschätzen. Ich weiß nicht, so etwa 50 bis 60 Stunden!?

Das ist ja noch überschaubar.

Ja, geht.

Wie finden Ihre Kinder (5 und 7 Jahre alt) das ? Vorher gehörte Mutti denen ja ganz alleine. Und jetzt ist die Mama ganz oft weg.

Das haben sie schon im Wahlkampf kennengelernt. Wenn es eben geht, versuche ich mittags nach Hause zu kommen. Aber wenn ich nicht da bin, ist die Kinderfrau oder mein Mann zugegen. Das klappt gut. Wir haben es den Kindern auch erklärt, und sie akzeptieren das auch gut.

Wie lief denn die Übergabe durch Ihren Vorgänger? Wie ich gehört habe, nicht so intensiv wie bei Ihrer Kollegin Christina Rählmann in Mettingen.

Ja, das mag sein. Ich habe Herrn Hockenbrink direkt nach der Wahl angerufen und um eine Übergabe gebeten. Ich verstehe unter einer Übergabe, dass man Vorgänge erklärt, so wie es wahrscheinlich in Mettingen der Fall war. Dies war bei mir hier nicht so. Ich hätte es mir gewünscht, damit ich, gerade im Interesse der Gemeinde, durch so eine Übergabe noch schneller die Vorgänge hätte fortführen können.

Warum lief das nicht optimal?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, da müssen Sie Herrn Hockenbrink fragen. Ich kann aber menschlich verstehen, dass es so gelaufen ist.

Wie sind Sie von den Mitarbeitern hier empfangen worden?

Sehr gut, sehr herzlich. Ich glaube, die haben sich alle sehr gefreut.

Vor der Wahl war ja oft von schlechtem Betriebsklima die Rede . Haben Sie davon etwas gemerkt, als Sie ins Rathaus kamen, und wie ist die Lage jetzt nach Ihrem persönlichen Empfinden?

Nach dem Feedback, das ich bekomme, ist die Stimmung sehr gut. Alle Mitarbeiter sind sehr motiviert. Das lässt meines Erachtens darauf schließen, dass es vorher wohl nicht immer so war.

Haben Sie denn schon mit jedem Mitarbeiter einzeln gesprochen?

Mit jedem noch nicht, muss ich gestehen. Das möchte ich im Laufe der nächsten Zeit noch machen. Mir war es zunächst wichtig, einen schnellen Überblick über den Stand der Dinge zu bekommen, mich in die laufenden Prozesse einzuarbeiten. Ich habe zuerst natürlich vor allem mit Mitarbeitern gesprochen, die hier Schlüsselpositionen haben.

Von außen betrachtet, scheint Thomas Rieger (Leiter der Finanzabteilung/Anm. d. Red.) eine wichtige Stütze Ihrer Arbeit zu sein.

Herr Rieger ist ein hervorragender Mitarbeiter und unterstützt mich sehr. Er ist mein Allgemeiner Vertreter, und das lebe ich auch so. Wir sind sehr auf gleicher Wellenlänge unterwegs, gerade auch was die Arbeitsweise und die Einstellung angeht.

Was ist mit Frau Dopp? Die bekleidet als Fachbereichsleiterin Allgemeine Verwaltung, Bauen und Infrastruktur eine besondere Schlüsselposition. Welche Rolle spielt sie?

Das kann ich im Moment schlecht sagen, weil wir noch nicht ganz so lange die Gelegenheit zur Zusammenarbeit hatten. Frau Dopp hatte bei meinem Dienstantritt im Sommer Urlaub und ist jetzt schon länger erkrankt.

Ist denn absehbar, wann sie zurückkommt?

Nein.

Die Beförderung von Frau Dopp war verwaltungsintern und in Teilen des Rates – wenn auch nicht öffentlich ausgesprochen – nicht unumstritten. Planen Sie – nach 100 Tagen haben Sie ja vielleicht schon einen Überblick – Veränderungen in der Aufgabenzuteilung und -struktur?

Natürlich werde ich jeden Prozess und jede organisatorische Einheit hier noch mal auf den Prüfstand stellen. Das hat aber nicht nur etwas mit einer Schlüsselposition zu tun. Sondern ich möchte generell hinterfragen, ob alles so richtig ist, wie es läuft.

Herr Hockenbrink war Volljurist. Jetzt gibt es gar keinen im Hause. Müssen Sie eventuell noch jemanden einstellen?

Jemanden einzustellen, fände ich übertrieben. Gewisse juristische Grundlagen bringe ich auch mit. Wenn es wirklich sehr speziell wird, werden wir uns sicherlich juristischen Rat von außen holen, was allerdings auch bereits in der Vergangenheit hier so gehandhabt wurde.

100 Tage im Amt. Da haben Sie neben dem Kirchplatz ja schon einige Baustellen kennengelernt. Wo gibt es für Sie und die Gemeinde momentan besonders viel zu tun?

Wichtiges Thema ist das Baugebiet Gartenmoorweg. Die Verkehrssituation, der Einzelhandel, Gewerbeflächen, und die Haushaltslage sind weitere große Themen.

Als CDU-Politikerin fehlt Ihnen im Rat die Mehrheit. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen bis jetzt ?

Ich würde sagen gut. Ich möchte überparteilich arbeiten. Fairness und Transparenz sind mir wichtig.

Was macht Bürgermeisterin Große-Heitmeyer lieber: regieren oder repräsentieren?

Ich finde, die Mischung bringt’s. Das macht unheimlich Spaß bei dem Job.

Ein paar Stichworte mit der Bitte um knappe Antwort: SPD.

Durch die Mehrheitsverhältnisse im Rat kann sie mehr bewegen.

Haushaltslage.

Die Haushaltslage müssen wir weiter durchleuchten, um die Gemeinde wieder auf gesunde Beine zu stellen.

Facebook.

Wichtiges Medium. Man muss aber gut überlegen, wie man persönlich damit umgeht.

Bürgermeister Rainer Lammers.

Wir kommen ganz gut miteinander klar. Das gilt aber auch für Christina Rählmann in Mettingen.

Frau Beckemeyer, Ihre Sekretärin.

Gut, sehr gut. Für mich ein Vorteil, dass sie schon lange hier ist. Die kennt alle Abläufe hier und weiß, wie was zu organisieren ist.

Zum Schluss hat die Bürgermeisterin drei Wünsche frei.

Eine faire Zusammenarbeit mit allen in der Verwaltung und mit dem Rat. Ich wünsche mir, dass ich die Ideen, die ich so im Kopf habe, in der Gemeinde umsetzen kann. Und ich wünsche mir, dass das Betriebsklima gut bleibt oder noch besser wird und die Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen.


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