Kritische Stimmen zur Umgestaltung Kosten für Treppe an Westerkappelner Kirchplatz werden untersucht

Von Frank Klausmeyer


Westerkappeln. Der neugestaltete Kirchplatz hat seine erste echte Belastungsprobe mit der Kirmes bestanden. Nennenswerte Schäden am Pflaster, wie einige Skeptiker sie prophezeit hatten, gab es nicht. Kritische Stimmen zum Kirchplatz sind aber weiter zu hören.

Das hat auch mit dem Mehrkosten zu tun, die kürzlich vom Rat abgesegnet worden sind, weil die Leistungen ja erbracht wurden. Was im Einzelnen zur Überschreitung der Kosten in Höhe von 200000 Euro oder 16 Prozent geführt hat, soll ein sogenanntes Kompetenzteam noch einmal im Detail aufarbeiten.

Der „größte Batzen“ der Mehrausgaben sei auf den verstärkten Unterbau zurückzuführen, der infolge der problematischen Bodenverhältnisse notwendig geworden sei, erläutert Mansour Rahmian, Mitarbeiter des Bauamtes. Ob möglicherweise bei den vorherigen Bodenuntersuchungen geschlampt wurde, muss das Kompetenzteam wohl genauso prüfen wie die Frage, warum die Verantwortlichen von den zahlreichen Knochenfunden überrascht wurden. Schließlich war es kein Geheimnis, dass früher rund um die Stadtkirche ein Friedhof gruppiert war. Die Bergung und Wiederbestattung der Gebeine wurde ebenfalls von der Ingenieurgemeinschaft Flick als Grund für die Kostenüberschreitung genannt.

Ein weiterer Punkt in der Liste der Mehrausgaben wird als „Bauliche Änderung Treppenanlage“ geführt. Dabei handelt es sich um die Treppe, die vom Kirchplatz durch die Unterführung in die Große Straße führt. Dort sollte laut den ursprünglichen Planungen eine Rampe gebaut werden, die es auch Rollstuhlfahrern ermöglicht hätte, diesen Weg zum Kirchplatz zu nehmen.

„Das ließ sich aus bautechnischen Gründen nicht umsetzen“, sagt Planer Hans-Georg Flick. Die Rampe hätte nach seiner Darstellung wegen der Höhenunterschiede eine so lange Bahn nehmen müssen, dass sie wohl erst mitten auf dem Kirchplatz geendet wäre. Die Frage sei aber auch gewesen, ob die Rampe an der Stelle überhaupt hätte sein müssen. Denn wenige Meter weiter gebe es ja einen barrierefreien Zugang zum Kirchplatz, verweist Flick auf das Gelände vor der Eisdiele.

Dass die Planung infolge eines Vermessungsfehlers geändert werden musste, weist Flick zurück. Über so eine Panne ist in den vergangenen Wochen aber immer wieder im Dorf spekuliert worden. Mansour Rahmian möchte sich dazu nicht äußern. Grundsätzlich sei es bei solchen Projekten aber so, dass es von der Entwurfs- bis zur fertigen Ausbauplanung immer noch Veränderungen geben könne. Bezüglich der Treppenanlage müsse vor einer öffentlichen Stellungnahme erst das Kompetenzteam beraten. Im Übrigen verweist Rahmin darauf, dass eine Rampe möglicherweise teurer geworden wäre. Unter dem Strich habe die Treppenanlage etwa 10000 Euro mehr gekostet, als an dieser Stelle eigentlich eingeplant gewesen sei, erläutert Flick. So musste nach seinen Angaben auch eine neue Sandsteinmauer gezogen werden.

Insgesamt zieht der Ingenieur erneut ein positives Fazit für die gesamte Kirchplatzgestaltung. „Das Projekt ist sehr gut gelaufen und ein Mehrwert für die Gemeinde.“ Dass es trotzdem immer wieder Kritik und Beschwerden gebe, habe er so noch nie erlebt, sagt Flick.

Letzte Mäkelei: Der Kirchplatz dürfe nicht mit der Kehrmaschine gereinigt werden, sondern müsse von Hand gefegt werden. Diese Behauptung können Flick und Rahmian getrost in die Gerüchteküche verweisen. Die Kehrmaschine dürfe auf den Kirchplatz, werde dort aber – wie bei vielen Pflasterflächen üblich – auf „Staubsaugerbetrieb“ gefahren, um nicht das Fugenmaterial aufzunehmen.

Leute mit dem Besen wurden zwar auch schon gesichtet. Dabei habe es sich um Brückenjobber gehandelt, die die Ecken fegen, betont Rahmian.