200 Euro fehlen für Umschulung Alles oder Nichts für Ramona Wolter aus Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

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Amtlich beschieden hat die Deutsche Rentenversicherung das Übergangsfeld für Ramona Wolters Umschulung. In diesem Monat hat die Westerkappelnerin aber eine Finanzierungslücke. Die Behörden können ihr nicht weiterhelfen. Symbolfoto: WNAmtlich beschieden hat die Deutsche Rentenversicherung das Übergangsfeld für Ramona Wolters Umschulung. In diesem Monat hat die Westerkappelnerin aber eine Finanzierungslücke. Die Behörden können ihr nicht weiterhelfen. Symbolfoto: WN

Westerkappeln. 200 Euro sind kein Vermögen. Für manche Menschen geht es bei so einer Summe aber schon um Alles oder Nichts. Ramona Wolter weiß nicht mehr weiter. Die Westerkappelnerin fürchtet um ihre berufliche Existenz. Wenn sie das Geld nicht sofort auftreibt, droht ihr die Sozialhilfe, sagt sie. „Ich will das Geld ja nicht geschenkt, ich zahle es ja zurück.“

200 Euro – so viel fehlt Ramona Wolter, um in diesem Monat über die Runden und vor allem zur Arbeit zu kommen. Die 42-Jährige hat Mitte August in Lengerich in der Praxis Kowalski eine zweijährige Umschulung zur Tiermedizinischen Assistentin angetreten. Doch nun, so erzählt sie, fehlt ihr das Geld, um zu tanken. Wie soll sie die nächsten Tage nach Lengerich und zur Berufsschule nach Münster kommen? Sie will die Umschulung doch nicht einfach hinschmeißen.

17 Jahre fuhr Ramona Wolter mit dem Bus; als Berufskraftfahrerin am Lenkrad. Irgendwann wollte der Rücken nicht mehr. Zwei Bandscheiben-OPs hat sie hinter sich, die letzte im Mai 2012. Ramona Wolter biss auf die Zähne, fuhr weiter. Doch im Dezember 2013 sei Schluss gewesen. „Der Amtsarzt hat gesagt, ich darf nicht mehr fahren.“

Die Westerkappelnerin wurde arbeitslos. Aber nicht lange. Das Arbeitsamt vermittelte die Umschulung, bezahlt von der Deutschen Rentenversicherung. 27,58 Euro Übergangsgeld bekommt sie am Tag; im September macht das 827,40. Für Fahrtkosten – die sind Monat für Monat neu zu beantragen – werden Wolter zufolge 20 Cent pro Kilometer gewährt. Für die über 2000 Kilometer, die sie pro Monat nach Lengerich oder Münster und zurück zu fahren hat, sind das noch einmal gut 400 Euro.

„Damit komme ich auch hin“, stellt die 42-Jährige klar. „Das Problem ist, dass man immer in Vorkasse treten muss.“ Für den halben August hat sie auch nur die Hälfte Übergangsgeld bekommen. Spritkosten wurden noch gar nicht erstattet. Aber die Miete war fällig, die Stromrechnung, die Telefonkosten und essen muss sie auch.

Noch so viel Monat und so wenig Geld. Ramona Wolter zückt ihr Portemonnaie und zieht – mit Tränen in den Augen – einen 20 Euro-Schein aus dem Geldfach. „Hier das ist alles. Mehr hab ich nicht.“

Die „eiserne Reserve“ sei schon drauf gegangen, als ihr Lebensgefährte vor fünf Jahren krebskrank geworden sei. Der bekomme auch nur eine schmale Frührente. Zu Sparen gab´s nie etwas. „Wissen sie, was so eine Busfahrerin verdient?“, fragt die Westerkappelnerin. In den Monaten ihrer Arbeitslosigkeit blieb erst recht nichts übrig.

Ramona Wolter gibt nicht auf. Sie fragt beim Arbeitsamt nach einer Überbrückungshilfe. Die Behörde schickt sie zur Rentenversicherung, die ans Sozialamt verweist. Das erklärt sich für nicht zuständig.

Das Konto überziehen kann sie nicht. Es gibt Menschen, denen räumt die Bank keinen Dispo ein – nicht einmal 200 Euro. Geschwister und andere Verwandte hat die Westerkappelnerin nach eigenen Worten „nur auf dem Papier“. Und ihren neuen Chef mag sie nicht fragen, sie schämt sich. „Wie sieht das denn aus ?“

In ihrer letzten Verzweiflung geht sie zur Bürgermeisterin. Aber Annette Große-Heitmeyer, die im Wahlkampf doch immer Hilfe in allen Lagen versprochen habe, wie Ramona Wolter bitter anmerkt, kann nichts tun.

Die Verwaltungschefin darf zum Fall Wolter eigentlich nichts sagen. Datenschutz. Grundsätzlich prüfe das Sozialamt aber bei solchen Problemen alle Möglichkeiten. Und sie selbst, so viel sagt Große-Heitmeyer dann doch, habe sich persönlich ans Telefon gehängt und mit der Rentenversicherung gesprochen. Aber auch der Arm einer Bürgermeisterin ist hier nicht lang genug.

Die Gemeinde darf, worauf Ramona Wolter bis zuletzt insgeheim hoffte, kein Geld verleihen. „Wir müssen uns an geltende Gesetze und Verordnungen halten“, erklärt die Bürgermeisterin, die aus dem Sozialamt gehört hat, dass sich solche Fälle häufen.

Ramona Wolter versteht die Welt nicht mehr. „Warum gibt es für solche Notlagen keinen Fonds. Ich will doch keine Almosen, sondern zahle das Geld zurück. Es kann doch nicht sein, dass jemand, der für seine Umschulung so kämpft, gezwungen wird, Sozialhilfe zu beantragen.“


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