Versorgungslücke geschlossen Rast- und Tankanlagen Brockbachtal fertiggestellt

Von Frank Klausmeyer


Westerkappeln. Gut Ding will Weile haben. Für die Rastplätze Brockbachtal an der Autobahn 30 in Westerkappeln-Velpe gilt dieser Spruch allemal. Rund zehn Jahre sind seit der Erweiterung der Stellflächen bis zum Bau der schon damals angekündigten Tank- und Rastanlagen vergangen. Jetzt sind diese fertiggestellt und schließen eine große Versorgungslücke für Trucker, Fernreisende und Vielfahrer, die auf der A 30 in Richtung Holland oder gen Osten unterwegs sind.

Denn von der niederländischen Grenze bis zur Raststätte Grönegau bei Melle gab es – bis auf die Autohöfe abseits der Autobahn – keine Gelegenheit, zu tanken oder gepflegt etwas zu essen. Das sind immerhin 102 Kilometer. Und wer austreten wollte, verkniff sich dies nicht selten angesichts des mäßigen bis miesen Zustands der provisorischen WC-Container im Brockbachtal. Zeitweise gab es gar keine Klos.

All das ist nun Vergangenheit: Am vergangenen Freitag hat die Raststätte Brockbachtal-Süd eröffnet. Auf der Nordseite ist der Betrieb schon zwei Tage früher losgegangen. „Der Bedarf ist eindeutig da“, sagt Betreiber Frank Schmitz. Schon in den ersten Tagen habe es sehr viel positive Resonanz gegeben: „Vor allem von den Niederländern.“

Die Autobahnniederlassung Hamm des Landesbetriebes Straßen NRW hatte die Rasthöfe vor zwei Jahren nach Absprache mit dem Bundesverkehrsministerium europaweit ausgeschrieben. Letztlich ging die Konzession an die Tank & Rast GmbH, die als einziger Bieter übrig geblieben war. Das Unternehmen betreibt bis auf wenige Ausnahmen alle Autobahnraststätten und deren Tankstellen in Deutschland und hat nach eigenen Angaben rund acht Millionen Euro in Velpe investiert. Der Vertrag gilt für 30 Jahre.

Tank & Rast hat die Lizenz allerdings an die Westfalen AG weitergegeben. Und die Unternehmensgruppe mit Sitz in Münster hat ihrerseits die Rastplätze an Frank Schmitz aus Hagen a.T.W. verpachtet. Der kann in diesen Tagen das Telefon kaum aus der Hand legen. Denn auch nach der Eröffnung gibt es noch viele Details zu erledigen. Die Reisenden sollen davon natürlich nichts mitbekommen. Offizielle Einweihung ist übrigens erst am 3. Juli.

Die Reisenden erwarten in beiden Fahrtrichtungen moderne Gebäude mit großzügigen Glasfronten, die für ein lichtdurchflutetes Ambiente im Gastraum sorgen. 80 Sitzplätze gibt es auf beiden Seiten, hinzu kommen jeweils 40 Sitzplätze auf den Terrassen.

Einen Quantensprung gegenüber den vorherigen Verhältnissen gibt es bei den sanitären Einrichtungen. Saubere Duschen, Behinderten-WCs und Babywickelräume gibt es nun.

Die positiven Reaktionen der ersten Tage führt Pächter Frank Schmitz auch auf das gastronomische Angebot zurück. „Ess-Bar“ nennt sich das Konzept, bei dem es sich um ein relativ neues Franchise-System handele, das es in dieser Form erst vier oder fünf Mal an deutschen Autobahnen gebe, wie Hildegard Werth, Pressesprecherin der Westfalen-Gruppe, erklärt: „Die Speisen werden vor den Gästen frisch zubereitet.“ Besonders seien auch die ausgesuchten Kaffeespezialitäten.

Wer nur eine kurze Pause machen will, kann das Bistro aufsuchen oder sich im großzügigen Shop-Bereich verpflegen. Vielleicht verschlägt es ja auch den einen oder anderen Velper für kleinere Besorgungen hierher.

Die Gemeinde Westerkappeln profitiert aber aus einem ganz anderen Grund von der neuen Rastanlage. 38 neue Arbeitsplätze sind hier schon geschaffen worden. „Und wir suchen noch mehr Leute“, betont Pächter Schmitz.

Erste Wasserstoff-Tankstellen an Bundesautobahnen

Auf den Rastplätzen Brockbachtal will die Westfalen AG die ersten Wasserstoff-Tankstellen an einer Bundesautobahn installieren. Die Tank & Rast GmbH wolle an beiden Stationen je eine Wasserstoff-Tankstelle testen, weil das Unternehmen, das die Raststätten gebaut hat, hier ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld sehe – sowohl in ökologischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, sot die Westfalen AG.Die Westfalen-Gruppe ist nach eigenen Worten der ideale Partner für die Kooperation, da das Unternehmen im 40 Kilometer entfernten Salzbergen über eine eigene Wasserstoff-Produktion verfügt. Seit 2000 betreiben die Münsteraner gemeinsam mit der SRS Schmierstoff Vertrieb GmbH dort eine

Anlage, die gasförmigen Wasserstoff herstellt. „Tankstellen und technische Gase sind seit Jahrzehnten unsere Kernkompetenzen“, erklärt Wolfgang Fritsch-Albert, Vorstandvorsitzender der Westfalen-Gruppe. „In Brockbachtal können wir beides verbinden und die Chance nutzen, die vielversprechende emissionsfreie Antriebsenergie Wasserstoff weiter nach vorne zu bringen.“

In Deutschland gibt es nach Angaben der Westfalen-Gruppe derzeit erst rund 30 Wasserstoff-Tankstellen, nur sieben davon seien öffentlich.

Auch darüber hinaus will das Unternehmen bei den Tankstellen im Brockbachtal einen Schwerpunkt auf Alternativkraftstoffe legen. Über die gängigen Otto- und Diesel-Kraftstoffe hinaus wird Autogas angeboten und moderne Ladesäulen für Elektrofahrzeuge werden ebenfalls aufgestellt.


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