Zickzack-Kurs will geübt sein Selbstversuch im Westerkappelner Näh-Café

Von Dietlind Ellerich

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Westerkappeln. Am Ende ist es ein wenig wie vor mehr als 40 Jahren. Während man bei den anderen schon den Tischläufer oder die Vorhänge erkennt, übe ich noch gerade Nähte.

„Du hältst die Nadeln wie Bratspieße“, schimpfte meine Lehrerin. Ich war neun, wusste wohl nicht wirklich, was es mit Bratspießen auf sich hat, sah die Stricknadeln und den schmuddeligen Probelappen in meinen Händen und entschloss mich, meine Handarbeitskarriere an Ort und Stelle an den Nagel zu hängen. An die Reaktion meiner Grundschullehrerin erinnere ich mich nicht mehr, wohl aber daran, dass das Fach Textilgestaltung bis zum achten Schuljahr auf dem gymnasialen Lehrplan stand.

Hilfe von der Mutter

Dass ich besser als ausreichend aus der Nummer herauskam, verdanke ich meiner Mama, die nur unwesentlich besser strickte und nähte als ich, sich aber meiner erbarmte und mir ein wenig unter die Arme respektive zu Nadel und Faden griff.

Zu einer Wiederaufnahme der Textilgestaltung war es seit dem Ende meines achten Schuljahrs weder bei meiner Mutter (heute 73) noch bei mir (51) gekommen. Das Annähen von Knöpfen übernimmt der Ehemann, den Rest die kleine Änderungsschneiderei um die Ecke.

Die Neugier indes blieb und so sitze ich am Samstagmorgen in der Handarper Kirche an der Nähmaschine, setze mich mit Nadel, Faden, Stoffen und meiner Vergangenheit auseinander. Näh-Café heißt ein neues Angebot des Fördervereins Bürgertreff Handarpe. Unter der fachkundigen Anleitung der Schneiderin Daniela Weers stehen Begegnung, Dialog und gemeinsames Nähen auf dem Programm. Eine tolle Idee, dachte ich, denn wenn das mit dem Nähen nicht so recht klappen will, bliebe ja noch das gemütliche Frühstück.

Knopfloch, Zickzack, Ketteln, Erinnerungen werden wach und bleiben diffus. Aufspulen, Unter- und Oberfaden, schon das Einfädeln des Garns erfordert Konzentration und ein gutes Auge. Die Kante des Stoffes umschlagen und absäumen, das Füßchen (das der Nähmaschine!) entlang der Innenkante führen, unten treten, oben gucken und vor allem nicht ziehen oder schieben, sonst kräuselt´s sich.

Wille ist da

Anders als vor 40 Jahren ist der Wille da, auch ein wenig mehr Disziplin, allein an Talent mangelt es immer noch. 40 Zentimeter in gefühlten 20 Minuten, Schweißperlen auf der Stirn, doch die Nähte können sich halbwegs sehen lassen. Das bestätigt mir auch Melanie Wehmeier. Sie ist die Schwester von Daniela Weers, in der Handarper Kirchengemeinde aktiv und begleitet mit viel Geduld meinen Wiedereinstieg in die Textilgestaltung.

Es ist viel los am Tag des Geschehens. Zehn Frauen aller Altersklassen haben Spaß am Nähen und Lust, etwas zu schaffen. Die Motivation der Velperin Barbara Rotter ähnelt meiner allerdings doch ein wenig. Dinge zu lernen, zu denen sie während ihres Berufslebens nicht gekommen ist, hat sich die 67-Jährige vorgenommen. Nähen vor dem 70. Lebensjahr heißt so ein Ziel. Auch ein kleines Trauma möchte sie überwinden, machte sie ihre ersten Nähversuche doch unter den Argusaugen ihrer Mutter, einer gelernten Schneiderin. Ihre Tochter Katharina ist ebenfalls fit im Umgang mit Nadel und Faden. Grund genug für die Velperin, sich außerhalb der Familie in die Kunst des Nähens einführen zu lassen.

Gründe zu nähen gibt es also viele. Die Teilnahme am Näh-Café, zu dem der Förderverein künftig an jedem zweiten Samstag im Monat einlädt, kostet inklusive Frühstück 7,50 Euro.

Am 12. April sollen Lenker- oder Satteltaschen oder Innenleben für Fahrradkörbe genäht werden. Weitere Informationen und Anmeldung bei Daniela Weers unter Telefon 05456/436.


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