Marke als Schlüssel zum Erfolg Stadtwerke TL: Vertrieb von Energie frühzeitig

Von Carsten Kuhn

Meine Nachrichten

Um das Thema Westerkappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Sieben Bürgermeister des Tecklenburger Landes arbeiten weiter daran, die Schalter für gemeinsame Stadtwerke umzulegen. Von links: Heinz Steingröver (Ibbenbüren), Rainer Lammers (Lotte), Winfried Pohlmann (Hopsten), Heinz Hüppe (Hörstel), Ulrich Hockenbrink (Westerkappeln), Werner Boberg (Mettingen) und Eckhard Kellermeier (Recke).Foto: Stephan BeermannSieben Bürgermeister des Tecklenburger Landes arbeiten weiter daran, die Schalter für gemeinsame Stadtwerke umzulegen. Von links: Heinz Steingröver (Ibbenbüren), Rainer Lammers (Lotte), Winfried Pohlmann (Hopsten), Heinz Hüppe (Hörstel), Ulrich Hockenbrink (Westerkappeln), Werner Boberg (Mettingen) und Eckhard Kellermeier (Recke).Foto: Stephan Beermann

Ibbenbüren. Großer Aufmarsch in der Feuerwache in Ibbenbüren: Am Mittwochabend haben die Hauptausschüsse der Städte und Gemeinden Hörstel, Hopsten, Ibbenbüren, Lotte, Mettingen, Recke und Westerkappeln erstmals gemeinsam (rund 100 Kommunalpolitiker) öffentlich über die Gründung gemeinsamer Stadtwerke Tecklenburger Land diskutiert. Etwa 40 Zuhörer verfolgten das Geschehen. Ein Kernpunkt war das Thema Vertrieb von Strom und Gas durch die neuen Stadtwerke.

Im Laufe der Vorträge von RWE und Stadtwerken Osnabrück – sie sitzen als strategische Partner der Stadtwerke Tecklenburger Land mit im Boot – kristallisierte sich heraus, dass ein frühzeitiger Verkauf von Strom und Gas an neu zu akquirierende Kunden der Stadtwerke Tecklenburger Land eine Option in der Planung ist. Und zwar gleich nach Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags zur Stadtwerke-Gründung in diesem Jahr. Letztere, so skizzierte es Dirk Riekenberg (WRG Solutions GmbH), Berater der Kommunen, könnte Anfang April über die Bühne gehen. Bis dahin seien zweieinhalb Monate Zeit, sich über die Vertragsausgestaltungen einig zu werden und die Wirtschaftlichkeitsberechnungen zu betrachten.

Zum Einstieg gab es am Mittwoch ein Plädoyer für die großen Chancen einer neuen und verlässlichen „Marke“ Stadtwerke Tecklenburger Land. So zeigte Siegfried Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Lippstadt, auf, wie erfolgreich Beteiligungen von Stadtwerken an Energievertriebsgesellschaften sein können. Am Beispiel der Hochsauerland-Energie GmbH machte er deutlich, dass der kommunale Anbieter mit dem Vertrauen und der Akzeptanz in der Bürgerschaft durchaus der 101. Anbieter im großen Energiemarkt sein könne. Allerdings: „Sie müssen schon einen preislichen Vorteil bieten.“ Ganz wichtig sei es, eine Marke zu schaffen, die sich in der Region wiederfindet.

Da schloss Bernd Böddeling, Finanzvorstand der RWE Deutschland AG, gleich an: „Das Tecklenburger Land ist ein Identität stiftender Begriff.“ Und er reklamierte für sein Unternehmen überall in der Region schon dort zu sein, wo Kunden und Netzstruktur sind.

Als kompetenter Partner in Sachen Energievertrieb bezeichneten die Vertreter der Stadtwerke Osnabrück ihr Unternehmen. Bereichsleiter Alexander Kmita erklärte, die öffentliche Wirkung einer Stadtwerkegründung sei optimal für einen erfolgreichen Vertriebsstart, für das Etablieren einer regionalen Marke. Anlaufverluste der neuen Stadtwerke-Gesellschaft könnten über Darlehen der strategischen Partner finanziert werden. Die Gewinne aus dem Energievertrieb könnten die Stadtwerke Tecklenburger Land dann bis zum Tilgungszeitpunkt verrechnen. Danach verdienten die Kommunen mit, und die Stadtwerke könnten langfristig auf eigenen Füßen stehen.

Das warf selbstverständlich Fragen auf. Zum Beispiel die, ob die Kommunen in einer solchen Konstellation auch die Mehrheit in einer Vertriebs-Tochtergesellschaft behielten – was sich bei Kmita für die Tilgungszeit nicht so anhörte. Kmita hatte zudem erklärt, man wolle im operativen Geschäft als Geldgeber sicherlich eine entscheidende Rolle spielen und steuern. Doch Manfred Hülsmann, Vorstandschef der Stadtwerke Osnabrück, erklärte, die Mehrheit in der Gesellschaft bleibe bei den Kommunen: „Sie sitzen am Steuer, und wir wollen ein guter Dienstleister sein.“

Noch nicht tiefer stiegen die Hauptausschüsse in die Diskussion um die Konzessionen für den Netzbetrieb ein, um die sich die Stadtwerke mit Auslaufen der Altkonzessionen Ende 2015 bewerben wollen. Frage aus der Runde: „Geht für die Stadtwerke auch nur der Vertrieb?“ Antwort von Siegfried Müller aus Lippstadt: „Auch eine reine Vertriebsgesellschaft wird ihr Geld verdienen.“

.Im Anschluss an die Kurzreferate der strategischen Partner Stadtwerke Osnabrück und RWE sowie der Präsentation der Stadtwerke Lippstadt zum Energievertrieb hatten die Mitglieder der sieben Hauptausschüsse Gelegenheit zu Stellungnahmen und Fragen. Hier einige Auszüge:

Walter Üffing (Grüne, Hopsten): Sie drücken ja mächtig aufs Tempo. Vielleicht deshalb - nachdem sich einige Fraktionen kritisch geäußert haben - weil eventuell der Bürger am 25. Mai bei der Kommunalwahl mit abstimmt? Wir brauchen auf jeden Fall mehr verlässliche Zahlen.

Hans-Jürgen Streich (FDP, Ibbenbüren): Soll die Vertriebsgesellschaft vor der Ratsentscheidung zu den Stadtwerken gegründet werden?

Riekenberg: Nein, erst sollen die Stadtwerke gegründet werden, dann die Gesellschaft für den Vertrieb.

Christoph Börgel (CDU, Ibbenbüren): RWE hat den Schwerpunkt Netz, die Stadtwerke Osnabrück den Schwerpunkt Vertrieb?

Bernd Böddeling (RWE): Details werden noch abgestimmt.

Aus dem Hauptausschuss Lotte: Attraktive Preise für Strom, und Gas, müssen die Stadtwerke Tecklenburger Land also Preise bieten, die den Müttern Stadtwerke Osnabrück und RWE Konkurrenz machen?

Manfred Hülsmann (RWE): Wir müssen als Stadtwerke Tecklenburger Land das bessere Angebot haben. Der Preis ist dabei eine wichtige Größe. Aber Sie werden von mir nicht hören, dass wir immer - ich betone immer - billiger sein müssen als der Grundversorger.

Franz-Josef Egelkamp (CDU, Hörstel): Sie sagen, der frühzeitige Einstieg in den Energievertrieb sei ein risikoloses Modell - risikolos, das haben uns Banken auch mal versprochen.

Paul Rietmann (CDU, Hörstel): Werden die Stadtwerke Stromrechnungen unkomplizierter als heute? Jetzt brauche ich dazu ja einen Steuerberater.

Dr. Marc Schrameyer (SPD, Ibbenbüren): Sie sollten sagen, dass sie als Stadtwerke Osnabrück und RWE durch die neuen Stadtwerke auch Kunden gewinnen können, die sie sonst nicht erreichen. Insofern gibt es eine Win-Win-Situation.

Manfred Hülsmann (zur Win-Win-Situation: Ja, wir wollen auch Geld verdienen.

Dr. Marc Schrameyer: Das eigentliche Risiko liegt doch im Energieeinkauf. Woher beziehen die neuen Stadtwerke die Energie, vom strategischen Partner oder am Spotmarkt?

Manfred Hülsmann: Wir als Stadtwerke Osnabrück würden den Energieeinkauf übernehmen.

Georg-Friedrich Becker (Grüne, Ibbenbüren): Sind die Zahlen für die Holding und weitere Gesellschaften schon festgelegt?

Riekenberg: Bei der Holding haben die Kommunen 98 Prozent, die strategischen Partner jeweils 1 Prozent. Bei Vertrieb und Netz werden die Kommunen mehr als 50 Prozent halten.

Ulrich Remke (CDU, Ibbenbüren): Ist es möglich, dass wir eine Vertriebsgesellschaft gründen und beim Konzessionserwerb verlieren?

Riekenberg: Ja, das ist möglich.

Alfred Gayer (CDU, Hörstel): Sind Dienstleistungen verpflichtend vom strategischen Partner zu nehmen?

Bernd Böddeling: Es gibt keinen Kontrahierungszwang.

Manfred Berghaus (KBR, Recke) zum Energievertrieb durch die strategischen Partner: Steuern, heißt das Fortführung ihrer unternehmerischen Ziele im Namen der Stadtwerke Tecklenburger Land?


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN