Wald als bunter Flickenteppich Neues Forstbetriebswerk für das Tecklenburger Land vorgestellt

Von Frank Klausmeyer

Laubwald macht den größten Anteil der Forstflächen aus. Erfasst wurden aber nur die Bestände der Forstbetriebsgemeinschaft Schafberg (1582 Hektar). Insgesamt ist die Waldfläche aber größer. Allein in Westerkappeln sind es 1195 Hektar. Grafik:chr/Foto: ColourboxLaubwald macht den größten Anteil der Forstflächen aus. Erfasst wurden aber nur die Bestände der Forstbetriebsgemeinschaft Schafberg (1582 Hektar). Insgesamt ist die Waldfläche aber größer. Allein in Westerkappeln sind es 1195 Hektar. Grafik:chr/Foto: Colourbox

Lotte/Westerkappeln. Der Waldbestand von Lotte bis Hopsten gleicht einem bunten Flickenteppich. Zumindest auf den Karten, die Bernhard Plaggenborg im Auftrag der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Schafberg erarbeitet hat. „Forstbetriebswerk“ nennt sich sein Gutachten. Darin gibt er jedem in der FBG organisierten Waldbauern detailliert Auskunft darüber, was für Bäume in welchem Zustand in seinem Wald stehen. Das Kataster soll den Eigentümern als Grundlage für die Bewirtschaftung dienen.

Am Mittwoch hat Plaggenborg die wichtigsten Ergebnisse seiner monatelangen Arbeit bei der Generalversammlung der FBG im „Alten Gasthaus Schröer“ vorgestellt. 257 Mitglieder hat der Verband zurzeit. Sie besitzen zusammen 1626,6 Hektar Forstbetriebsfläche. Das entspricht rechnerisch knapp einem Fünftel der Gesamtfläche Westerkappelns.

Der größte Teil der Betriebsfläche (1582 Hektar) ist Holzboden, wie der Fachmann den Grund nennt, auf dem die Bäume stehen. Unter den verbleibenden Nichtholzboden (44,2 Hektar) fallen beispielsweise Wasserflächen oder Lagerplätze.

Aber was steht da so im Wald herum? An erster Stelle Kiefern. Sie machen am Gesamtbestand einen Anteil von 29 Prozent aus, gefolgt von der Rotbuche (22 Prozent), Stieleiche (14 Prozent) und – für den Laien wohl ein wenig überraschend – Birke (12 Prozent).

Mit einem Anteil von 58,9 Prozent dominieren in den hiesigen Wäldern also die Laubbäume. Vielleicht auch deshalb, weil Buchen und Eichen wenig nachgefragt sind. „Die Sägewerke wollen Nadelholz, das Land nicht“, meint FBG-Vorsitzender Heinz-Hermann Spieker und verweist auf die Förderpraxis für Neuanpflanzungen in Nordrhein-Westfalen.

Rund 20000 Pflanzen wird die FBG bis Ende des Jahres neu gesetzt haben, berichtet Revierförster Ansgar Bregen-Meiners, der die Waldbauern in Westerkappeln, Lotte, Mettingen, Recke und Hopsten betreut. Dass das Land keinen Cent Zuschuss für Nadelholz zahlt, findet der stellvertretende FBG-Vorsitzende Ulrich Meese aus Hopsten-Schale nicht richtig: „Auf unseren Sandböden brauchen wir mit Laubbäumen doch gar nicht zu kommen.“

Das Fällen eines Baumes sorgt in einem Wohngebiet schnell mal für erhitzte Gemüter. Im Wald sind Bäume dagegen auch ein Wirtschaftsgut. Dieses Jahr werde die FBG rund 5000 Festmeter (Kubikmeter Holz ohne Zwischenräume) über das Forstamt vermarkten, berichtet Bregen-Meiners. Hinzu kämen kleinere Margen, die die Eigentümer als Brennholz schlagen oder privat an den Mann bringen.

Nachhaltige Planung

Von einem Kahlschlag ist der Wald in der Region aber weit entfernt, wie Privat-Forstoberrat Plaggenborg betont. Die ganze Planung sei durchaus nachhaltig. Theoretisch könnten jedes Jahr nach seinen Berechnungen 6646 Festmeter Holz eingeschlagen werden. Denn nicht nur hat die Forstbetriebsgemeinschaft einen Vorrat von über 255000 Festmetern im Wald stehen. „Es wachsen auch jedes Jahr 8400 Festmeter nach“, betont der Experte aus Wietmarschen.

Bregen-Meiners würde gerne mal alte Buchen- und Eichenbestände durchforsten, auch wenn es nicht die von manchen Eigentümern erträumten 200 oder 300 Euro pro Festmeter gebe, sondern allenfalls 70 bis 110 Euro. „Ob man für das Geld seine Buchen fällen will, ist da sicher fraglich“, räumt der Förster ein. Aber auch dabei bleibe noch etwas für die Waldbesitzer übrig. Vor 15 Jahren habe das noch anders ausgesehen, kann sich Spieker noch gut an schlechtere Zeiten erinnern.

Angst vor Enteignung

ngesichts der kleinteiligen Bestände ist die Forstwirtschaft für die FBG-Mitglieder – größtenteils Landwirte – ohnehin wohl nicht mehr als ein Hobby.

Trotzdem oder gerade deshalb regt es sie auf, wenn die Politik in ihren Wald hineinregieren will.

Bei den Verhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD in Berlin geht es nach Informationen des Waldbauernverbandes NRW auch darum, pauschale Flächenstilllegungen im Wald im Koalitionsvertrag festzuschreiben. Die betroffenen Bestände müssten dann fortan sich selbst überlassen werden.

Auch Privatwald solle einbezogen werden, und das ohne Einverständnis der Eigentümer, kritisiert der Waldbauernverband und fordert seine Mitglieder auf, schriftlich beim Kanzleramtsminister Pofalla zu protestieren.

„Bald sind wir so weit, dass der Staat bestimmt, was wir bei uns im Busch machen dürfen. Die DDR wurde abgeschafft und wir fangen wieder damit an“, befürchtet der Westerkappelner Waldbesitzer Hermann Helmich offenbar eine Art Enteignung. fk