Damit alle Kinder dabei sind Johannes Herfurth neuer BuT-Lotse in Westerkappeln

Von Karin C. Punghorst

Anspruch auf Geld aus dem Topf des Bildungspakets haben weit mehr Familien als zurzeit in Westerkappeln die Förderung beantragt haben. Symbolfoto: dpaAnspruch auf Geld aus dem Topf des Bildungspakets haben weit mehr Familien als zurzeit in Westerkappeln die Förderung beantragt haben. Symbolfoto: dpa

Westerkappeln. Bereits seit Anfang 2011 gibt es für Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien einen Rechtsanspruch zum Mitmachen – mtmachen und teilnehmen am Mittagessen in Hort, Kita und Schule, bei Tagesausflügen und Klassenfahrten, bei Musik, Sport und Spiel in Vereinen und Gruppen. Das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) soll nach den Vorstellungen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen bundesweit rund 2,5 Millionen Kindern aus Geringverdienerfamilien bessere Zukunftschancen bieten.

Gute Idee, aber auch nach mehr als zwei Jahren scheint die Hilfe noch nicht da angekommen zu sein, wo sie nötig ist. Das gilt zumindest für Westerkappeln. „Der Bedarf ist größer als die Nachfrage“, fasst Johannes Herfurth, Mitarbeiter der Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (Wespe) die momentane Situation zusammen.

Das zeigen die Zahlen: 481 Einzelanträge hätten seinen Angaben zufolge von anspruchsberechtigten Personen in diesem Jahr gestellt werden können. Gefördert wurden bislang aber nur 280 Kinder und Jugendliche.

Woher rührt die Diskrepanz? „Unkenntnis, Sprachprobleme, Scheu“, nennt Herfurth drei wichtige einer Vielzahl von Gründen. Dagegen will er etwas unternehmen. Er ist jetzt offiziell als BuT-Lotse im Kinderbüro ansprechbar. Zusätzlich zu seinem bereits bestehenden Stundenkontingent als Wespe-Mitarbeiter stehen ihm für diese Aufgabe 8,6 Stunden zur Verfügung. Die Stelle wird über den Kreis Steinfurt finanziert. Herfurth tritt als BuT-Lotse die Nachfolge von Barbara Farwer an.

„Wir sind sehr froh, dass wir für diese Aufgabe jetzt jemanden haben, der die Familien und Kinder in Westerkappeln kennt“, sagt Petra Kleen, Vorsitzende der Wespe. Johannes Herfurth ist bei den Kindern und Jugendlichen, bei Eltern und Lehrern in der Kommune bekannt, sei es als AG-Leiter an der Realschule oder mit seinen Geocaching-Angeboten im Programm der Wespe. Daran können alle Kinder teilnehmen, auch wenn sich Eltern das Angebot mitunter nicht leisten können. Denn dann können Mittel aus dem Bildungs- und Teilhabepaket beantragt werden.

Ein besonderes Anliegen ist Herfurth das Thema Lernförderung. „Es ist schwierig, dafür geeignete Leute zu finden“, sagt er. Gefragt sind Interessierte mit geeigneter Qualifikation, die so eine Aufgabe engagiert in Angriff nehmen. Nicht ohne Bezahlung, aber das dabei auch zu verdienende Geld sei nicht unbedingt als ausschlaggebende Motivation zu erachten.

Angesprochen sind zum Beispiel Grundschullehrer oder pensionierte Lehrkräfte, aber auch Schüler. Entscheidende Voraussetzung ist jedoch nicht die berufliche Qualifikation, sondern die fachliche. Vergleichbar ist die Aufgabe mit Nachhilfe, etwa in den Unterrichtsfächern Deutsch, Englisch und Mathe. Das Angebot geht jedoch über die ergänzende Schulförderung hinaus, denn ein Anspruch kann bei Bedarf bis zum 25. Lebensjahr geltend gemacht werden.

Beratungszeiten

Auskünfte und Hilfe bei der Antragstellung für das Bildungs- und Teilhabepaket in Westerkappeln bietet Johannes Herfurth im Kinderbüro, Schulstraße 4, Telefon 05404/919627, immer mittwochs und donnerstags von 11 bis 12 Uhr. Auf Wunsch und nach Terminvereinbarung kommt Herfurth auch zu den Familien nach Hause. Herfurth informiert zudem über den Frubi-Pass (Freizeit und Bildung für alle in Westerkappeln).

Dabei handelt es sich um finanzielle Unterstützung der Kommune Westerkappeln, die von Familien beantragt werden kann, die nicht über das BuT-Paket leistungsberechtigt sind .

Wer bekommt Hilfe?

Das Bildungspaket unterstützt Kinder und Jugendliche, deren Eltern leistungsberechtigt nach dem SGB II sind (insbesondere Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld), Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Auch wer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommt, kann einen Anspruch haben. Mit dem Bildungspaket können Lernmaterialien und Beförderungskosten beim Besuch einer weiterführenden Schule bezuschusst werden. Lernförderung wird ermöglicht, wenn Kinder in der Schule nicht mehr mitkommen.


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