40 Jahre Realschule Ersten Gesamtschulstreit 1991/92 überstanden

Von Annika Papenrock

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Westerkappeln. Mit 73 Mädchen und Jungen und nur drei Lehrern ging es los. Es gab ja 1973 auch nur einen Jahrgang. Das wenig später gebaute Schulzentrum musste sich die Realschule Westerkappeln noch mit der Hauptschule teilen. Heute nimmt sie den millionenschwer sanierten Komplex alleine in Beschlag. In den 40 Jahren hat sich die Realschule prächtig gemausert. Das will gefeiert werden.

Am Donnerstag, 17. Oktober, findet ab 19 Uhr eine Feierstunde in der Aula statt: mit „großen Reden“, wie Rektor Ralf Kutschwalski schmunzelnd sagt, Schülerdarbietungen und einem Festvortrag zum Thema Erziehung von Gabriele Kreter.

Der runde Geburtstag wird zudem von vielen Veranstaltungen begleitet. Im Dezember wird es um das Thema „Internet und Handy“ gehen. Und im Januar findet ein pädagogischer Abend über Mobbing statt. Enden wird das Jubiläumsprogramm im Juli nächsten Jahres mit einem gemeinsamen Wandertag.

In den zurückliegenden 40 Jahren ist an der Schule viel passiert. Und dennoch war die Zeit von Kontinuität geprägt. Denn in den vier Jahrzehnten gab es nur drei Schulleiter.

Begonnen hat alles im Jahr 1973 mit Martin Bäcker als Rektor. Am 1. August des Jahres startete die Realschule mit 38 Mädchen und 35 Jungen aus Westerkappeln und Lotte. Mit der Gründung der Realschule sei eine Lücke gefüllt worden, denn was weiterführende Schulen anbelangt, sei Westerkappeln bis dahin relativ unterversorgt gewesen, schrieb unsere Zeitung damals.

Dem Bau des Realschulgebäudes schloss sich 1975 der Bau der Dreifachsporthalle an, die auch ideale Bedingungen für den Schulsport bot. Nach ein paar weiteren Umbauten war das Gebäude dann am 8. Dezember 1978 mit vielen Fachräumen für die Naturwissenschaften „komplett“.

Kirmesmontag schulfrei

Das Gebäude hat sich seit den siebziger Jahren sehr verändert, doch so manches ist gleich geblieben. Wie immer am ersten Septemberwochenende ist Kirmes in Westerkappeln. Damals wie heute ist am Kirmesmontag schulfrei. Statt Rechnen, Schreiben, Lesen steht bei den Kindern an diesem Tag der Flohmarkt auf dem Stundenplan.

17 Jahre war Martin Bäcker Schulleiter. Dann übernahm Franz-Josef Schlie das Ruder, der gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Existenzkrise seiner Realschule erlebte und durchlitt. Denn nicht nur momentan, sondern bereits 1991 wurde über eine Gesamtschule gestritten und der Fortbestand der Realschule damit ins Wanken gebracht.

Zum Schuljahresbeginn 1992 sollte eine Gesamtschule mit der Gemeinde Lotte gegründet werden, allerdings nur, wenn mindestens 84 Anmeldungen vorliegen. Es gab sogar schon einen Schulleiter. Im Februar 1992 stand das Ergebnis fest: Nur 27 Kinder wurden angemeldet. „Mit so einem Desaster haben wir nicht gerechnet“, erklärte der designierte Gesamtschulleiter dazu entsetzt.

Damit war das Thema für die nächsten 20 Jahre tot. 1998 ging die Realschule dann so richtig mit der Zeit: Die Schule erhielt ihren ersten Informatikraum. Doch bereits 1976 hatte sich die Schule von ihrer fortschrittlichen Seite gezeigt. In diesem Jahr wurden erstmals Taschenrechner im Unterricht verwendet.

Nicht nur technische Neuerungen veränderten das Schulleben, sondern auch die Rechtschreibreform. Zur Pflicht für alle wurde die neue deutsche Rechtschreibung ab dem 1. August 1998. Die Realschule begann aber bereits ein Jahr zuvor mit dem „dass“ statt „daß“. Franz-Josef Schlie sagte dazu, dass „nichts über das Knie gebrochen werden soll“, damit sich die Schüler langsam daran gewöhnen können.

Schule ohne Rassismus

Heute sind die Themen längst andere. So trägt die Realschule seit 2005 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Durch aktive Teilnahme am bundesweiten Projekt „AktionCourage“ wurde diese Auszeichnung durch die Bundeskoordinationsstelle übergeben.

Ralf Kutschwalski, dritter und womöglich letzter Rektor in der Geschichte der Realschule, blickt stolz auf die Entwicklung seiner Schule zurück. Auch wenn es vielleicht keinen weiteren runden Geburtstag der Realschule geben werde, sagt Ralf Kutschwalski: „Ich bin optimistisch, was die Zukunft anbelangt.“ Auf die Frage, ob es ihn traurig stimme, dass aus der Realschule möglicherweise bald eine Gesamtschule wird, sagt er: „Ja, ganz sicher, doch 40 Jahre sind ein Grund zum Feiern. Wir blicken schließlich auf große Erfolge zurück und sind stolz auf das, was wir erreicht haben.“

Fünf Jahre als Schulleiter– da zieht er eine sehr gute Bilanz: „Wir sind auf bestem Wege, die Ganztagsschule in allen Jahrgängen zu verwirklichen und freuen uns auf den Tag, an dem wir eine komplette Ganztagsschule sind.“ Geradezu heftig reagiert er hingegen auf die Frage, ob er auch Schulleiter an der Gesamtschule werden wolle: „Auf gar keinen Fall! Da wir an unserer Realschule noch viel vorhaben, werde ich sicher nicht der Schulleiter einer Gesamtschule.“

Chronik der Realschule

1. August 1973: Beginn der Realschule mit 73 Schüler aus Westerkappeln, Lotte und Wersen sowie nur drei Lehrkräften; Schulleiter Martin Bäcker

1975: Dreifachsporthalle wird fertig gestellt

1976: erstmals Taschenrechner im Unterricht

8. Dezember 1978: letzter Bauabschnitt ist fertig

1989: Gründung des Förderkreises der Realschule

1991: Martin Bäcker wird in den Ruhestand verabschiedet, Nachfolger Franz-Josef Schlie

1991: erstmals Arbeitsgemeinschaften dank Unterstützung des Förderkreises (Hauswirtschaft und Aquarellmalen)

1991: Diskussion über das Thema Gesamtschule startet

Februar 1992: Das Ergebnis steht fest: 27 Kinder wurden angemeldet;die Realschule bleibt bestehen.

6. Juni 1998: der erste Informatikraum entsteht

25. August 1998: 25-jähriges Jubiläum der Realschule

1998: 446 Schüler werden von 17 Lehrkräften unterrichtet

24. Mai 2005: „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“

2008: Franz-Josef Schlie wird in den Ruhestand verabschiedet, Nachfolger Ralf Kutschwalski


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