Ablehnung der Gesamtschulpläne Widerspruch rings um Lotte und Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

<em>Argwöhnisch</em> werden die Gesamtschulbestrebungen in Westerkappeln und Lotte von den Nachbarkommunen beäugt, fürchten diese doch teilweise um den Bestand ihrer eigenen Schulen.Foto: Grafik Jürgen ChristArgwöhnisch werden die Gesamtschulbestrebungen in Westerkappeln und Lotte von den Nachbarkommunen beäugt, fürchten diese doch teilweise um den Bestand ihrer eigenen Schulen.Foto: Grafik Jürgen Christ

Westerkappeln. Der Plan der Gemeinden Westerkappeln und Lotte, schon im kommenden Jahr gemeinsam eine Gesamtschule aus der Taufe zu heben, stößt in der Nachbarschaft ringsherum auf Ablehnung. Nichtsdestotrotz halten die beiden Kommunen unverdrossen an ihrem Ziel fest. Heute Abend tagen zeitgleich die Schulausschüsse beider Räte und sollen weitere Verfahrensschritte einleiten.

Widerspruch gegen die Gesamtschule-Pläne wird auch beim Kreis Steinfurt laut. Der ist Schulträger des Berufskollegs in Ibbenbüren und Lengerich. Sollten Westerkappeln und Lotte eine Gesamtschule gründen, so die Befürchtung, fehlten dem Berufskolleg am Ende vielleicht Schüler, weil diese direkt von der Grundschule zur neuen Gesamtschule wechseln könnten. Der Kreis hält eine Sekundaschule für die tauglichere Lösung und bietet sich als Kooperationspartner für eine gymnasiale Oberstufe an.

Bemerkenswert, weil dort in dieser Deutlichkeit noch gar nicht öffentlich diskutiert, sind die Bedenken aus dem Ibbenbürener Rathaus. Hier, so lässt die Stadtverwaltung wissen, wird die Gründung einer zweiten Gesamtschule angestrebt. Im Gegenzug sollen die städtische Anne-Frank-Realschule und die Hauptschule – noch verteilt auf zwei Standorte auf dem Dickenberg und in Laggenbeck – aufgelöst werden.

Dies sei bereits im Juli mit der Bezirksregierung besprochen worden. Die Behörde, die letztendlich auch eine Gesamtschule für Westerkappeln und Lotte genehmigen müsste, habe vorgeschlagen, dass Ibbenbüren darüber mit seinen Nachbarkommunen diskutieren soll.

Im Übrigen weisen die Ibbenbürener Stadtoberen darauf hin, dass die Pläne in Westerkappeln und Lotte schädliche Auswirkungen für die eigene, vor zwei Jahren gegründete Gesamtschule wie auch insbesondere für die Oberstufe des Kepler-Gymnasiums haben könnte. Ein Mittelzentrum wie Ibbenbüren könne Gymnasiasten zudem ein besseres Kursangebot machen.

Die Gemeinde Mettingen hatte – wie berichtet – vor negativen Folgen für die Kardinal-von-Galen-Schulen (KvG) am Ort gewarnt und sieht überdies ihre eigene Hauptschule in Gefahr. Nun hat sich auch der Verein der Schulfreunde als Träger der KvG zu Wort gemeldet und sich „vehement“ gegen die geplante Gesamtschule ausgesprochen. Diese könne eine unerwünschte Konkurrenzsituation zum Nachteil des Schulstandortes Mettingen und damit der KvG-Schulen bewirken.

Die Sorgen des Vereins der Schulfreunde sind wohl auch deshalb gut nachzuvollziehen, weil sowohl die Gemeinde Westerkappeln als auch Lotte Zuschüsse für das KvG-Gymnasium zahlen. Im Falle der Gründung einer eigenen Gesamtschule könnte sich das auf Dauer erledigt haben.

Überraschend neutral reagiert die Stadt Tecklenburg, obwohl deren Graf-Adolf-Gymnasium (GAG) traditionell viele Schüler aus Westerkappeln und Lotte aufnimmt. Man wolle lediglich bei eventuellen Veränderungen in der Schullandschaft gehört und beteiligt werden, heißt es in dessen Stellungnahme.

Vielleicht resultiert diese Gelassenheit aus der Annahme, dass die Bezirksregierung eine Gesamtschule in Westerkappeln und Lotte nicht genehmigen wird. Diese Überzeugung hatten die Bürgermeister aus Tecklenburg Lengerich, Lienen und Ladbergen jedenfalls im März dieses Jahres vor der Presse vertreten.

Die beiden Schulen, die eine neue Gesamtschule am meisten beträfe, nämlich die Realschule Westerkappeln und die Gemeinschaftshauptschule Lotte in Wersen, haben sich derweil noch gar nicht geäußert. Deren Schulkonferenzen haben erst gestern Abend getagt. Das Ergebnis soll heute Abend in den beiden Fachausschüssen vorgetragen werden.


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