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1959 wurde St. Barbara eingeweiht – Seit 23 Jahren hat sich der Hügelkreis um die Kapelle gekümmert Ein letztes Stück Kirchengeschichte

30.09.2011, 16:16 Uhr

Es war an einem Samstagabend, keiner der Beteiligten weiß heute noch, vor wie vielen Jahren genau. In der Kapelle St. Barbara sollte damals ein Gottesdienst stattfinden, doch der eingeteilte Geistliche kam nicht. „Das war ein einschneidendes Erlebnis für uns“, sagt Gertrud Bodenstein, Mitglied des hiesigen Kirchenvorstands. Nicht etwa, weil der geplante Gottesdienst ausgefallen wäre, sondern weil sich die Anwesenden darüber Gedanken machten, wie groß die Erwartung an einen anderen sei und wie wenig jeder Einzelne selber doch Woche für Woche in einen Gottesdienst mit einbringe.

Also nahm die kleine Gemeinschaft den Gottesdienst an diesem Abend in die eigenen Hände. Zum Vaterunser versammelten sich alle um den Altar, die Predigt wurde zum Gespräch, und Fürbitten waren frei formuliert.

Es ist nur eine kleine von vielen Geschichten der Kapelle St. Barbara, die 1959 erbaut wurde. Und der Gottesdienst ohne Geistlichen war dabei keineswegs das erste Mal, dass die Gläubigen das Schicksal der Kapelle in ihre eigenen Hände nehmen mussten. Schon 1988 sollte St. Barbara das erste Mal geschlossen werden – aufgrund von Personalmangel, begründete das Bistum damals. „Wir haben dann in Münster vorgesprochen“, sagt Bodenstein lächelnd. Mit dem Ergebnis konnten beide Seiten leben. Das Bistum ließ die Kapelle geöffnet, die Gläubigen mussten sich dafür um alles kümmern: einen Geistlichen besorgen, den Küsterdienst übernehmen, putzen – einfach alles, um zweimal im Monat einen Gottesdienst zu feiern.

Kaum jemand weiß das besser als Ruth Künnemann. Sie und Martin Mollenkamp blieben bis zum Schluss im Küsterdienst. Großes Aufsehen machen die beiden nicht darum, immerhin waren es viele Menschen, die sich in den vergangenen 23 Jahren um die mittlerweile recht marode Kapelle gekümmert haben. Der Name Josef Dirksmeier fällt in dem Zusammenhang, aber auch viele andere.

Weit wichtiger als Namen aber ist dem Hügelkreis das Ganze. Und das war immer auch etwas Besonderes: „Wir waren hier zum Beispiel immer sehr fortschrittlich“, sagt Gertrud Bodenstein. Pater Donatus habe schon 1988 auch Mädchen im Messdienerdienst zugelassen – einzigartig bis dahin in Westerkappeln. Und als der Kindergarten St. Barbara vor zehn Jahren mehr Platz benötigte, ersann der Hügelkreis ein mutiges Modell. Aus dem hinteren Bereich der Kapelle entstand ein Multifunktionsraum. Noch heute wird er von den Kindern genutzt, bis er demnächst mit der Kapelle, die nach dem Gottesdienst (Samstag,19 Uhr) profaniert wird, abgerissen wird.

Dann entsteht dort ein Anbau für den Kindergarten, um der Betreuung der unter Dreijährigen gerecht zu werden. Wann genau das passiert, ist noch nicht klar, aber: „Kommenden Sommer muss alles fertig sein“, sagt Veronika Kowalski, Leiterin des Kindergartens. Das Mauerwerk der Kapelle wird verschwunden sein. Steine, die nicht nur durch Mörtel, sondern vor allem durch ehrenamtliches Engagement lange zusammengehalten wurden. Doch Trauer passt nicht zum Hügelkreis, neue Pläne dagegen schon. „Wir wollen den Gottesdienst aufrechterhalten“, sagt Pater Sharji. Immer am ersten Sonntag im Monat soll es einen Abendgottesdienst für die ganze Gemeinde geben, dann in den Mauern von St. Margaretha. Entscheidend ist der Ort nicht, denn: „Wir sind die lebendigen Steine, das zählt“, sagt Pater Sharji.

Der erste Gottesdienst des Hügelkreises in St.-Margaretha wird am Sonntag, 4. Dezember, stattfinden. An diesem Tag feiert Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, ihren Namenstag.