Noch ein beitragsfreies Jahr Neues NRW-Kinderbildungsgesetz: Skepsis in Westerkappeln

Von Katja Niemeyer

Für Kitas soll ab dem kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung stehen. Damit könnten mehr Erzieher eingestellt werden – allein: Fachkräfte fehlen auch in diesem Bereich. Symbolfoto: Jens Büttner/dpaFür Kitas soll ab dem kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung stehen. Damit könnten mehr Erzieher eingestellt werden – allein: Fachkräfte fehlen auch in diesem Bereich. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

Westerkappeln. Vier Westerkappelner Kindergartenleiterinnen haben kürzlich im Schulausschuss über ihre Einrichtungen berichtet. Überwiegend machten sie auf Kapazitätsengpässe und fehlendes Personal aufmerksam. Die Erzieherinnen treibt vor allem aber das neue Kinderbildungsgesetz um. „Das Gesetz bereitet uns Sorgen“, sagte Elke Ursinus, Leiterin der AWO-Kindertagesstätte I am Königsteich. Ähnliche Bedenken äußerten auch ihre Kolleginnen.

In der vergangenen Woche hat der nordrhein-westfälische Landtag das neue Kinderbildungsgesetz, kurz Kibiz genannt, verabschiedet. Es sieht beginnend mit dem Kindergartenjahr 2020/21 eine zusätzliche Förderung in Höhe von jährlich 1,3 Milliarden Euro vor. Damit sollen unter anderem mehr Personal sowie ein zweites freies Kita-Jahr finanziert werden. Außerdem sollen in Zukunft flexiblere und längere Öffnungszeiten vor allem früh morgens und abends ermöglicht werden. 

Nicht nur Personal, sondern auch Sachmittel

Diözesan-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann begrüßt das neue Gesetz, wie er auf Nachfrage sagt. Nach seiner Ansicht reicht es aber nicht aus, nur mehr Mittel für Personal zur Verfügung zu stellen. Vielmehr müsste auch das Budget für Sachmittel erhöht werden. Dieses sei seit Mitte der 1990-er Jahre nicht mehr fortgeschrieben worden. Der Caritasverband ist der Dachverband der katholischen Wohlfahrtspflege, zu der auch Kindertagseinrichtungen wie der St.-Barbara-Kindergarten in Westerkappeln gehören.

100.000 zusätzliche Betreuungsplätze bis 2025

Kessmann gibt außerdem zu bedenken, dass Kitas unter einem Fachkräftemangel leiden. „Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden“, erklärt der Diözesan-Caritasdirektor und verweist auf die relativ neue Möglichkeit einer praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin, die eine Alternative zu der bisherigen, hauptsächlich schulischen Ausbildung darstellt. Mit einer Kampagne sollen zudem mehr Fachkräfte angeworben werden. Bis 2025 müssen allein in NRW Prognosen zufolge 100.000 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden.

Kritik am zweiten beitragsfreien Jahr

Die Einführung eines zweiten beitragsfreien Kita-Jahres – ebenfalls vorgesehen im neuen Kibiz – sieht Kessmann kritisch. „Davon profitieren nicht nur ärmere Familien, sondern auch ein sehr gut verdienender Chefarzt“, sagt er. „Sozial gestaffelte Beiträge“, ergänzt der Diözesan-Caritasdirektor, „wären besser gewesen“.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN