Sonne tanken und durchstarten Wie zwei Westerkappelner in klimafreundliche Energien investieren

Von Katja Niemeyer

Robert Kropf tankt sein E-Auto mit Solarstrom vom Dach seines Hauses. Foto: Katja NiemeyerRobert Kropf tankt sein E-Auto mit Solarstrom vom Dach seines Hauses. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Die Große Koalition in Berlin hat kürzlich ein Klimaschutzpaket geschnürt, das unter anderem eine „Austauschprämie“ für eine umweltfreundlichere Wärmeerzeugung vorsieht. Derweil setzt sich die junge Aktivistin Greta Thunberg weiterhin auf der ganzen Welt für Klimaschutz ein. Das Thema ist in aller Munde. Auch in Westerkappeln.

Zwar finden hier keine großen Demonstrationen statt. Untätig blicken die Westerkappelner deshalb aber noch lange nicht auf die Nachrichten über Erderwärmung und den Anstieg der Meeresspiegel, wie zwei Beispiele zeigen. So plant Johannes Cleff derzeit den Bau eines Plus-Energie-Hauses, während Robert Kropf bereits sein E-Auto mit Strom auflädt, den die Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Hauses produziert hat.

Johannes Cleff hat sich tief hineingearbeitet in die Materie. Der gelernte Ingenieur verglich Wärmepumpen und Wohnraumlüftungen, machte sich mit den Anforderungen der Energieeinsparverordnung, kurz EnEV vertraut und entwarf eine nach seiner Ansicht dämmtechnisch optimierte Gebäudehülle. Die Unterlagen und Zeichnungen füllen inzwischen einen ganzen Ordner. Sein Haus soll eine sogenannte Stadtvilla mit zwei Vollgeschossen und einer Doppelgarage werden. Eigentlich ein ganz normales Eigenheim. Aber schon allein die Konstruktion und die Dämmung der Außenwände übersteigen herkömmliche Standards. Johannes Cleff kalkuliert mit einem Wärmdurchgangskoeffizienten von 0,1 Watt pro Quadratmeter und Kelvin und liegt damit weit unter dem Referenzwert der EnEV. Der Koeffizient beziffert die Wärmeleitfähigkeit einer Wand oder eines Fensters, je geringer er ist, desto weniger Energie geht verloren.

Johannes Cleff will sich ein Plus-Energie-Haus am Gartenmoorweg bauen. Dafür hat er sich tief ins Thema Energieeffizienz und -sparen eingearbeitet. Foto: Katja Niemeyer

Auf dem Dach seines Traumhauses, das einmal am Gartenmoorweg stehen soll, plant der Westerkappelner eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von zehn Kilowattpeak. Damit, so hofft er, könne er nicht nur den Eigenbedarf decken, sondern auch noch je nach Witterung Strom ins Netz einspeisen. „Mit der Anlage wird das Haus zu einem Plus-Energie-Haus“, erläutert er. Komplettiert wird die Gebäudetechnik durch eine kontrollierte Wohnraumlüftung.

Der 55-Jährige, der viele Jahre in der Automobilindustrie als Projekt-Ingenieur gearbeitet hat und nunmehr nach seinen eigenen Worten Privatier ist, sagt, dass sein Haus laut Wärmeschutznachweis pro Jahr und Quadratmeter 16 Kilowattstunden verbraucht und damit fast zehn weniger als ein KfW-40-Haus.

Johannes Cleff räumt ein, dass er selbst viel Zeit in die Planung gesteckt habe und er mithin ein „Sonderfall“ sei. Seine Motivation beschreibt er mit vier Schlagworten: Sein Haus soll ökologisch, ökonomisch, wartungsarm und zukunftssicher sein.

Auch Ulla und Robert Kropf haben sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Auf dem Dach ihres Hauses, in dem seit Kurzem auch ihre Tochter mit Familie wohnt, wurde im vergangenen Jahr eine zweite Photovoltaikanlage – sie hat eine Leistung von 7,8 Kilowattpeak – installiert, dazu ein Akku-Speicher. „In den Sommermonaten waren wir damit in puncto Strom weitestgehend energieautark“, berichtet der Rentner. Seit ein paar Monaten lädt er auch sein E-Auto mit dem Solarstrom vom Dach seines Hauses auf. An trüben Tagen mit vielen Wolken am Himmel reicht die Eigenproduktion nicht aus, räumt er ein. Mit einer App kann er auf seinem Handy genau verfolgen, wie viel Strom die Anlage erzeugt, wie viel im Speicher ist, wie viel verbraucht wird und wie viel aus dem Netz kommt. In diesen Tagen liegt die Eigenversorgungsquote zwischen zehn und 25 Prozent, im Frühjahr und im Sommer klettert sie allerdings auf über 90 Prozent.

Mit Hilfe einer App sieht Rentner Robert Kropf, wie viel Strom die Anlage erzeugt, wie viel im Speicher ist, wie viel verbraucht wird und wie viel aus dem Netz kommt. Foto: Katja Niemeyer

Die Kropfs sind zufrieden mit Anlage und Auto. Beides, davon sind sie überzeugt, sei eine Investition in die Zukunft. Die Suche nach einem Elektrofahrzeug und die Beantragung von staatlichen Zuschüssen hat das Paar allerdings reichlich Nerven gekostet. „Egal bei welchem Autohändler ich gefragt habe – stets wurde mir eine Lieferzeit von mindestens einem Jahr genannt“, erzählt der 60-Jährige. Nur durch Zufall – ein Kunde war kurzfristig von einem Kaufvertrag zurückgetreten – habe er dann doch noch ein Modell ergattern können.

Auf den staatlichen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro wartet der Westerkappelner aber noch immer. Nachdem er den Antrag beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gestellt hatte, habe er zunächst noch weitere Unterlagen einreichen müssen. Seither sind erneut rund zwei Monate verstrichen, in denen er auf den Genehmigungsbescheid wartet. Und auch der Förderbetrag für den Batteriespeicher der Photovoltaikanlage ist noch nicht auf dem Konto der Kropfs eingegangen.

Für die schleppende Bearbeitung macht der Rentner einen, wie er findet, überbordendenden Bürokratismus verantwortlich. „Wie hätten die Behörden die Anträge nur bearbeiten können“, fragt er sich, „wenn tatsächlich bis 2022 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen würden, wie von der Bundesregierung einmal anvisiert wurde?“


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