„Tee-Geschwister“ sind gefragt Westerkappelner Brüder verkaufen erfolgreich Bio-Tee übers Internet

Bio-Tee aus Westerkappeln: Unter der Marke „Tee-Geschwister“ verkaufen die Brüder Matthias und Marcel Wohn eigene Teemischungen im Internet.Foto: Christina HalbachBio-Tee aus Westerkappeln: Unter der Marke „Tee-Geschwister“ verkaufen die Brüder Matthias und Marcel Wohn eigene Teemischungen im Internet.Foto: Christina Halbach

Westerkappeln. Jeder zweite Bundesbürger achtet laut neuestem Ernährungsreport der Bundesregierung auf Bio-Siegel. Auch in Westerkappeln setzen Gewerbetreibende verstärkt auf Bioprodukte. Zwei Brüder vertreiben unter der Marke „Tee-Geschwister“ naturbelassenen Bio-Tee im Internet – frei von Aromastoffen und chemischen Düngemitteln.

„Warum brauchen wir Aroma, wenn wir echte Stoffe haben?“, fragt Marcel Wohn zwischen Kartonage, PC-Anlage und einem Regalaufsteller mit bunt etikettierten Teepackungen stehend. Mittlerweile neun Teesorten mit zeitgeistigen Namen wie Kräuterguru, Flaschengeist oder Schwesterherz verkaufen der 26-Jährige und sein vier Jahre älterer Bruder Matthias online an Teeliebhaber in ganz Deutschland

Anfang 2017 hat das Brüderpaar im Elternhaus seiner Mutter den Entschluss gefasst, aus der Leidenschaft für natürlichen Tee ein Geschäft zu machen. „Wir waren schon immer gesundheitsbewusste Menschen“, erzählt Marcel Wohn, „und haben uns deswegen immer mehr Wissen rund um gesunde Ernährung angeeignet.“

Natur statt Chemie

Klar sei ihnen dabei geworden, dass Geschmack durch Aroma- und Zusatzstoffe überwiegend künstlich erzeugt wird. Warum eigentlich, haben sich die Teeliebhaber gefragt, wenn es doch echte Stoffe gibt, und fingen an, ihren Tee selbst zu mischen: Zutaten wie Ingwer, Zitrone und Minze stammten aus dem Supermarkt, Aronja- oder Goijebeeren haben sie im Internet bestellt.

Getrunken haben die Mischungen schließlich nicht nur die Brüder, sondern auch Freunde und Familie: „Könnt ihr nicht noch mal was schicken?“, habe es immer wieder geheißen, erzählt Bruder Matthias: „Es wurde geschätzt, dass wir reine Natur hineinbringen.“

Der Weg zum Bio-Siegel

Nach einiger Recherche haben die Wohn-Brüder Lieferanten mit einem Teeplantagen-Netzwerk gefunden, mit dem sie ihre Vorstellungen von biologischem und zusatzfreien Tee umsetzen konnten: „Das sind kontrollierte Biofarmen, die beim Anbau keine chemischen Dünge- oder Pflanzenschutzmittel einsetzen“, erläutert Marcel Wohn die Herkunft der Zutaten, die die Tee-Geschwister berechtigt, das EU-Bio-Siegel zu führen.

Ein Kontrollsystem von Farmer über den Lieferanten bis zum Händler soll sicherstellen, dass Bio ist, wo Bio draufsteht: Bio-Zertifizierung nennt sich das Verfahren, das Händler durchlaufen müssen, um das begehrte Bio-Siegel zu bekommen.

Bei Farmern und Lieferanten wird durch Proben sichergestellt, dass Grenzwerte bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln nicht überschritten werden. Auch die Brüder müssen mindestens einmal im Jahr vor Ort nachweisen, dass etwa der Wareneingang zum -ausgang passt, Bio-Produkte und konventionelle Waren getrennt gelagert und die Teemischungen tatsächlich bei Bio-zertifizierten Händler gekauft werden, erklärt Matthias Wohn. Auch stichprobenartige Kontrollen sind möglich. Rund 500 Euro hat die Brüder die Zertifizierung ihres Tees gekostet.

Tee für jede Stimmung

Bis ein Tee-Rezept steht, ist es ein langer Prozess: „Wir überlegen uns zunächst, welche Zutaten passen könnten“, erläutert Matthias Wohn. Soll beispielsweise mit der Sorte „Schwesterherz“ ein lieblicher Tee für ein Plauderstündchen unter Frauen kreiert werden, böten sich weißer Tee, Apfel- und Erdbeerstückchen und Rosenblätter als Grundlage an. Im Austausch mit den Lieferanten werde die Mischung im weiteren Verlauf immer weiter perfektioniert: „Unter einem Monat waren wir noch nie, aber es ist auch nicht unser Ziel, jeden Monat eine neue Sorte auf den Markt zu werfen. Wir wollen es 100-prozentig haben. Das Konzept muss passen“

Das gelingt den Brüdern offenbar: „Wir haben uns viel schneller entwickelt, als wir gedacht haben.“ Von Kunden aus ganz Deutschland gehen mittlerweile Bestellungen ein, auch aus Österreich gab es bereits eine Anfrage. Die bereits vom Lieferanten fertig gemischten Teepackungen verschicken die Brüder entweder von Westerkappeln direkt oder über einen Internetversanddienst.

Beim Onlinehandel soll es nicht bleiben: Bereits in zwei Cafés in Osnabrück, dem Blumencafé und der Laterne, wird mittlerweile Tee aus dem Hause „Tee-Geschwister“ ausgeschenkt. Auch in Westerkappelner Läden soll der Tee bald erhältlich sein. Dazu befinden sich die Brüder derzeit in Gesprächen mit den Inhabern.


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