Tödliche Unfallgefahren im Gerätehaus Notruf von der Feuerwehr Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

Die Enge im Feuerwehrgerätehaus ist lange bekannt. Bei Einsätzen können nicht einmal zwei Fahrzeugtüren gleichzeitig geöffnet werden. Schlimmer noch: Experten haben darauf hingewiesen, dass selbst tödliche Unfälle in der Fahrzeughalle nicht ausgeschlossen werden können. Foto: Feuerwehr WesterkappelnDie Enge im Feuerwehrgerätehaus ist lange bekannt. Bei Einsätzen können nicht einmal zwei Fahrzeugtüren gleichzeitig geöffnet werden. Schlimmer noch: Experten haben darauf hingewiesen, dass selbst tödliche Unfälle in der Fahrzeughalle nicht ausgeschlossen werden können. Foto: Feuerwehr Westerkappeln

Westerkappeln. Schimmel an den Wänden, lebensgefährliche Zustände im Gerätehaus, die Kameradschaft bröckelt. Die Freiwillige Feuerwehr Westerkappeln ruft um Hilfe.

Die Unzufriedenheit in der Mannschaft ist jedenfalls groß, wie Gemeindebrandinspektor Ingo Bünemann bestätigt. Vor allem das schleppende Verfahren für den geplanten Neubau einer Feuerwache drückt auf die Stimmung. „Wir werden immer nur vertröstet“, klagt der Wehrführer.

Vor zwei Wochen ist ein Feuerwehrtrupp beim Gemeinderat vorstellig geworden, um sich im Rahmen der sogenannten Einwohnerfragestunde über den aktuellen Stand der Planung zu erkundigen. Dabei berichteten die Männer über unhaltbare Zustände. Jugendfeuerwehrwart Markus Schröer wies auf eine vor über zwei Jahren von externen Fachleuten angefertigte Gefährdungsbeurteilung für das Feuerwehrgerätehaus an der Bullerteichstraße hin. Das Ergebnis sei mangelhaft gewesen. „Was sollen wir den Partnerinnen und Partnern sagen, wenn dort tödliche Unfälle nicht ausgeschlossen werden können?“, fragt Schröer.

Bünemann und der Rest der Wehrführung haben nicht an der Ratssitzung teilgenommen. Der Auftritt der Kameraden sei aber abgesprochen gewesen. „Wir sind auch immer wieder im Rathaus vorstellig geworden. Es passiert aber nichts“, kritisiert der Gemeindebrandinspektor. Er nennt die Ergebnisse des Gutachtens, das von der Verwaltung unter Verschluss gehalten wird, „erschreckend“. So bestehe die reale Gefahr, dass bei Alarmeinsätzen, wenn alles schnell gehen muss, Kameraden in der engen Fahrzeughalle zwischen Löschfahrzeugen und den Wänden eingeklemmt werden und zu Tode kommen.

Um dieses Risiko ein bisschen zu minimieren, seien bereits Anfang der 2000er Jahre die Spinde in der Halle demontiert und in den Aufenthaltsraum verbracht worden. Da die Fahrzeuge aber immer größer geworden sind, habe dies auch nicht viel mehr Luft gebracht. „Das entspricht schlicht und einfach alles nicht mehr den heutigen Normen“, erklärt Bünemann.

In den Räumen der mittlerweile 22-köpfigen Jugendfeuerwehr schimmelt es gewaltig. Schon vor Monaten hatte die Wehr Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer in einer E-Mail darauf hingewiesen. Sie habe die Nachricht ans Bauamt weitergeleitet, erklärt die Verwaltungschefin. Der zuständige Mitarbeiter sei leider lange erkrankt gewesen. Jetzt, wo er wieder genesen ist, werde er die Beseitigung des Schimmels auf ihre Anweisung hin unverzüglich in Auftrag geben, berichtet die Bürgermeisterin.

Die Unfallgefahren im Gerätehaus sind damit aber nicht behoben. Die Kameradschaft breche zusammen, berichtet ein Feuerwehrmann. Die Beteiligung an den Dienstabenden werde immer schlechter. Gemeindebrandinspektor Bünemann kann das nachvollziehen. „Es macht einfach keinen Spaß, zwei- oder dreimal im Jahr Sicherheitsbelehrungen über sich ergehen lassen zu müssen.“ Dazu sei er jedoch angesichts der Gefährdungsbeurteilung angehalten.

Die Kameraden mache erst recht „stinkig“, dass die Gemeinde im Schulzentrum und für die Sportplätze sehr viel Geld ausgebe, die Planung für die neue Feuerwache aber stocke. „Das andere ist sicher alles sinnvoll und notwendig. Dort besteht aber keine Gefahr, dass Menschen ums Leben kommen“, erklärt Bünemann.

Bürgermeisterin Große-Heitmeyer kann den Unmut der Feuerwehrleute verstehen und versucht die Frauen und Männer bei Laune zu halten. Am Montagabend war sie nach eigenen Angaben beim Dienstabend, um über den Planungsstand (siehe Infokasten) für das neue Gerätehaus zu informieren. „Das ist eine Pflichtaufgabe der Kommune und die werden wir erfüllen“, versichert die Verwaltungschefin.

Die Frage ist, wann das geschieht. Die Bürgermeisterin will keine Aussage dazu treffen, ob der erste Spatenstich noch im kommenden Jahr zu erwarten ist. Wehrführer Ingo Bünemann glaubt jedenfalls nicht mehr daran, dass die Westerkappelner Feuerwehr zum 125. Jubiläum im Jahr 2021 an die Mettinger Straße umziehen kann. – Die Feuerwehrleute müssen offenbar noch ein paar Jahre mit dem Risiko tödlicher Unfälle an der Bullerteichstraße leben...


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