Praxis Dialog mit Vortrag über Frühförderung Aus Westerkappeln nicht wegzudenken

Von Araann Christoph

Nach seinem Vortrag kamen alle Mitarbeiter der Praxis auf die Bühne, um Karl-Heinz Homburg (links) für sein langjähriges Engagement zu danken. Foto: Araann ChristophNach seinem Vortrag kamen alle Mitarbeiter der Praxis auf die Bühne, um Karl-Heinz Homburg (links) für sein langjähriges Engagement zu danken. Foto: Araann Christoph

Westerkappeln. "Ich habe es so gut gemacht, wie ich konnte, und scheinbar war das richtig“, resümierte Karl-Heinz (Kalle) Homburg, der vor zwei Jahrzehnten die Praxis Dialog in Westerkappeln ins Leben gerufen hatte.

Bei der Feier zum 20-jährigen Jubiläum am Samstag in der Aula der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln führte er die zahlreichen Gäste durch die Chronologie der Praxis, die heilpädagogische und interdisziplinäre Frühförderung, Ergotherapie, Logopädie, Motopädie, Psychotherapie und Lerntherapie unter einem Dach vereint. Dabei stellte er heraus, wie er dem Bedarf in der Gemeinde gefolgt war und wie sich die verschiedenen Behandlungsformen an die Klienten angepasst hätten.

In seinem Vortrag „Frühförderung im Wandel der Zeit“ betonte Professor Dr. Armin Sohns, Professor für Heilpädagogik an der Hochschule Nordhausen, wie wichtig es sei, die Frühförderung oder Entwicklungsrehabilitation, wie es medizinisch ausgedrückt heißt, an die Wirklichkeit der Kinder und Familien anzupassen. Dazu gehöre auch, dass die vier Teilsysteme der Frühförderung – niedergelassene Ärzte und Therapeuten, allgemeine sinnesspezifische Frühförderstellen, sozialpädagogische Zentren und Kindertagesstätten – besser vernetzt werden sollten. Er beklagte, dass zahlreiche Kinder erst im Vorschulalter zur Frühförderung gebracht würden, was oft zu spät sei. Schon Familien mit kleinsten Kindern sollten unterstützt werden.

Ferner empfahl er eine Veränderung des fachlichen Blickwinkels. So sollte der Fokus auf einem präventiven statt kurativen Ansatz bei der Frühförderung liegen. Die Einrichtungen sollten nicht an den „Problemen der Kinder verdienen, sondern an den Lösungen“.

Dabei sei auch die Qualität der Förderansätze wichtig; Sie sollten modern sein und sich an die Bedürfnisse und die Lebenswelt der Patienten anpassen. So wie es Homburg seit Anbeginn der Praxis Dialog gelebt habe.

Was dieser und seine Mitarbeiter in den vergangenen zwei Dekaden aufgebaut haben, sei „für alle Menschen ein Gewinn und aus der Gemeinde nicht wegzudenken,“ sagte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer.

Auch Werner Schröer, ehemaliger Vorsitzender des Westerkappelner Turn- und Handballclubs (THC) und langjähriger Kooperationspartner der Praxis Dialog, lobte Homburgs Engagement, im Jahr 1994 die Abteilung „Behindertensport“ ins Leben zu rufen. „Das machen wir heute nach 25 Jahren noch, und das ist auch gut so,“ sagte er.

Sich an die Wirklichkeit der Patienten anzupassen, dieser Grundsatz zieht sich durch die Praxisgeschichte. So wurde 2014 eine Zweigstelle in Lotte eröffnet, um den Bedarf in der Nachbargemeinde zu decken. Denn, so erinnerte sich Homburg, war auch damals die Anbindung von Lotte bis Westerkappeln so problematisch, dass eine Mutter zweimal die Woche mit drei Kindern auf dem Fahrrad bis Westerkappeln geradelt sei.

Nach Homburgs Angaben werden zurzeit 430 Patienten wöchentlich in der Praxis Dialog betreut. Tendenz steigend. Das Klientel komme nicht nur aus Westerkappeln und Umgebung. Auch aus Hopsten, Lingen oder Lengerich kämen Familien nach Westerkappeln.

Das Altersspektrum der Klientel in der Praxis ist breit. Das zeigte sich auch beim bunten Nachmittag in den Praxisräumen. Dabei konnten sich die Besucher die zahlreichen Räumlichkeiten ansehen. Es gab viele Aktionen zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern, wie etwa Musikinstrumente bauen mit der Musikschule Forum Musaik, einen Informationsstand des Gut Andersleben oder Seifenknete basteln mit Vertretern der Awo Lotte.


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