Europäische Union und das Land NRW fördern Projekte Viel Geld für den Klimaschutz in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

Der vorhandene Pritschenwagen des Bauhofes soll durch ein E-Fahrzeug ersetzt werden. Problem: Solche Fahrzeuge werden auf dem europäischen Markt gar nicht angeboten, berichten Bauhofleiter Karsten Grabow (rechts), Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und der Umweltbeauftragte Friedhelm Wilbrand. Einen Beitrag zum Klimaschutz leistet die Gemeinde übrigens auch mit der Erneuerung des Daches fürs Bauhofgebäude, das im Zuge der Sanierung gedämmt wird. Die Kosten in Höhe von rund 30 000 Euro werden mit bis zu 90 Prozent mit Mitteln aus dem kommunalen Investitionsfördergesetz des Landes bezuschusst. Foto: Frank KlausmeyerDer vorhandene Pritschenwagen des Bauhofes soll durch ein E-Fahrzeug ersetzt werden. Problem: Solche Fahrzeuge werden auf dem europäischen Markt gar nicht angeboten, berichten Bauhofleiter Karsten Grabow (rechts), Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer und der Umweltbeauftragte Friedhelm Wilbrand. Einen Beitrag zum Klimaschutz leistet die Gemeinde übrigens auch mit der Erneuerung des Daches fürs Bauhofgebäude, das im Zuge der Sanierung gedämmt wird. Die Kosten in Höhe von rund 30 000 Euro werden mit bis zu 90 Prozent mit Mitteln aus dem kommunalen Investitionsfördergesetz des Landes bezuschusst. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Die Gemeinde Westerkappeln will in diesem und im nächsten Jahr über eine halbe Million Euro für klimafreundliche Projekte investieren. Getreu dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ stellt die Verwaltung gleich klar, von wem der Großteil des Geldes kommt: Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen fördern die Vorhaben mit 80 Prozent.

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer freut sich über den Zuwendungsbescheid des Landes, das damit auch EFRE-Mittel nach Westerkappeln weiterleitet. Das Kürzel steht für Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) 2014 - 2020 „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“. In Zusammenarbeit mit dem Kreis Steinfurt und in Absprache mit der Bezirksregierung in Münster haben Westerkappeln und andere Städte und Gemeinden eine „Investitionsoffensive für mehr Klimaschutz in kommunalen Liegenschaften und Fuhrparks“ gestartet. Ob das Paket – so wie bereits bewilligt – eins zu eins umgesetzt wird, ist jedoch noch fraglich. 

Wohl kein Zweifel besteht an der Installation von LED-Beleuchtungen im Rathaus und der Grundschule am Bullerdiek – dort im Alt- und im Neubau. Knapp 90.000 Euro sollen dafür investiert werden, es gibt 80 Prozent Zuschüsse.

Das gilt auch für den Anschluss des Westerkappelner Freibades an das Nahwärmenetz im Schulzentrum. Nachgedacht wird darüber im Rathaus schon länger. Technisch dürfte das auch kein Problem sein. Aber: „Wir prüfen noch, ob es einen steuerlichen Querverweis auf die Stadtwerke Tecklenburger Land geben kann“, erläutert die Bürgermeisterin. Will sagen: Möglicherweise soll das Schwimmbad künftig in Regie der Stadtwerke laufen. Für andere Bäder im Versorgungsgebiet gibt es ähnliche Überlegungen, um dem kommunalen Energieversorger ein weiteres Standbein zu verschaffen.

Das Ganze müsse natürlich auf Dauer wirtschaftlich sein, gibt die Verwaltungschefin zu bedenken. Und im Falle einer Übernahme des Freibades am Bullerteich könnte dieses trotzdem ans Nahwärmenetz angeschlossen werden. Allerdings hätte sich der aktuelle Förderbescheid dann vermutlich erledigt. Die Gesamtkosten werden laut Antrag mit 202.000 Euro angesetzt.

Noch einmal 30 000 Euro mehr würde die Umsetzung der Pläne für den Bauhof kosten, die unter dem Projekttitel „Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks der Gemeinde Westerkappeln“ laufen. Aber auch dahinter stehen (noch) ein paar Fragezeichen. Zum einen soll der in die Jahre gekommene Kleinschlepper am Schulzentrum ersetzt werden. „Eine große Schubkarre mit Kabine und Heizung“, nennt Große-Heitmeyer das Fahrzeug. „Wir verhandeln zurzeit mit einigen Firmen“, berichtet Grabow. Problem: Angesichts der gewünschten Ausstattung mit Kippfunktion und Winterdienstanbauten lichte sich das Feld der Hersteller, die solche Elektrofahrzeuge bauen, erläutert der Bauhofleiter.

Für den geplanten Kauf eines neuen 5,5 Tonnen-Pritschenwagens gebe es derzeit gar keinen Hersteller, hat Grabow in Erfahrung gebracht. „Bei solchen Nutzfahrzeugen gibt es auf dem europäischen Markt kaum Angebote an E-Fahrzeugen“, bestätigt Friedhelm Wilbrand, Umweltbeauftragter im Rathaus. In Asien sehe das anders aus. Aber Westerkappeln liegt eben nicht in Asien. Sollte sich kein elektrifizierter Pritschenwagen auftun, gäbe es vielleicht die Möglichkeit, einen neuen Kleinlaster auf Gasbetrieb umzurüsten, sagt Wilbrand. Auch das sei förderfähig. In dem Fall könnte sich der Bauhof allerdings die Errichtung einer Wallbox als E-Zapfsäule sparen, weil dann nicht erforderlich.

Das Land wolle in den kommenden drei Jahren unter Einsatz der EFRE-Mittel zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO²) sparen, erläutert Grabow. Die beiden E-Fahrzeuge für den Bauhof könnten gegenüber den jetzigen Dieselmotoren eine Ersparnis von zwölf Tonnen im Jahr bringen. Insgesamt hofft die Gemeinde durch die bewilligten Maßnahmen 80 Tonnen CO² weniger auszustoßen. „Das ist natürlich ein Schätzwert“, räumt Karsten Grabow ein.

Beim neuen Dienstagwagen fürs Rathaus – ein geleaster Audi Q 2 – setzt die Gemeinde allerdings noch auf den Diesel. Dieser habe eine größere Reichweite als ein E-Fahrzeug, begründet Große-Heitmeyer die Anschaffung. „Wir haben schon darüber nachgedacht, beim nächsten Fahrzeug einen Hybrid zu nehmen.“

Dank der Unterstützung von Europäischer Union und Land kann die Gemeinde sicher den CO²-Ausstoß reduzieren. Dafür musste sie allerdings mit viel Papier in Vorleistung treten, wie Wilbrand mit Hinweis auf das komplizierte Antragsverfahren berichtet: „Die Unterlagen dafür sind einige Hundert Seiten dick.“ Ohne Hilfe des Kreises wäre die Verwaltung gar nicht durch die „Nebelwand“ der Bestimmungen gekommen.


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