Nisthilfe zeigt Erfolg Steinkauz brütet wieder häufiger – aber nicht in Westerkappeln

Von Dietlind Ellerich

Ausgeflogen! Die Röhre ist leer. Friedhelm Scheel, Leiter der AG Naturschutzjugend der ANTL, sein Enkel Leon und AG-Mitglied Greta Herschlein haben das Steinkauzpaar knapp verpasst. Foto: Dietlind EllerichAusgeflogen! Die Röhre ist leer. Friedhelm Scheel, Leiter der AG Naturschutzjugend der ANTL, sein Enkel Leon und AG-Mitglied Greta Herschlein haben das Steinkauzpaar knapp verpasst. Foto: Dietlind Ellerich

Westerkappeln. Als Leon in die Röhre schaut und diese leer vorfindet, ist er kaum überrascht, hatte er doch gemeinsam mit seinem Großvater Friedhelm Scheel, Leiter der AG Naturschutzjugend der ANTL, und AG-Mitglied Greta Herschlein, bei der Ankunft auf der Streuobstwiese ausfliegende Steinkäuze beobachten können.

„Das war das Elternpaar, und die flügge werdenden Jungtiere sind auch unterwegs“, erklärt Scheel. Kein Wunder also, dass die Röhre am Apfelbaum leer ist.

Heike und Friedrich Ebke, Besitzer der Streuobstwiese an der Wilhelmshöhe kurz vor dem Kreisverkehr, lobt Scheel in den höchsten Tönen. „Das ist vorbildlich“, macht er mit Blick auf das „strukturreiche Gelände“ deutlich. „Die Kurzrasigkeit, die Beweidung durch Haustiere, die Obststämme und die alten Gehölze bieten einen idealen Lebensraum für die in ihrem Bestand bedrohten Vögel“, stellt der Fachmann klar, wie wichtig Areale dieser Art sind.

Die Streuobstwiese mit ihrem kurzrasigen Boden, ihren Bäumen und Gehölzen und der Beweidung durch Haustiere ist ideal für die Aufzucht des Steinkauzes. Foto: Dietlind Ellerich

Was der siebenjährige Leon mit Hilfe von Opas Räuberleiter und einer Taschenlampe auf Ebkes Wiese auskundschaftet hat, haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der AG Naturschutzjugend im Frühsommer im Tecklenburger und im Osnabrücker Land erforscht und waren hoch erfreut, als sie in insgesamt 445 Nisthilfen 175 brütende Steinkauzpaare vorhanden. „Im Jahr zuvor waren es nur 151“, zeigen sich Scheel und Greta Herschlein mit dem Ergebnis zufrieden.

In NRW weniger Steinkäuze

Leider gibt es auch einen Wermutstropfen, denn während der Bestand im Bereich Niedersachsen stetig steige, nehme er in Nordrhein-Westfalen ab. Die Zahlen sprechen Bände. Während sich die Zahl der Brutpaare im Osnabrücker Land in den vergangenen sechs Jahren von 54 auf 100 fast verdoppelt habe, ist sie im Tecklenburger Land im gleichen Zeitraum gesunken. In Westerkappeln sieht es schlecht aus. „Nur noch 43 Brutpaare waren es in 2019, nach immerhin 73 vor drei Jahren“, bedauert Scheel.

Das liege wohl zum einen an der wachsenden Population des Uhu, glaubt er. „Der frisst alles, was klein ist, da hat der Steinkauz keine Chance“, stellt er fest. Ihm ist aber auch bewusst, dass es immer weniger Streuobstwiesen mit ihren idealen Bedingungen für die Aufzucht gebe.

Der Leiter der AG Naturschutzjugend wünscht sich eine Abkehr von der Umwandlung weiterer Grünlandparzellen in Ackerland. „Die wenigen kleinbäuerlichen Betriebe werden in der Regel in letzter Generation geführt. Was danach kommt, verspricht nichts Gutes“, ist er überzeugt, dass der eingeschlagene Weg falsch ist. Kommunen, Umweltamt, Landwirte, Jäger und Naturschützer müssten sich an einen Tisch setzen und persönliche Befindlichkeiten außen vor lassen, fordert er eindringlich, für die Zukunft von Steinkauz und Co. gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Wenn der Steinkauz selber nicht „zu Hause“ ist, beweist das „Gewölle“ (das sind die heraus gewürgten, für den Steinkauz unverdaulichen Haare oder Federn seiner Beute), dass er vor nicht allzu langer Zeit noch da war. Foto: Dietlind Ellerich

Heike und Friedrich Ebke setzen sich weiter aktiv für den Steinkauz ein und nutzen für den Erhalt ihrer Streuobstwiese und damit des „Habitats“ der Steinkauzes Förderprogramme. In Kooperation mit der Unteren Landschaftsbehörde würden im Herbst sieben Hochstämme gepflanzt, kündigt das Paar an. Friedhelm Scheel sieht das Engagement gerne, gerät immer wieder ins Schwärmen ob dieser idealen Lebensbedingungen.

Der Steinkauz scheint sich tatsächlich wohlzufühlen auf dem Areal. Er beobachtet seine Röhre aus sicherer Entfernung von einem toten Gehölz aus, schwingt sich dann auf und lässt sich auf einem näher gelegenen Nadelbaum nieder. Scheel, Greta, Leon und das Ehepaar Ebke ziehen sich zurück, machen dem Steinkauz den Weg zur Röhre frei.

Für das ehemalige Brutpaar und seine Jungvögel ist an der Wilhelmshöhe die Welt noch in Ordnung. Die AG Naturschutzjugend der ANTL möchte sich mit ihrem Einsatz, mit der regelmäßigen Zählung, aber auch mit der Wartung und Reparatur der Röhren, dafür stark machen, dass diese Welt erhalten bleibt. Auch in Westerkappeln.


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