Gemeinde will Gewerbeflächen Kohlekonversion: Was fällt für Westerkappeln ab?

Von Frank Klausmeyer

Die Entwicklung der ehemaligen Schachtanlage von Oeynhausen (Bild) und des Nordschachtes in Mettingen sollen vorangetrieben werden. In Westerkappeln wird immer wieder die Frage gestellt, ob und was konkret bei der Kohlekonversion für die Gemeinde an Gewerbeflächen abfällt. Foto: André ElshoffDie Entwicklung der ehemaligen Schachtanlage von Oeynhausen (Bild) und des Nordschachtes in Mettingen sollen vorangetrieben werden. In Westerkappeln wird immer wieder die Frage gestellt, ob und was konkret bei der Kohlekonversion für die Gemeinde an Gewerbeflächen abfällt. Foto: André Elshoff

Westerkappeln. Über die Kohlekonversion im Revier Ibbenbüren ist schon sehr viel gesprochen und dazu noch mehr Papier produziert worden. Jetzt sollen weitere Konzepte erarbeitet werden. Die Gemeinde Westerkappeln sitzt finanziell mit im Boot. Dabei taucht erneut die Frage auf, ob und was der Prozess der Gemeinde bringt.

Dieses Mal geht es um die Umsetzung des Projektes „Regio.NRW – Wirtschaftsflächen“. Die Kohleregion Ibbenbüren, zu der auch Westerkappeln gehört, möchte die Entwicklung der ehemaligen Schachtanlage von Oeynhausen und Am Nordschacht weiter vorantreiben und die Ergebnisse aus einer Potenzialanalyse weiter vertiefen. Ziel sei es, die Flächen der Zeche für eine zukünftige Folgenutzung zu aktivieren, schreibt die Gemeindeverwaltung. Für den Zeitraum von 2020 bis 2022 sei daher im Rahmen des sogenannten „Regio.Calls Wirtschaftsflächen“ ein Förderantrag bei der Bezirksregierung Münster eingereicht worden. 

Die Gesamtkosten werden von der in Ibbenbüren angesiedelten Schnittstelle Kohlekonversion auf gut 1,3 Millionen Euro veranschlagt. 60 Prozent der Summe sollen als Landeszuschüsse fließen. Den Rest wollen die sechs Kohlekommunen und der Kreis Steinfurt beisteuern, wobei Westerkappeln mit 37.740 Euro – verteilt auf drei Jahre – beteiligt wäre.

Mit dem Geld sollen unter anderem die Gebäudesubstanz der Schachtanlagen untersucht sowie Konzepte für ein Bodenmanagement und die verkehrliche Erschließung finanziert als auch eine Machbarkeitsstudie für ein Gründer- und Innovationszentrum unter dem Arbeitstitel „Tor West“ in Auftrag gegeben werden.

Nicht nur ein indirektes Stück vom Kuchen

Von einer Folgenutzung der Zechengelände in Ibbenbüren und Mettingen könnte Westerkappeln aber allenfalls indirekt profitieren, und zwar insofern, dass neue Arbeitsplätze dort natürlich allen Bewerbern offen stehen. Ein Baustein des Projektes „Regio.NRW – Wirtschaftsflächen“ soll jedoch die Entwicklung einer interkommunale Gewerbeflächenstrategie für die Kohleregion sein. „Für uns ist das ein wesentlicher Punkt, auch in Westerkappeln zusätzliche Gewerbeflächen zu erschließen“, sagte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer vergangene Woche im Haupt- und Finanzausschuss, der sich mit dem Thema beschäftigte.

Seit Jahren geistern 75 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen für die sechs Kohlekommunen durch die Debatten, ohne dass klar ist, wer was bekommt. Große-Heitmeyer hält es für „zwingend erforderlich“, dass jede Kommune berücksichtigt wird. Ein regionales Konzept sei dafür unerlässlich.

Dass etwas passieren muss, steht für Dieter Mittelberg (SPD) außer Frage – „ob mit oder ohne Konzept“. Die Gemeinde Westerkappeln sei hinsichtlich der Gewerbe- und Industrieflächen seit fünf Jahren „blank“. Angesichts der gesamten Projektkosten sei der Westerkappelner Anteil klein.

Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) ärgert sich, dass in allen Vorlagen, die er zur Kohlekonversion und zu Gewerbeflächen gelesen habe, immer nur von Ibbenbüren und Mettingen die Rede sei. „Von Westerkappeln war nie etwas zu hören.“ Er hoffe, dass die Gemeinde nicht leer ausgeht.

Angst, zu kurz zu kommen

Mit der Beteiligung an dem Projekt sei die Gemeinde nicht aus der Pflicht, selbst neue Gewerbeflächen zu entwickeln, meinte Michael Puke (SPD). Dazu stellt er die Frage, wie weit denn die Bemühungen für eine eigene Potenzialanalyse gediehen seien. 20.000 Euro hatte der Rat dafür im laufenden Haushalt bewilligt. Die Verwaltung lege die Hände dahingehend nicht in den Schoß, versichert Große-Heitmeyer. Man wolle aber noch mit der Bezirksregierung klären, ob die Potenzialanalyse im Rahmen des Regio.NRW-Projektes realisiert werden könne.

„Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft und daraus erwachsen Ansprüche“, sagt Wolfgang Jonas (CDU) zur Kohlekonversion. Irgendwann müssten die Ansprüche aber auch verwirklicht werden. In diesem Zusammenhang lenkt der CDU-Fraktionsvorsitzende den Blick auf den Morgensternschacht. Der liege schließlich auf Westerkappelner Gebiet. „Auch dort sehe ich Entwicklungspotenzial.“


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