Modisch, gut und günstig „Bunter Knopf“: Mehr Secondhand-Boutique als Kleiderkammer

Von Frank Klausmeyer

Der „Bunte Knopf“ wird von 28 Frauen ehrenamtlich betreut: Karien Wienkämper, Heidrun Pentke, Sabrina Wolfram und Christa Middendorf (von rechts) sind vier von ihnen.Foto: Frank KlausmeyerDer „Bunte Knopf“ wird von 28 Frauen ehrenamtlich betreut: Karien Wienkämper, Heidrun Pentke, Sabrina Wolfram und Christa Middendorf (von rechts) sind vier von ihnen.Foto: Frank Klausmeyer

WESTERKAPPELN. Manch ein Laden in Westerkappeln würde sich über so eine Besucherfrequenz wahrscheinlich freuen. Auch heute Morgen stöbern wieder zahlreiche Kunden in den Regalen und schieben auf der Suche nach einem schönen Outfit die Bügel auf den Kleiderständern von links nach rechts. Dieser großen Nachfrage folgend hat der „Bunte Knopf“ seit einiger Zeit einen zusätzlichen Öffnungstag eingerichtet.

Fündig scheint hier jeder zu werden. Denn das Angebot ist groß und die Preise sind unschlagbar günstig. Wo sonst gibt es eine Markenjeans für 1,50 oder eine schicke Bluse für nur einen Euro. Dabei lockt der „Bunte Knopf“ nicht nur Leute an, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen.

„Viele Kunden sind einfach nur umweltbewusst. Man muss ja nicht immer alles neu kaufen“, sagt Karin Wienkämper. Im März vergangenen Jahres feierte das Geschäft sein 20-jähriges Bestehen. Es passt zum Selbstverständnis des Teams, dass dieses Jubiläum gar nicht gefeiert wurde. Die derzeit 28 Frauen, die sich den Dienst ehrenamtlich teilen, arbeiten lieber still und leise. Nur einmal stand die Damenriege ein wenig im Rampenlicht. Das war 2013, als die örtliche SPD den Frauen gemeinsam den Erich-Schröer-Bürgerpreis verlieh.

„Die Dankbarkeit der Menschen – das tut gut“, sagte Ingeborg Marcus vor ein paar Jahren mal. Die Mitbegründerin der Kleiderstube trägt als Vorsitzende immer noch Verantwortung. Auch Karin Wienkämper, ihre Stellvertreterin im Vorstand, ist von Anfang an dabei. Vorstand ist aber eigentlich das falsche Wort. „Eigentlich sind wir ein Team von Ansprechpartnern“, betont die Westerkappelnerin. Dazu gehören noch Heidrun Pentke, Magdalene Kerl und Helga Lang.

Kleiderkammer, wie der „Bunte Knopf“ oft genannt wird, klingt ebenso unpassend. Secondhand-Boutique trifft es eher. Denn schließlich wird hier nicht mit Altkleidern gehandelt, sondern mit gut erhaltenen gebrauchten Textilien. „Wir haben auch viele Marken“, berichtet Karin Wienkämper. „Wenn wir mit diesen tollen Sachen in Köln wären, würden wir überrannt.“ Einkaufen kann hier jeder. Es gibt keine Bedürftigkeitsprüfung.

Gerade läuft so eine Art Saisonschlussverkauf. Dicke Winterjacken, die sonst 3,50 bis 7 Euro kosten, gehen für die Hälfte raus.

All die Hosen, Hemden, Pullover, Jacken und auch Schuhe sind Spenden von Leuten, die ihre Kleiderschränke aufgeräumt haben. Die Damenabteilung ist dabei deutlich üppiger bestückt als die für die Herren. Männermode ist zum einen oft zeitloser und zum anderen „sind die Sachen oft uppe, wenn sich Männer davon trennen“, berichtet Wienkämper schmunzelnd.

Früher gab´s im „Bunten Knopf noch Geschirr und andere Haushaltswaren zu kaufen. Weil dafür der Platz fehlt, habe man sich von diesem Sortiment getrennt, erzählt die 56-Jährige. „Das nehmen wir höchstens noch an, wenn es sich um ein ganzes Porzellan-Service oder Besteck handelt.“ Kinderkleidung gehört zu den Bestsellern im „Bunten Knopf“, das Angebot an Kinderbüchern und Spielzeug ist dagegen bescheiden, weil dafür ebenfalls der Platz fehlt.

Dabei ist er „Bunte Knopf“ an der Hanfriedenstraße 17 mittlerweile komfortabel aufgestellt. Bis 2011 war der Shop im Keller des VHS-Hauses untergebracht. Der war nicht nur deutlich kleiner, sondern hatte wirklich nur den Charme einer Kleiderkammer.

Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde, die Arbeiterwohlfahrt und das Deutsche Rote Kreuz hatten die Einrichtung 1998 gemeinsam aus der Taufe gehoben. Heute ist das DRK alleiniger Träger.

„Die Leute kommen schon überwiegend aus Westerkappeln“, erzählt Wienkämper über die Kundschaft. Aber auch aus Wersen und Mettingen seien Leute dabei. Ähnlich verhalte es sich mit den Spendern, darunter genauso gut betuchte Bürger wie Senioren mit schmaler Rente, die Gutes tun wollen. „Ohne sie würde der Laden gar nicht laufen. Deshalb gebührt den Spendern ein dickes Dankeschön“, erklärt Karin Wienkämper. Einige Jahre habe der „Bunte Knopf“ einen Sponsor gehabt, der einen Zuschuss zur Miete zahlte. „Wenn wir wieder so eine Unterstützung bekämen, würden wie uns natürlich freuen.“

Für den Verkauf gelten – bis auf Rabattaktionen – Festpreise. Alle Einnahmen verwaltet das Team der Ehrenamtlichen selbst. Davon werden Miete und Nebenkosten bezahlt. „Weil es so gut läuft, bleibt auch immer etwas über“, sagt die stellvertretende Vorsitzende. Dieser Erlös wird dann gespendet – an Fördervereine, Jugendeinrichtungen oder für soziale Zwecke. „Wir sind auch immer dankbar für Hinweise auf Leute, die in finanziellen Nöten stecken“, erklärt sie. Dass die Spenden stets im Stillen überreicht werden, muss hier eigentlich gar nicht erwähnt werden.

Hin und wieder, so erzählt Karin Wienkämper, gebe es echte Ladenhüter. Die gingen dann an die Altkleidersammlung des DRK, landen damit aber in der Verwertung und nicht im Müll.

Obwohl sich das Team an der Hanfriedenstraße 17 recht wohl fühlt, über einen Umzug in den Ortskern habe sie schon mal leise nachgedacht, verrät Wienkämper. Dort seien die Mieten aber wohl zu hoch.

Für eine Belebung des Ortskerns wäre das jedoch mit Sicherheit eine Bereicherung...

Der „Bunte Knopf“ (Hanfrieden­straße 17) ist immer dienstags, mittwochs und donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr geöffnet.


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