Vor 50 Jahren Als der Kanal sich bei Westerkappeln breit machte ...

Von Katja Niemeyer

Meine Nachrichten

Um das Thema Westerkappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Weil die Binnenschiffe größer wurden, musste der Kanal verbreitert werden. Auf Westerkappelner Gebiet liefen die Arbeiten zwischen 1966 und 1968. Foto: Katja NiemeyerWeil die Binnenschiffe größer wurden, musste der Kanal verbreitert werden. Auf Westerkappelner Gebiet liefen die Arbeiten zwischen 1966 und 1968. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln Ziemlich genau 50 Jahre ist es her, dass auf Westerkappelner Gebiet der Ausbau des Mittellandkanals abgeschlossen wurde. Mit der Verbreiterung und Vertiefung wurde der für die Wirtschaft so wichtige Verkehrsweg der Binnenschifffahrt fit gemacht für die Zukunft.

So mancher Westerkappelner dürfte sich noch daran erinnern, wie in den Jahren von 1966 bis 1968 entlang der Wasserstraße fast unaufhörlich die Motoren der Bagger dröhnten. Die Landschaft, hieß es in einem Bericht in dieser Zeitung vom 8. Januar 1966, „verändert Woche für Woche ihr Gesicht“. Gut ein Jahr später, am 10. Februar 1967, war in einem weiteren Artikel von einer „mit Geschmack angelegten Uferpromenade“ die Rede.

Die Europaschiffe kommen

In absehbarer Zeit, so mutmaßte der Autor damals, würden sich in dem Bereich des Kanals wohl Industrieunternehmen niederlassen. Tatsächlich war der Ausbau notwendig geworden, weil die Binnenschiffe größer wurden. Neuester Renner waren damals die sogenannten Europaschiffe, die mit 1350 Tonnen mehr als doppelt so viel laden konnten wie ihr Vorgängermodell, wie Henning Buchholz vom Wasser- und Schifffahrtsamt Minden auf Anfrage erläutert. „Mit den Schiffen wurde mehr Ware mit weniger Personal transportiert“, ergänzt der Amtsleiter, „das war wirtschaftlicher.“

Auf Westerkappelner Gebiet verläuft der Kanal laut Buchholz auf einer Länge von insgesamt sechs Kilometern. Allein in diesem Abschnitt, so rechnete er aus, seien im Zuge der Verbreiterung und Vertiefung rund 500000 Kubikmeter Erde ausgehoben worden. Nach Fertigstellung war der Kanal um 26 auf 55 Meter verbreitert und um rund einen halben Meter auf vier Meter vertieft worden.

Noch während des Ausbaus wurden die Schiffe aber noch weiter entwickelt. Die sogenannten Großmotorgüterschiffe, die schon bald darauf auf der Wasserstraße unterwegs waren, können 2300 Tonnen Ware laden.

Im gleichbleibenden Rhythmus

Parallel zu den Ausbauarbeiten wurden in Westerkappeln auch drei Brücken erneuert: die Schackselbrücke in Seeste, eine weitere in Westerbeck sowie die Brücke nicht weit entfernt vom Flugplatz in Achmer.

In den alten Zeitungsberichten wird immer wieder beschrieben, wie die Arbeit trotz Frosts und Schnees stetig und in einem „gleichbleibenden Rhythmus“ (Bericht vom 8. Januar 1966) voranschritt. Wie die Arbeiter nicht nur tagsüber, sondern auch nachts schufteten. Und wie schließlich am Ufer Bäume gepflanzt wurden.

Der Startschuss für den Bau eines Schifffahrtskanals zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal bei Bergeshövede und Hannover war übrigens am 1. April 1905 gefallen. Dem Beschluss vorausgegangen war eine jahrzehntelange Diskussion über die Notwendigkeit einer solchen Wasserstraße.

Zehn Jahre später, am 16. Februar 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, wurde der Streckenabschnitt zwischen Hörstel und Westerkappeln still und unbemerkt eröffnet. Ursprünglich war geplant gewesen, dass Kaiser Wilhelm II. dieses erste Teilstück persönlich freigibt, ebenso wie die erste Brücke über die damals noch Ems-Weser-Kanal genannte Wasserstraße.

Millionenbrücke

Diese sollte den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke tragen. Da hatten die Bürger ihr aber längst einen anderen Namen gegeben: „Millionenbrücke“ nannten sie das Bauwerk, weil es den damals fast unvorstellbaren Betrag von einer Million Reichsmark gekostet haben soll.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN