Schön, stark und gut in Form Westerkappelner Hermann Holtgräwe feiert den 30. Geburtstag seiner Honda

Von Katja Niemeyer

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Westerkappeln. Wer erinnert sich nicht an den Mann, der eines guten Tages zu einer Weltreise aufbrach, ohne zuvor seine Lebensgefährtin und seine Familie in den Plan eingeweiht zu haben? Diese hatten erst durch einen Bericht in dieser Zeitung von der Reise erfahren. Da saß der Westerkappelner aber schon längst im Flieger nach Abu Dhabi. Fast genau fünf Jahre ist das jetzt her.

Nach 105 Tagen war das Abenteuer dann zu Ende. Hermann Holtgräwe muss auch heute noch schmunzeln, wenn er darauf zu sprechen kommt. Er hat sich zurückgemeldet mit einer neuen Geschichte. Es geht um „sie“: wunderschön, stark und noch immer gut in Form. Trotz der 30 Jahre, die „sie“ inzwischen auf dem Buckel hat. Der Seester streicht über ihre runden Kurven, die weichen Linien der Vollverkleidung, die zackigen Chrom-Teile und die glänzende Haut aus Lack. „Das ist mein Moped“, sagt er mit zärtlicher Stimme.

Durch 26 Länder

Das „Moped“ ist eine wuchtige Honda Goldwing 1200 in bordeaux-rot. Sie hat ihn durch 26 Länder getragen. Die beiden cruisten durch Europa, erkundeten die USA, Mexiko und Kanada und rumpelten über Schotterpisten in Südamerika.

Insgesamt 333000 Kilometer legten sie dabei bis heute zurück. Das weiß Hermann Holtgräwe deshalb so genau, weil er Buch geführt hat. Immer wenn er mit seiner, wie er sagt, „ewigen Liebe“ eine große Tour hinter sich hatte, notierte er den Kilometerstand. Im Sommer 1997 hatte die Honda demnach rund 160000 Kilometer auf dem Tacho, fünf Jahre später waren es bereits 250000 Kilometer.

Nach Holtgräwes Buchführung hat die Maschine am 13. Dezember Geburtstag. Das ist der Tag, an dem er vor 30 Jahren bei einem Händler hinterm Hauptbahnhof von Osnabrück den Kaufvertrag unterschrieben hat. Dieser Tag jährte sich jetzt zum 30. Mal.

Dies, so befand der 53-jährige Seester, sei fürwahr ein ganz besonderer Anlass und er bestellte flugs im Internet einen Aufkleber mit einer 30, umrahmt von ein paar Eichenblättern, und klebte diesen gut sichtbar unter das Lenkrad. Es ist einer jener Aufkleber, die Ehepaare sich für gewöhnlich zu einem runden Hochzeitstag kaufen.

Damit aber nicht genug: Hermann Holtgräwe hat sich auch die Mühe gemacht, den Tag ausfindig zu machen, an dem seine „Augenweide“ in Marysville im US-Bundesstaat Ohio vom Band rollte. Er kontaktierte den Motorradhersteller und erhielt postwendend eine Antwort. Demnach wurde seine Goldwing am 24. Juli 1985 produziert. Darüber hat er von Honda sogar ein Zertifikat erhalten, das er in einem Ordner sorgfältig aufbewahrt.

Kurzum: Die Beziehung von Hermann Holtgräwe zu seinem „Moped“ scheint eine ganz Besondere zu sein. Den Klang der Maschine beim Gasgeben, den beschreibt er als „zornig“. Wenn er das Pedal einmal richtig durchtritt, dann fühle sich das an wie ein Erdbeben. „Man spürt ihre Kraft“, schwärmt der gelernte Landwirt. Auch beim Blick auf die Chrom-Teile, die er im Laufe der Jahre montierte, gerät der groß gewachsene Mann in Entzücken.

Flower-Power-Feeling

Das Radio- und Kassettenfach, das habe er inzwischen gegen einen MP3-Player ausgetauscht. Meistens spiele er bei seinen Ausfahrten, so sagt er, „Flower Power“ und meint damit die alten Songs aus den 1970er Jahren. Im gemütlichen Tempo kurvt er dann über die Landstraßen, seine Haare und die langen Fransen seiner braunen Fransenjacke wehen dabei im Wind. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit“, erklärt er. Ein Gefühl, das nur zu toppen sei, wenn er außerdem noch ohne Helm fahren dürfe. Was ja längst nicht überall erlaubt sei, in einigen US-Staaten allerdings schon, wie er inzwischen aus eigener Erfahrung weiß.

Überhaupt sei Motorradfahren mit nichts zu vergleichen. Wie schön man dabei die frische Luft genießen könne, findet er. Und: „Ich kann mich noch sehr gut an den Blütenduft bei einer Tour durch Italien erinnern.“

Bis heute, auch darauf ist der Seester stolz, hat er mit seinem „Moped“ keinen Unfall gebaut. Toi, toi, toi. Brenzlige Situationen habe es aber natürlich gegeben. In Norwegen etwa, als er auf dem Weg nach Oslo in einen heftigen Schneeschauer geriet. „Da bin ich stur in der Spur eines Lkw gefahren.“ Oder in Uruguay, wo die Schotterpisten einfach nicht enden wollten. „Ich habe schließlich die Reise abgebrochen, weil es einfach nicht mehr ging.“

Derzeit überwintert die Maschine auf der Diele des Bauernhauses, in dem Hermann Holtgräwe wohnt.

Spätestens zum Frühjahr holt er sie aber wieder hervor und braust los. Sein Ziel: „Eines Tages sollen auf dem Tacho 500000 Kilometer stehen.“


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