Jede Menge Nachholbedarf Westerkappeln: Arbeitskreis diskutiert Tourismus

Von Katja Niemeyer

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Claudia Blume (links), Vorsitzende des Vereins für Wirtschaftsförderung in Mettingen, berichtete von den Marketingaktivitäten in der Nachbargemeinde. Westerkappelns Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer hatte zu dem Arbeitskreistreffen eingeladen. Foto: Katja NiemeyerClaudia Blume (links), Vorsitzende des Vereins für Wirtschaftsförderung in Mettingen, berichtete von den Marketingaktivitäten in der Nachbargemeinde. Westerkappelns Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer hatte zu dem Arbeitskreistreffen eingeladen. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Beim zweiten Treffen des Westerkappelner Arbeitskreises Marketing ist auch Kritik laut geworden. Das aber eher am Rande. Vor allem konzentrierten sich die rund 25 Teilnehmer darauf, Ziele zu formulieren und Ideen zu sammeln, mit denen der Ortskern wieder nach vorne gebracht werden soll.

„Ich möchte, dass 300 Tage im Jahr etwas los ist im Ortskern und nicht nur während der Marktveranstaltungen“, sagte Katja Otte, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHGW). „Und ich hoffe, dass wir eine verrückte, zündende Idee entwickeln, damit wir Westerkappeln wieder auf den richtigen Weg bekommen.“ Wie berichtet, befindet sich die IHGW derzeit in einem Umstrukturierungsprozess, nachdem der Verein über lange Zeit ums Überleben gekämpft hatte.

Kunden in den Ortskern ziehen

Die Kehrtwende soll nun mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung gelingen. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, die das Thema zur Chefsache erklärt hatte, betonte während der dreistündigen Versammlung am Montagabend im Rathaus, dass sich der Ortskern und das Einkaufszentrum an der Heerstraße sehr wohl ergänzen könnten. „Wir müssen uns fragen, wie wir die Kunden der großen Läden in den Ortskern ziehen können“, so die Verwaltungschefin.

Anlaufstelle für Touristen nötig

Wirtschaftsförderin Anke Biehl, die das Arbeitskreistreffen unter den Oberbegriff Tourismus gestellt hatte, räumte auf diesem Gebiet einen erheblichen Nachholbedarf ein. Nach einer Bestandsaufnahme kam sie zu einem nahezu vernichtenden Urteil. Eine Anlaufstelle für Touristen? Fehlanzeige. Das entsprechende Büro, das in dem mittlerweile geschlossenen Stadtcafé untergebracht war, ist von der Bildfläche verschwunden. Der Internetauftritt, mit dem sich die Gemeinde Gästen unter dem Stichwort Tourismus präsentiert? Stark verbesserungswürdig. Informationsmaterial für auswärtige Gäste? Lediglich ein Sammelsurium von Broschüren. Und die Postkarte, die Westerkappelner rein theoretisch in die weite Welt verschicken könnten? Angesichts der veralteten Motive machte Biehl keinen Hehl daraus, dass sie auch in diesem Punkt äußersten Handlungsbedarf sieht und erntete dafür von den Teilnehmern des Arbeitskreises große Zustimmung.

Info-Material veraltet

Insbesondere die Eigentümer von Ferienwohnungen, die Biehl ausdrücklich zu dem Treffen eingeladen hatte, äußerten ihren Unmut über das aus ihrer Sicht kaum vorzeigbare Material. „Wenn mich Gäste nach Infobroschüren fragen, weil sie die Region erkunden wollen, schicke ich sie zum Tourismusbüro nach Mettingen“, sagte eine Frau offen heraus. Und: „In Westerkappeln sind Gäste hoffnungslos verloren.“

Neben den Eigentümern von Ferienwohnungen waren zu dem Treffen Vertreter ganz unterschiedlicher Bereiche des Gemeindelebens gekommen. So zum Beispiel der Eigentümer eines Handwerksbetriebes, der Vorsitzende eines Schützenvereins, eine Künstlerin, eine Vertreterin des Jugendtreffs „JoyZ“, eine Umweltpädagogin und ein Ortsführer. Sie alle saßen Seite an Seite mit Westerkappelner Einzelhändlern.

Wir-Gefühl stärken

Einig war man sich darin, dass der Ort ein Einzelhandelskonzept braucht. Dass das „Wir-Gefühl“ gestärkt werden müsse. Dass es gelingen muss, den Ortskern mit den großen Märkten an der Heerstraße zu verbinden. Und dass die Gemeinde auf dem Weg dorthin externe Unterstützung und Fördermittel benötigt.

Mettinger Finanzierungsmodell

Wichtige Impulse für die Arbeit, die vor der Wirtschaftsförderin und den Ehrenamtlichen liegt, hatte zuvor Claudia Blume geliefert. Die Vorsitzende des Mettinger Vereins für Wirtschaftsförderung erläuterte das Finanzierungsmodell für das Tourismusbüro, in dem insgesamt vier Frauen in Teilzeit beziehungsweise auf 450-Euro-Basis beschäftigt sind. Die Gemeinde trägt demnach mit 30000 Euro rund die Hälfte der jährlichen Personalkosten. Den Rest erwirtschafte der Verein unter anderem durch den Verkauf von Souvenirs und durch Führungen und Veranstaltungen.

Blume erläuterte, dass der Verein für Wirtschaftsförderung Hand in Hand arbeite mit der Gemeindeverwaltung und dem Heimatverein. „Wir haben ein effektiv arbeitendes Konstrukt entwickelt“, sagte Blume, „aber natürlich ist bei uns auch nicht alles Gold, was glänzt.“


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