Ökologische Umgestaltung Seester Bach wird in ein neues Bett gelegt

Von Frank Klausmeyer

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Die Düsterdieker Aa wird auf einer Länge von 15 bis 50 Metern in ein neues Bett gelegt. Der Mutterboden der Fläche ist – wie im Hintergrund der drei Ingenieure Jochen Wiehager, Petra Berghegger (Prokektleiterin) und Christian Bork zu sehen – dafür bereits abgetragen. Der alte Verlauf wird später einfach zugeschüttet. Foto: Frank KlausmeyerDie Düsterdieker Aa wird auf einer Länge von 15 bis 50 Metern in ein neues Bett gelegt. Der Mutterboden der Fläche ist – wie im Hintergrund der drei Ingenieure Jochen Wiehager, Petra Berghegger (Prokektleiterin) und Christian Bork zu sehen – dafür bereits abgetragen. Der alte Verlauf wird später einfach zugeschüttet. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Auf den Wiesen und Feldern herrscht jetzt Winterruhe. Auf einigen Ackerflächen in Seeste ist das Gegenteil der Fall. Schwere Traktoren mit Muldenkippern fahren seit Wochen tonnenweise Erde ab. Es wird Platz gemacht für die Düsterdieker Aa. Der Bach wird in ein neues, natürlicheres Bett gelegt.

Die Düsterdieker Aa entspringt östlich von Westerkappeln, unweit des Präriesees. Von dort fließt sie nach Nordwesten und mündet nach etwa zehn Kilometern in die Mettinger Aa. Dabei geht es meist schnurstracks geradeaus durchs Gelände. Man könnte den Bach auch mit einem Entwässerungsgraben verwechseln. „Das Gewässer ist sehr naturfern“, bringt es Diplom-Ingenieurin Petra Berghegger vom Umwelt- und Planungsamt des Kreises Steinfurt auf den Punkt.

Bei Flurbereinigung begradigt

Wie viele andere Bäche wurde auch die Düsterdieker Aa vor Jahrzehnten im Zuge der Flurbereinigung ausgebaut. Ausbau, das klingt erst einmal positiv, zukunftsweisend, modern. Und das war es für die Bauern seinerzeit wohl auch, wurden oft zersplitterte landwirtschaftliche Flächen doch neu geordnet und zusammengelegt. Für Flüsse und Bäche wie die Aa war die Flurbereinigung dagegen eine Katastrophe. Heute heißt es deshalb: Zurück zur Natur.

Bach soll wieder mäandern

„Wir wollen die Düsterdieker Aa auf einer Strecke von 550 Metern ökologisch umgestalten“, erläutert Berghegger, die das Projekt leitet. Dabei wird der Bach um 15 bis 50 Meter in ein neues Bett gelegt. „In Zukunft schlängelt er sich dann durch die Landschaft.“ Dadurch wird der Lauf um circa 300 Meter verlängert.

Hintergrund des Projekts ist die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), mit der europaweit angestrebt wird, alle vorhandenen Flüsse, Seen, Grundwasser und Küstengewässer in einen qualitativ guten Zustand zu überführen. Ein ehrgeiziges Ziel, das sich wohl nur schrittweise umsetzen lässt.

Landeseigene Flächen

Für den Abschnitt der Düsterdieker Aa in Seeste sind die Voraussetzungen gut. „Wir bewegen uns hier auf landeseigenen Flächen“, betont die Projektleiterin. Schwierige Grundstücksverhandlungen mit betroffenen Landwirten waren nicht erforderlich. Für die Zufahrt zur Baustelle hatte sich allerdings ein Bauer quergestellt, weshalb die Traktoren einen Umweg nehmen müssen. Vom Seester Weg führt deshalb nun eine rund ein Kilometer lange, mit Hunderten Stahlplatten befestigte Baustraße über einen Acker zur Aa.

Baubedingungen noch optimal

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit in den vergangenen Monaten sind die Bedingungen noch optimal. Oft herrscht um diese Jahreszeit Land unter in der Düsterdieker Niederung. „Dann hilft uns auch die Baustraße nicht mehr“, gibt Jochen Wiehager aus Hörstel zu bedenken. Sein Ingenieurbüro ist auf Wasserwirtschaft und Gewässerökologie spezialisiert und hat den Umbau der Aa im Auftrag des Kreises geplant.

Mitte Oktober haben die Arbeiten – ausgeführt durch die Mettinger Firma Büscher – begonnen, spätestens Ende Februar müssen sie abgeschlossen sein. „Das ist hier Vogelschutzgebiet, und wir müssen die entsprechenden Verordnungen beachten“, erklärt Berghegger. Wenn bis zum 1. März nicht alles fertig ist, wird der Bachumbau bis zum Herbst kommenden Jahres pausieren müssen.

Umfangreiche Erdbewegungen

Im Wesentlichen besteht das Projekt aus Erdbewegungen. Rund 11000 Kubikmeter Boden fährt die Firma Büscher ab. „Ein Fußballplatz zwei Meter hoch“, macht Wiehager die Dimension deutlich. Der Mutterboden werde auf Ackerflächen von Seester Landwirten verteilt, erläutert Christian Bork, Bauingenieur im Büro Wiehager. Der Boden musste dafür eigens untersucht werden. Weil es sich um extensiv bewirtschaftete Flächen handelt, werden sie nicht gekalkt. Der Boden ist relativ sauer, „aber immer noch natürlich“, versichert die Projektleiterin.

Neuer Lauf wird breiter

Den Unterboden – Sand und Schluff – verwerte die Firma Büscher. Teilweise werde damit später auch der Altverlauf zugeschüttet. Das dämpfe die Kosten, die Berghegger auf 320000 Euro beziffert, wovon 80 Prozent das Land übernimmt.

Die Düsterdieker Aa wird im neu gestalteten Bereich künftig deutlich breiter. „Sonst kriegen wir einen Rückstau im Oberlauf“, erläutert Bork. Mitten im Hauptgerinne wird eine Niedrigwasserrinne angelegt, damit der Bach nicht trocken fällt oder versandet. „Ein Fluss im Fluss, der bewirkt, dass das Gewässer immer freigespült wird“, erläutert Wiehager.

Darüber hinaus werden Nebengerinne und Bermen angelegt. Bei Letztgenannten handelt es sich um Wasserwechselzonen, die auch Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tierwelt seien. Außerdem werden neue Böschungen gebaut.

Baumstämme als Strömungslenker

In die Aa sollen Baumstämme und -stümpfe gelegt werden – „wie in einem normalen Bach“, sagt Wiehager. Das Totholz werde einerseits von Fischen und Kleinstlebewesen als Unterschlupf genutzt, andererseits sei es ein Strömungslenker.

Macht so ein Bachumbau auf nur gut einem Zwanzigstel seines Laufs eigentlich Sinn? Auf jeden Fall, antwortet Experte Wiehager. „Es gibt ein Strahlwirkungs- und Trittsteinkonzept.“ Mit solchen Hotspots erziele man auch Wirkung für den Ober- und Unterlauf des Gewässers.

„Wir können auch nicht überall gleichzeitig etwas machen“, gibt Petra Berghegger zu bedenken. Das hänge mit den Eigentumsverhältnissen zusammen, mit den finanziellen Mitteln und mit der erforderlichen Manpower. Überdies handele es sich an dieser Stelle um ein Vogelschutzgebiet. „Und Gewässerschutz ist nicht immer Vogelschutz.“ Schließlich bewege man sich in einer Kulturlandschaft, die man nicht völlig umkrempeln könne und wolle.

Für die Gewässerunterhaltung des neu gestalteten Bereiches werde man sich künftig einmal im Jahr zusammensetzen. Dabei gilt laut Berghegger die Maxime: „Wir machen nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich.“


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