Die Kantorei Westerkappeln Anspruchsvolle Kirchenmusik in vertrauter Gemeinschaft

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Die Kantorei der evangelischen Kirche Westerkappeln probt montags im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Foto: Jannik ZeiserDie Kantorei der evangelischen Kirche Westerkappeln probt montags im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Foto: Jannik Zeiser 

Westerkappeln. Die Kantorei der evangelischen Kirche in Westerkappeln ist eine treue Gemeinschaft – nicht wenige Sängerinnen und Sänger sind seit mehr als 30 Jahren dabei. Jeden Montag trifft sich der Chor zum Proben und übt Kirchenmusik verschiedener Epochen ein. Hin und wieder steht auch ein Oratorium auf dem Programm.

Erst am Vortag der heutigen Probe hat die Kantorei ein Konzert im Dietrich-Bonhoeffer-Haus gegeben. Kantor Martin Ufermann lässt den Auftritt Revue passieren und liest den frisch erschienenen Zeitungsbericht dazu vor, unterbricht sich hin und wieder, macht kleine Späße und Anmerkungen. Die Chorsänger melden sich vereinzelt zu Wort: Ein sehr schöner Abend sei es gewesen, so die einhellige Meinung. „Es ist auch noch eine Menge Salzgebäck übrig“, ergänzt der Chorleiter; das gelte es in der Pause zu essen. Dann ein Blick auf das kommende Jahr: Ob Interesse an einem Chorwochenende in Damme bestehe? Breite Zustimmung.

In diesen ersten Minuten, noch vor den Stimmübungen, zeigt sich bereits, was die Gemeinschaft in der Westerkappelner Kantorei ausmacht: ein entspanntes und vertrautes Miteinander mit viel Platz für den persönlichen Austausch, auch abseits der Musik. 

Fokussierte Probe

Umso fokussierter verläuft anschließend die eigentliche Probe. Es stehen Lieder aus der Romantik an, Martin Ufermann erklärt dazu genau, wie die Besonderheiten dieser Epoche im Gesang umzusetzen sind. „Typisch für die Romantik ist, wenn eine Stimme besonders hervortritt.“ In diesem Sinne rät er den Tenören an einer Stelle, „schmachtend“ in die hohen Töne zu gehen. Nach wenigen Durchläufen der einzelnen Stimmen fügen sich die Lieder jeweils schnell zu einem stimmigen Ganzen zusammen.


Kirchenmusik aus verschiedenen Epochen - bis hin zu Popmusik - singt die Kantorei. Foto: Jannik Zeiser


Der Chor mache nicht einfach nur Musik, er sei auch das Medium der Botschaft, die in den Liedern stecke, erklärt Ufermann später im Gespräch. Daher müsse der Chor genau wissen, was er da eigentlich singe: „Zur musikalischen Arbeit kommt auch eine pädagogische.“ Zugute kommt ihm dabei, dass ein Schwerpunkt seines Studiums neben der Kirchenmusik auch die Schulmusik war. Musikalisches Vorwissen oder Notenkenntnisse setzt Ufermann nicht voraus, wer interessiert sei, könne einfach zur Probe kommen.

Weihnachstlieder im Hochsommer

Rein formal unterscheidet sich die Kantorei von einem Kirchenchor durch ihren Leiter – Martin Ufermann ist hauptamtlicher Kirchenmusiker in Westerkappeln, außerdem Kreiskantor und Kirchenmusikdirektor. Musikalisch zeigt sich der Unterschied aber auch in den Ambitionen. Obwohl sie mit Laienmusikern besetzt ist, hat die Kantorei in den vergangenen 30 Jahren unter Ufermanns Leitung an vielen anspruchsvollen musikalischen Großprojekten mitgewirkt. 



In den vergangenen Jahren zählte dazu etwa das Musical-Oratorium „Bruder Martin“ von Thomas Gabriel, das 2017 zum Reformationsjubiläum unter anderem auf der Freilichtbühne Tecklenburg aufgeführt wurde, gemeinsam mit Ufermanns anderen Chören, dem Jungen Chor und dem Mettinger Ki-Pop-Chor. 2016 wirkte das Ensemble an Haydns „Schöfpung“ mit, 2014 gab es ein Jubiläumskonzert zum 90-jährigen Bestehen der Kantorei (die früher ein Kirchenchor war) mit Musik von Bach, Haydn, Mendelssohn und weiteren; die Liste lässt sich lange fortsetzen. 

Konzerte wie diese bedürfen mitunter einer langen Vorbereitung. Manchmal fühle es sich dann merkwürdig an, im Hochsommer ein Weihnachtsoratorium zu proben, erzählt Ufermann. Neben diesen Großprojekten gibt es selbstverständlich viele kleinere Auftritte zu kirchlichen Anlässen, hin und wieder tritt die Kantorei auch bei Hochzeiten oder Goldenen Hochzeiten ihrer Mitsänger und Freunde auf. 

Erinnerungen an große Konzerte: Martin Ufermann in seinem Büro. Foto: Jannik Zeiser


Anreise aus Osnabrück

Nach gut einer Stunde Singen ist in der Pause Gelegenheit für Gespräche, Knabbereien und Getränke. Einige Sänger kommen sogar aus Osnabrück jeden Montagabend nach Westerkappeln. So beispielsweise Elke Wienhold und ihr Mann, die im Jahr 1983, angeregt von Freunden, eigentlich nur für begrenzte Zeit aushelfen wollten. „Wir sind sofort gut aufgenommen worden und dann geblieben“, sagt Wienhold heute. Ähnlich ist es Gerd Dieter Schunk ergangen, mit 86 Jahren eines der ältesten Chormitglieder. In den Achtzigern hatte ihn seine Frau Sigrid Schunk dazu inspiriert, zu den Proben zu kommen. „Er hat gesehen, wie begeistert ich immer von den Proben zurückkam“, sagt Sigrid Schunk. Erst seit 2013 ist dagegen Karin Hakmann dabei. Auch sie wurde von einer Freundin angeworben und schätzt jetzt besonders die persönlichen Kontakte im Chor. 

Ein besonderes Ritual: Sich an den Händen fassend singen alle abschließend einen Kanon. Foto: Jannik Zeiser

Abschließend wird gegen 22 Uhr, am Ende der Probe, die Gemeinschaft noch einmal in besonderer Weise zelebriert: Sich an den Händen fassend stimmen die Sänger in einen Kanon ein, bevor sie sich auf den Heimweg machen.


Steckbrief

Name: Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde Westerkappeln

Gründungsjahr: 1924

Chorleiter: Martin Ufermann

Mitgliederzahl: 36

Proben: montags, 20 bis etwa 22 Uhr, Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Westerkappeln, Kirchstraße 5

Kontakt: Martin Ufermann, 05404/6766

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