Zum Geständnis allzeit bereit Bandendiebstahl: Prozessauftakt gegen vier Rumänen

Von Lukas Speckmann

Meine Nachrichten

Um das Thema Westerkappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Prozessauftakt gegen eine rumänische Einbrecherbande. Symbolfoto: Michael GründelProzessauftakt gegen eine rumänische Einbrecherbande. Symbolfoto: Michael Gründel

Münster/Westerkappeln Die vier Angeklagten machen den Eindruck, als wären sie schon genug gestraft. Vor einem halben Jahr wurden sie in Rumänien verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzen sie in verschiedenen Gefängnissen und haben kaum Kontakt zur Außenwelt, auch nicht zur Familie.

Denn ein Teil ihrer Beute bleibt verschwunden, deshalb beschränkt die Justiz die Kommunikation. Die vier sind entsprechend gar: Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht flossen viele Tränen.

Einbrüche in Fotogeschäft-Warenlager

Doch die Rumänen sind anscheinend keine ganz gewöhnlichen Einbrecher. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sich 2015 zu einer Bande zusammengeschlossen zu haben, um in Warenlager von Fotogeschäften einzusteigen. Die Beute: hochwertige Kameras und Zubehör. Der Schaden: über 380000 Euro. Vier Fälle – in Griesheim bei Darmstadt und Eschborn bei Frankfurt sowie in Westerkappeln und Münster – hat der Staatsanwalt auf seiner Liste. „Ihnen wird hier kein Eierdiebstahl vorgeworfen, sondern erhebliche Straftaten mit erheblichen Schäden“, sagt die Vorsitzende – und begründet damit, warum eine spontane Begegnung mit den Angehörigen im Gerichtssaal erst einmal nicht drin ist.

Filmreife Taten

Die Angeklagten, alle Anfang 30, wirken nicht wie schwere Jungs. Keine Vorstrafen, keine Drogen, kein Alkohol – aber als Kraftfahrer, Kellner oder Hilfsarbeiter auf dem Bau kamen sie nur mühsam über die Runden. Ihre Taten allerdings waren offenbar filmreif: Laut Anklageschrift kletterten sie meist aufs Dach und schalteten die Alarmtechnik aus.

Beute von sechsstelligem Wert

In Westerkappeln kamen sie im Oktober 2016 allerdings nicht sehr weit. Denn obwohl sie zwei Bewegungsmelder abschalteten und einen weiteren demolierten, ging die Alarmanlage los. Rasche Flucht und Beute im Wert von 6700 Euro – das war unterdurchschnittlich. In Münster erbeuteten sie im April 2017 hingegen Kameras, Ferngläser und Smartphones im Wert von über 130000 Euro. Doch die deutsche und die rumänische Polizei waren ihnen schon auf den Fersen; im April 2018 klickten die Handschellen.

Erdrückende Beweislast

Die Beweislast ist offenbar erdrückend. Jetzt kann nur noch ein Geständnis helfen. Und tatsächlich sind die vier so begierig, auszupacken, dass zum Prozessauftakt darüber gestritten wurde, wer als Erster aussagen darf – denn danach hätten die anderen ja nichts mehr zu gestehen. Die Lösung: Alle vier ließen erklären, dass sie die Taten in Westerkappeln, Eschborn und Münster zugeben werden. Die Details folgen am nächsten Prozesstag, am 23. Oktober.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN