Der Letzte macht das Licht aus Im Westerkappelner Ortskern schließen weitere Läden

Von Frank Klausmeyer

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Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe: Das Schuhaus Brink (Shoes & More) wird die Filiale am Kreuzplatz schließen. Foto: Frank KlausmeyerRäumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe: Das Schuhaus Brink (Shoes & More) wird die Filiale am Kreuzplatz schließen. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Und der Letzte macht das Licht aus... – der Niedergang des Einzelhandels im Westerkappelner Ortskern nimmt bedrohliche Formen an. In Kürze drehen zwei weitere angestammte Geschäfte endgültig den Schlüssel um.

Im Schuhhaus Brink (Shoes & More), seit zehn Jahren am Kreuzplatz ansässig, läuft seit Mittwoch der Räumungsverkauf. Bis spätestens Weihnachten sollen die Regale leer sein. „Die Zahlen stimmen einfach nicht mehr. Das kann man sich nicht schönrechnen“, erläutert Inhaber Martin Brink, der zwei weitere Schuhläden in Recke und Hopsten betreibt, zur Geschäftsaufgabe. Obwohl Westerkappeln eigentlich genügend Einwohner habe, gebe es zu wenig Potenzial.

Ursache: Einkaufszentrum

Ursachen benennt Brink mehrere: Zuvorderst sei da das Einkaufszentrum an der Heerstraße, das zu viele Kunden aus dem Ortskern ziehe. Zweitens erschwerten Online-Händler die Geschäfte. „Und vielleicht spielt auch die Nähe zu Osnabrück eine Rolle.“

Das Einkaufszentrum an der Heerstraße setzt dem Zentrum jedenfalls weiter zu. Die neuerliche Erweiterung – in dem neuen Gebäude entstehen Ladenflächen für sechs Geschäfte sowie für eine Apotheke mit Fußpflegepraxis und für eine Zahnarztpraxis – bezeichnete Ratsherr Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) unlängst als „Dolchstoß für die Geschäfte im Ortskern“.

Umzug an die Heerstraße

Die Entwicklung scheint ihm recht zu geben. „cc.fashion“ wird dort einen neuen Laden öffnen. Die Filiale an der Großen Straße werde im Gegenzug geschlossen, bestätigt Inhaber Ewald Hagedorn. „Ich muss dorthin gehen, wo die Kunden sind.“ Dass der Westerkappelner Dorfkern sich nicht halten werde, sei schon vor Jahren absehbar gewesen, meint der Geschäftsmann, der Inhaber von insgesamt 16 Bekleidungsgeschäften in acht Städten und Gemeinden ist. Der Mietvertrag für „cc.fashion“ an der Großen Straße ende am 31. März kommenden Jahres.

Mit „cc.fashion“ verlässt gleichzeitig das letzte Textilgeschäft den Ortskern. Wo vor wenigen Jahren noch „Jamoda“, „ernstings family“, „Pinocchio“ und andere Textiler den Ortskern belebten, herrscht heute entweder Leerstand oder Gewerbetreibende mit eher wenig Laufkundschaft haben ihren Platz eingenommen.

Kein Bäcker mehr

Mit dem Umzug von Wellmann an die Heerstraße gibt es bald nicht einmal mehr Brot im Ortskern zu kaufen. Vor allem für ältere Leute sei das bedauerlich, ist immer wieder zu hören. Dagegen buhlen an der Heerstraße künftig dann drei Bäckereiketten sowie die Backwarenabteilungen von Lidl und Aldi in gegenseitiger nächster Nähe um Kundschaft. Konkurrenz scheint das Geschäft zu beleben.

Ob und welchen Nachmieter es für Wellmann an der Großen Straße gibt, ist offen. Der Eigentümer hat auf mehrfache Anfrage nicht reagiert. Nachdem sich Elektro Rehmeyer schon vor einiger Zeit aus dem großen Wohn- und Geschäftshaus zurückgezogen hat, bliebe nur noch Lotto-Toto Bensmann, dessen Inhaber auch Schreibwaren verkauft und die Postagentur betreibt, als Mieter übrig. Immerhin: Die Postagentur (mit Bankleistung) werde dort bleiben wie sie ist, versichert die Pressestelle der Deutsche Post DHL Group in Düsseldorf. Möglicherweise werde es an der Heerstraße künftig zusätzlich einen Paketshop geben. „Das ist aber noch nicht sicher“, erklärt Dieter Pietruck. Hintergrund: Bei der Vorstellung der Mieter für das neue Geschäftshaus hieß es, dass in dem dort einziehenden Schreibwarengeschäft mit Lotto-Toto-Annahme auch eine Poststelle eröffnet wird.

Fest steht: Wenn es im Ortskern keine Neuansiedlungen gibt, was nicht zu erwarten ist, wird sich der klassische Einzelhandel außer Bensmann demnächst (fast) nur auf wenige Läden an der Bahnhofstraße konzentrieren.


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