Das Grab war schon geschaufelt Versuchter Mord: Prozess gegen drei junge Westerkappelner

Von Frank Klausmeyer

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Westerkappeln/Münster. Noch bevor der Prozess um die Brandstiftung im Orientladen beendet ist, beginnt am Landgericht Münster das nächste Schwurgerichtsverfahren, bei dem es um eine schwere Straftat in Westerkappeln geht.

Ab Mittwoch, 26. September, müssen sich drei junge Männer vor der 1. Großen Strafkammer verantworten, denen gemeinschaftlicher versuchter Mord, versuchter schwerer Raub sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird.

Hauptbeschuldigter ist ein 16-Jähriger Westerkappelner. Er soll in der Nacht zum Ostermontag einen damals 22-Jährigen mit drei Schüssen aus einer Pistole schwer verletzt haben. Vor der Bluttat sollen er und seine zur Tatzeit 17 und 18 Jahre alten Freunde auf dem Spielplatz an der Timpenstraße ein Grab ausgehoben haben, um ihr Opfer später darin verschwinden zu lassen.

Laut Anklageschrift beabsichtigte das Trio, den 22-Jährigen überfallartig zu töten und auszurauben. Zwischen dem Hauptbeschuldigten und dem 22-Jährigen soll es zuvor zu erheblichen Streit gekommen sein, teilt das Landgericht zum bevorstehenden Prozess mit. Angeblich soll der Letztgenannte Bekannte des 16-Jährigen mit Drogen versorgt haben.

Waffe entwendet

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt davon, dass der 16-Jährige die halbautomatische Pistole seines Vaters entwendet hatte. Bei dem Versuch, in die Wohnung des 22-Jährigen an der Kreuzstraße einzudringen, sollen die drei Angeklagten von diesem bemerkt worden sein. Der jüngste Angeklagte habe in Tötungsabsicht drei Schüsse durch die geschlossene Fensterscheibe auf sein Opfer abgegeben haben. Zwei der Schüsse trafen die Leber und Lunge. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 22-Jährige ohne Notoperation verstorben wäre.

Die beiden anderen Angeklagten sollen die Schüsse auf den Geschädigten zumindest gebilligt haben. Laut Anklageschrift soll der 16 Jahre alte Westerkappelner, nachdem er realisiert hatte, dass der 22-Jährige noch lebte, einen Freund per Whats-App-Sprachnachricht aufgefordert haben, den Geschädigten zu töten.

Der 16-Jährige schweigt zu den Vorwürfen. Die beiden jetzt 18-Jährigen sollen die Tat im Wesentlichen eingeräumt haben, berichtete die Staatsanwaltschaft nach Erhebung der Anklage. Sie hätten gewusst, dass der 16-Jährige eine Waffe hatte, seien aber nicht davon ausgegangen, dass er damit tatsächlich auf den 22-Jährigen schießt.

Grab auf Spielplatz

Einer der beiden Mittäter hatte im Lauf der Ermittlungen den Hinweis auf das ausgehobene Grab an der Timpenstraße gegeben. Auf einem Smartphone gespeicherte Fotos bestätigten die Geschichte. Die Gemeinde hatte kurz nach Ostern lediglich den Hinweis bekommen, dass es auf dem Spielplatz ein Loch gab. Daraufhin schaufelte es ein Mitarbeiter des Bauhofes dieses wieder zu. Erst später stieß die Mordkommission auf die makabre Bedeutung der Grube.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften richteten sich zunächst gegen fünf Personen, die von der geplanten Tat gewusst haben oder ihnen bei der kurzzeitigen Flucht geholfen haben sollen. Am 3. April hatte die Polizei insgesamt sechs Verdächtige festgenommen: fünf in einem Osnabrücker Hotel samt Drogen und Messer, einen weiteren in Westerkappeln. Den Hinweis auf den 16-Jährigen hatten seine Eltern sowie dessen Ex-Freundin gegeben.

Obwohl der Hauptbeschuldigte mit 16 Jahren unter das Jugendstrafrecht fällt, findet der Prozess öffentlich statt. Denn sind in dem Verfahren auch Heranwachsende oder Erwachsene angeklagt – einer der drei Beschuldigten war schon zur Tatzeit 18 Jahre alt –, wird öffentlich verhandelt. So sieht es das Jugendgerichtsgesetz (§ 48) vor. „Die Öffentlichkeit kann jedoch ausgeschlossen werden, wenn dies im Interesse der Erziehung jugendlicher Angeklagter geboten ist“, heißt es im Gesetz.


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